Was ist los?
Einiges. Am Mitt­woch wurden ins­ge­samt 57 Haus­durch­su­chungen durch­ge­führt, 44 davon in Bel­gien. Meh­rere Per­sonen, alle­samt mehr oder minder wich­tige Akteure im bel­gi­schen Pro­fi­fuß­ball, wurden fest­ge­nommen. Es geht um Finanz­be­trug im großen Stil, in erster Linie im Zusam­men­hang mit Spie­ler­ver­trägen und Trans­fers. Außerdem sollen meh­rere Spiele der ersten bel­gi­schen Liga ver­schoben worden sein. Ende 2017 hatte die bel­gi­sche Bun­des­po­lizei ihre Ermitt­lungen auf­ge­nommen, seit ges­tern macht sie ernst.

Welche Ver­eine hat’s erwischt?
Man müsste eher fragen: Welche eigent­lich nicht? Denn den Durch­su­chungen und Fest­nahmen zu Folge ste­cken immerhin zehn von 16 bel­gi­schen Erst­li­gisten seit ges­tern in Schwie­rig­keiten. Unter anderem Rekord­meister RSC Ander­lecht, der die Durch­su­chungen der eigenen Ver­eins-Räum­lich­keiten auch offi­ziell bestä­tigte und ver­kün­dete, mit den Behörden unbe­dingt koope­rieren zu wollen. Außerdem von den Raz­zien betroffen: Stan­dard Lüt­tich, Dort­munds Cham­pions-League-Gegner und amtie­render Meister FC Brügge, Tabel­len­führer KRC Genk, Gand, Cour­trai, KSC Lokeren, Ost­ende und Malines. Heute früh wurden außerdem meh­rere Spieler von Waas­land-Bee­veren fest­ge­nommen. Noch ist aller­dings nicht sicher, wer genau. Nicht mal der Pres­se­spre­cher hat bisher – zumin­dest offi­ziell – den Durch­blick: Ich weiß nicht, welche Spieler ver­haftet wurden.“ Weil die Mann­schaft erst abends ein Test­spiel bestreite, habe heute bisher kein Trai­ning statt­ge­funden, woraus her­vor­ge­gangen wäre, wer denn eigent­lich alles fehlt. Test­spiel­gegner später ist übri­gens der 1. FC Köln.

Und wen sonst noch?
Außerdem geht es um einige (in Bel­gien) pro­mi­nente Per­sonen. Hier eine (der knappen Zeit halber unvoll­stän­dige) Auf­lis­tung:
– Ex-RSC-Ander­lecht-Anwalt Lau­rent Denis
– Ex-RSC-Ander­lecht-Manager Herman Van Hols­beeck
– Brügge-Trainer Ivan Leko, der sogar in der Zelle über­nachten musste und heute um 11:30 Uhr dem Unter­su­chungs­ge­richt vor­ge­führt wurde
- Spie­ler­be­rater Mogi Bayat, der ver­sucht haben soll, das geht aus mit­ge­schnit­tenen Tele­fo­naten hervor, Schieds­richter zum Betrug zu über­reden
- Spie­ler­be­rater Dejan Vel­j­kovic, der ver­sucht haben soll, das geht aus mit­ge­schnit­tenen Tele­fo­naten hervor, Schieds­richter zum Betrug zu über­reden
– Spie­ler­be­rater Karim Mejatti
- die beiden Schieds­richter Sebas­tien Del­fe­rière und Bart Ver­tenten

Infor­ma­tionen der bel­gi­schen Zei­tung L’Echo“ zu Folge wird auch gegen Chris­toph Hen­trotay ermit­telt. Der Name sagte uns bis vor wenigen Minuten auch nichts, Hen­trotay ist aber durchaus eine große Nummer im Welt­fuß­ball. Weil er zum Bei­spiel Thibaut Cour­tois als Berater ver­tritt. Hen­trotay wird vor­ge­worfen, unter anderem bei den Trans­fers seiner Kli­enten Romelu Lukaku und Youri Tie­le­mans Mil­lionen von Euros ver­un­treut zu haben.

Bei wel­chen Spielen soll betrogen worden sein?
Es geht um die Paa­rungen Cour­trai gegen Mou­scron im März 2017, SC Char­leroi gegen Gand im Oktober 2017 und um das Spiel Eupen gegen Mou­scron im März 2018. Das Spiel endete, obwohl es bis 17 Minuten vor Schluss noch 0:0 stand, mit 4:0 und war ent­schei­dend für den wei­teren Ver­lauf im Abstiegs­kampf. Schon damals rümpften viele Beob­achter die Nase. Selbst hier in der Redak­tion.

Wo gab es außerdem Raz­zien?
Wieder zunächst die Gegen­frage: Wo denn eigent­lich nicht? Aber gut: Ermit­telt wurde in Frank­reich, in Luxem­burg, auf Zypern, in Mon­te­negro, in Ser­bien und in Maze­do­nien. Doch wir sind uns sicher: Da geht noch mehr.

Ist Bel­gien ein ein­ziger Sumpf?
Nein. Bei­spiels­weise besteht das 30.528 km² große Land zu 22,6 Pro­zent aus Wald­fläche. Auch wurden 1994 immerhin noch 46 Pro­zent der Fläche land­wirt­schaft­lich genutzt. Aber: Falls Sie die Frage auf den Fuß­ball bezogen haben: Ja. Defi­nitiv.