Es ist gerade ein paar Wochen her, dass der dop­pelte Exis­tenz­kampf des FC Bury und der Bolton Wan­de­rers den eng­li­schen Fuß­ball in Atem hielt. (Alle Details zu dieser Tra­gödie gibt es in einer packenden Vor-Ort-Repor­tage in unserer neuen Aus­gabe zu lesen.) Seitdem wird auf der Insel nur über den Brexit noch hit­ziger dis­ku­tiert als über die Frage, wie man die ein­hei­mi­schen Klubs davor schützen kann, in die Fänge von dubiosen Besit­zern und in finan­zi­elle Schief­lage zu geraten. Mitten in die Debatte hinein erwischte es viel­leicht schon den nächsten Tra­di­ti­ons­verein – und es han­delt sich aus­ge­rechnet um den Klub, der gerade das roman­ti­sche Fuß­ball­mär­chen schreibt, das wir vor einigen Tagen erzählt haben.

Die Rede ist von Shef­field United. In den letzten zwei Jahren schaffte das Team unter Erfolgs­trainer und Fan­lieb­ling Chris Wilder den Sprung von der dritten in die erste Liga. Das ist umso bemer­kens­werter, da exakt wäh­rend dieser Zeit hinter den Kulissen ein erbit­terter und bizarrer Macht­kampf um die Kon­trolle über den Verein tobte. Er wurde am Montag ent­schieden. Vor Gericht. Sein Aus­gang hat dazu geführt, dass nun viele United-Fans um ihren Verein fürchten. Oder zumin­dest um ihren Trainer. 

Das Drama hatte seinen Anfang im Jahre 2013 genommen. Damals gehörte der Klub dem Geschäfts­mann Kevin McCabe, der in Shef­field auf­ge­wachsen ist und schon seit den fünf­ziger Jahren zu Spielen an der Bra­mall Lane geht. McCabe hatte angeb­lich schon hun­dert Mil­lionen Pfund in seinen Lieb­lings­verein gesteckt, und langsam gingen ihm die Mittel aus. Er suchte einen Investor – und fand den sau­di­schen Prinzen Abdullah bin Mus­a’ad bin Abdu­laziz Al Saud. Für den sym­bo­li­schen Preis von einem Pfund – und dem Ver­spre­chen, kräftig in United zu inves­tieren – bekam der Prinz, von dem McCabe ver­ständ­li­cher­weise annahm, er wäre stink­reich, 50 Pro­zent von Shef­field United. Das war McCabes erster Fehler.

Fatale Fehl­ein­schät­zung 

In den nächsten Jahren steckte Prinz Abdullah tat­säch­lich Geld in den Verein, etwa 18 Mil­lionen Pfund. Aber ers­tens war das wohl nicht die Grö­ßen­ord­nung, die sich McCabe erhofft hatte. Und zwei­tens scheint es so gewesen zu sein, dass Prinz Abdullah echte Schwie­rig­keiten hatte, diese Summe auf­zu­treiben. So kam im spä­teren Gerichts­streit heraus, dass er sich drei Mil­lionen Pfund leihen musste – und zwar von einem Ver­wandten Osama Bin Ladens. Bei der Ver­hand­lung erklärte McCabes Anwalt, dass Prinz Abdullah kei­nes­wegs sehr ver­mö­gend war, son­dern es nicht mal schaffte, lum­pige 500.000 Pfund auf­zu­treiben, um die Ange­stellten zu bezahlen“.

Fünf Jahre, nachdem McCabe und Prinz Abdullah Partner geworden waren, hatte der Eng­länder die Faxen der­maßen dicke, dass er den inzwi­schen mehr als unge­liebten Investor wieder los­werden wollte. Im Februar 2018 akti­vierte er eine Ver­trags­klausel, die es ihm erlaubte, Prinz Abdul­lahs Anteile für fünf Mil­lionen Pfund zurück­zu­kaufen. Das war McCabes zweiter Fehler. Oder besser: eine Fehl­ein­schät­zung. Der Eng­länder wusste, dass sein offener Angriff Prinz Abdullah das ver­trag­liche Recht gab, nun sei­ner­seits ein Angebot für die Anteile von McCabe abzu­geben. Aber ganz offenbar ging der Eng­länder davon aus, dass der Prinz das nicht tun würde.