TÜDFKAP
Aus der Reihe Aus­ge­rechnet“, Teil 743.093: Kevin Prince Boateng. Der Ver­schmähte. Der Unaus­trai­nierte. Gegen den VfB Stutt­gart kam er ins Spiel, wie der Dicke beim Schul­sport: Die leise Hoff­nung beim Stand von Auch schon egal“. Und das Dicker­chen lie­ferte ab, als sei es einem Disney-Mär­chen ent­sprungen. Schüt­tete eine Jah­res­ra­tion Tes­to­steron in die ängst­liche Wagen­burg der Arena, berei­tete den Aus­gleichs­treffer vor und erzielte den Sieg­treffer glatt selbst. Mit einer in Selbst­ver­ständ­lich­keit abge­fälschten Direkt­ab­nahme, die den ganz Großen des Sports vor­be­halten ist. Oder eben jenen, die sich dafür halten. Ein kurzer Jubel noch, der mehr nach Sumo denn nach Flick-Flack aussah, und dann stand er da: Boapeng. Oder wie er in Fach­kreisen längst genannt wird: TÜDFKAP — The Über­ge­wichte Diva Form­erly Known As Prince.

Klaas-Jan Hun­telaar
End­lich wieder Jagd­zeit für den Hunter. 1195 ewige Minuten musste er auf sein Erfolgs­er­lebnis warten und als es soweit war, schien er glatt ver­gessen zu haben, wie er ehedem zu jubeln pflegte. Unbe­holfen wie ein Kick­tipp-Männ­chen im Test­be­s­trieb drosch er den gerade erst im Netz ver­senkten Ball gen Mond. Viel­leicht aber machte er sich auch nur über den bemit­lei­dens­werten Kol­legen Georg Nie­der­meier lustig, ohne den Hun­telaars erster Treffer undenkbar gewesen wäre. Als wollte er sagen: Schau, lieber Georg, das ist der Ball und dort oben der Himmel. Und wenn Du nicht willst, dass ich treffe, soll­test Du die beiden mit­ein­ander bekannt machen.“ 

Bruno Lab­badia
Men­schen, die vor dem Amts­an­tritt von Bruno Lab­badia auch nur einen fal­schen Pfif­fer­ling auf den Klas­sen­er­halt des HSV gesetzt hätten, hätte man zu diesem Zeit­punkt eigent­lich zwangs­läufig auf den Konsum von harten Drogen unter­su­chen müssen. Toter als die Kar­riere eines DSDS-Kan­di­daten schien der Dino zu diesem Zeit­punkt und hoff­nungs­loser als ein Ein­ar­miger, der seinen Lebens­un­ter­halt als Anklat­scher ver­dient. Doch dann kam Bruno Lab­badia. Und plötz­lich gewinnt der HSV, schießt Tore durch Lasogga (!) und Kacar (!!) und steht für den Moment über dem Strich. Über seinen eigenen Ein­fluss wird der schöne Bruno“ ver­mut­lich sagen: Das wird doch alles von den Medien hoch­ste­ri­li­siert!“ Wir hin­gegen sagen: Das kann man gar nicht hoch genug ste­ri­li­sieren!

Rico Strieder & Lukas Görtler
Was haben Max Eberl, Mats Hum­mels und Uwe Tschis­kale mit Rico Strieder und Lukas Görtler gemeinsam? Richtig: super Namen. Und, Stand heute, exakt ein Bun­des­li­ga­spiel für den glor­rei­chen Super­Su­per­Super FC Bayern Mün­chen. Man muss nicht Franz Becken­bauer heißen, um zu pro­phe­zeien, dass viel mehr Spiele nicht hinzu kommen werden. Denn im Gegen­satz zu den all den wirk­li­chen Super­Su­per­Super-Talenten des Klubs, den Gau­dinos, Scholls und Kurts, kamen die Namen Strieder und Görtler über den geneigten Bayern-Sym­pa­thi­santen wie eine Ankün­di­gung Tongas, den Mars zu bevöl­kern. Aber auch mit nur einem oder sehr wenigen Spielen für den Super­Su­per­Super FC Bayern kann man schließ­lich Manager eines Tra­di­ti­ons­ver­eins, Welt­meister oder Uwe Tschis­kale werden. Bes­sere Gründe für die Beru­fung in die 11 des Spiel­tags gab es selten.

Timo Horn
Er hat die Gesichts­züge einer Dom­statue. Und manchmal scheint es, als teile er auch deren Leben­dig­keit. Er wirkt so unauf­ge­regt wie eine Tag­schicht in den Ford-Werken von Köln-Niehl. Und ist für seinen Klub so lebens­not­wendig wie das Kölsch für die Stadt. Dabei will Timo Horn so gar nicht in das Bild vom lustig-chao­ti­schen Eff-Zeh“ passen. Und auch in Augs­burg flog er wie selbst­ver­ständ­lich von einer Parade zur nächsten als müsse er an Kar­neval Prinz, Bauer und Jung­frau zugleich geben. Flog damit zum neunten 0:0 der Saison und zog seinen jüngst selbst auf­ge­stellten Rekord damit nur noch straffer in die Ewig­keit. So sichert man sich einen Platz in den Geschichts­bü­chern. Und ein Nach­leben als Dom­statue.

Davie Selke
Sein Wechsel nach Leipzig sorgte für mehr Auf­re­gung als jeder mit­tel­mä­ßige Abhör­skandal. Und neben all den Argu­menten und Ein­wänden stand immer auch die Frage im Raum, ob dieser 20 Jahre alte, 31 Bun­des­li­ga­spiele junge Stürmer die acht Mil­lionen Euro Ablöse über­haupt wert sei. Zumin­dest in dieser Hin­sicht lässt sich das Rätsel des Selke-Wech­sels nach diesem Wochen­ende ein Stück weit besser ver­stehen. Denn wie bereits in der ver­gan­genen Woche bewies der U19-Euro­pa­meister auch gegen Ein­tracht Frank­furt, dass er die Bälle wenn schon nicht magisch beherrscht, so doch zumin­dest anzieht, wie Justin Bieber krei­schende Hirn­tote. Das Tor, ob durch Wange, Hin­tern oder Schlüs­sel­bein erzielt, kommt dann von ganz allein. Und irgend­wann, am Ende einer langen, erfolg­rei­chen Kar­riere wird es über ihn heißen: Seine Tore waren nicht schön, aber selken.