Seite 2: An der Spitze eines Konsortiums

Die Witwe kämpfte bis zuletzt um die Anteile der Louis Dreyfus Com­pany, einem Misch­kon­zern im Agrar‑, Metall- und Energie-Sektor. Auch Schiffbau, Immo­bi­lien sowie Finanzen schreibt sich LDC ins Port­folio. Bis vor Kurzem hielt die aus St. Peters­burg stam­mende Geschäfts­frau 96 Pro­zent der Aktien des Unter­neh­mens. Um Aktien der anderen Fami­li­en­mit­glieder zu kaufen, nahm sie 2019 einen Kredit von über einer Mil­li­arde Dollar bei der Credit Suisse auf. Erst vor wenigen Tagen ver­kaufte sie jedoch 45 Pro­zent ihrer Anteile an den Staats­fonds in Abu Dhabi. Die Witwe tat dies, um ein Cash-Pro­blem zu lösen, das sie auf­grund des Credit-Suisse-Kre­dits hat. Bis­lang konnte sie ihre Schulden beglei­chen, indem sie sich hohe Divi­denden aus­zahlen ließ. Teil­weise waren sie sogar höher als der Jah­res­ge­winn der LDC, was dem Wert der Akteien abträg­lich war. Der Buch­wert der Firma wird aktuell auf 4,5 Mil­li­arden Dollar taxiert. Der Deal umfasst den Ver­kauf von Agrar­roh­stoffen an die Ver­ei­nigten Ara­bi­schen Emi­rate. Über die Höhe des Geschäfts ist nichts genaues bekannt, LDC gab ledig­lich bekannt, dass min­des­tens 800 Mil­lionen US-Dollar in das Unter­nehmen inves­tiert werden. Somit wurde das Fami­li­en­un­ter­nehmen zum ersten Mal für externe Eigen­tümer geöffnet. Den Groß­teil der Anteile an Olym­pique Mar­seille ver­kaufte sie bereits vor Jahren, heute hält sie nur noch fünf Pro­zent. Daher rührt auch die Fuß­ball­be­geis­te­rung von Soh­ne­mann Kyril Louis-Dreyfus.

FC Bayern des Nord­osten Eng­lands“?

Bereits als 16-Jäh­riger – 2014 hielt seine Mutter noch die Mehr­heit am Klub – gab er France Foot­ball ein Inter­view und machte deut­lich wie sehr er am Klub hänge. Den OM-Anhän­gern machte er große Hoff­nungen auf die Meis­ter­schaft, indem er sagte: Der Titel ist nicht für PSG reser­viert.“ Den dama­ligen Prä­si­denten Vin­cent Lab­rune, der von der Familie 2011 instal­liert worden war, ver­tei­digte er gegen die Kritik des Trai­ners Mar­celo Bielsa. Im selben Inter­view kün­digte er damals an, dass er den Klub zurück­kaufen werde, sollte seine Mutter ihn je ver­kaufen. Dazu kommt es nun, zumin­dest zunächst, doch nicht, denn der 22-Jäh­rige möchte beim AFC Sun­der­land ein­steigen. Doch wie kommt der Mil­li­ar­därs­sohn an das Geld? Es wird geschätzt, dass er mehr als zwei Mil­li­arden Euro geerbt hat. Das Geld ist Teil eines Trust Fund, der von seiner Mutter gehalten wird. Wie die bri­ti­sche Zei­tung The Guar­dian her­aus­fand, steht Kyril an der Spitze eines Kon­sor­tiums. Teil davon ist auch Juan Sar­tori, der bereits 20 Pro­zent des Ver­eins hält, und Kyril als Käufer vor­ge­schlagen hatte. Der jet­zige Besitzer Ste­wart Donald wird 15 Pro­zent seines Anteils behalten.

Damit wird ein junger, fuß­ball­be­geis­terter Mil­li­ardär aus der Schweiz einen Tra­di­tions- und Arbei­ter­verein aus dem Nord­osten Eng­lands über­nehmen. Aus dem väter­li­chen Plan, Olym­pique Mar­seille zum FC Bayern des Südens“ zu machen, wurde nichts, nun ver­sucht sich Sohn Kyril Louis-Dreyfus an einem ähn­li­chen Pro­jekt. Aller­dings muss er dafür den eins­tigen Riesen aus der Ver­sen­kung hieven. Mög­lichst skan­dal­frei. Sonst heißt es bald nicht Sun­der­land til I die“, son­dern ’til Sun­der­land died“.