Patrick Herr­mann
Schon in der ver­gan­genen Woche schaffte es Patrick Herr­mann in die Elf des Spiel­tags. Da ließ er die Hof­fen­heimer Elf so alt aus­sehen, dass man meinen konnte, sie wäre bei der Grün­dung“ der TSG anno 1899 voll­zählig anwe­send gewesen. Und auch an diesem Wochen­ende erklärte Herr­mann die Rege­lung der Dinge zur Chef­sache. Gegen den BVB stand er am Anfang des 28-Sekunden-Füh­rungs­tref­fers und ver­ant­wor­tete abge­run­dete 99 Pro­zent des vor­ent­schei­denden 2:0. Laserte dabei ein Solo in den Rasen, dass man sich in Mön­chen­glad­bach schon nicht mehr erin­nern konnte, an wen einen das noch gleich erin­nerte. So ein schmaler rot-blonder. Hat sich immer zum Trai­ning chauf­fieren lassen. Na, wie hieß der gleich noch?“ Egal, rufen die Jünger von PH7“ und sogleich eine Zei­ten­wende aus: Licht­ge­schwin­dig­keit wird ab heute in Herr­mann gemessen!“

Valentin Sto­cker
Er kam über die Bun­des­liga wie eine Steu­er­sünder-CD — nach einigem Hin und Her, nicht gerade umsonst und nie­mand wusste zunächst so richtig, was nun anfangen mit dem Schweizer Mit­tel­feld­spieler vom FC Basel. Jos Luhukay, der alte Stra­tege, ver­schob ihn zwi­schen Reserve, Bank und Tri­büne. Als wäre Königs­transfer Sto­cker nichts als eine Schach­figur, die nur Rochade kann. Erst Nach­folger Pal Dardai ver­schaffte Sto­cker neue Frei­heiten und der blühte prompt auf wie Omas Mai­glöck­chen. Und nachdem er sich anfangs auf Vor­lagen zu spe­zia­li­sieren schien, trifft er jetzt auch noch. Und wie! Sein Aus­gleichs­treffer gegen Han­nover: Ein Tor wie ein Round­house-Kick, anspruchs- und wir­kungs­voll zugleich. Ein Schuss wie in den Erzäh­lungen von Wil­helm Tell. Wie eine Steu­er­sünder-CD, die zwi­schen all den Daten einen guten Punk-Song ver­steckt hat. 

Pepe Reina
Was haben es die Bayern schwer in diesen Tagen. Der Vor­sprung auf Wolfs­burg ist auf schlanke zehn Punkte ein­ge­schmolzen, das Pokal­vier­tel­fi­nale mia-san-miate sich nur durch Elf­me­ter­schiessen in Rich­tung Glück und die Ver­letz­ten­liste erst. Länger als die Inven­tar­liste eines Messi-Haus­halts. Gegen Ein­tracht Frank­furt reichte es nun nicht einmal mehr, die Ersatz­bank voll zu bekommen. Auf der über­ra­schend auch Manuel Neuer Platz nahm. Ange­sichts der schwie­rigsten Phase, seit ich bei den Bayern bin“ (O‑Ton einer Toi­let­ten­frau in der Allianz-Arena), schien Pep Guar­diola auf Nummer sicher gehen zu wollen. Schließ­lich hatten die Bayern noch nie gegen Frank­furt ver­loren, wenn sie einen spa­ni­schen Tor­hüter zwi­schen ihren Pfosten wussten (0 Spiele, 0 Nie­der­lagen). Und so lief also Pepe Reina auf, hielt seinen Kasten sauber und die beein­dru­ckende Serie spa­ni­scher Bayern-Tor­hüter gegen Frank­furt am Leben (1 Spiel, 1 Sieg). Pep Guar­diola fand es super­su­per­super“. Also gar nicht mal so gut.

Kevin Trapp
Auf der Gegen­seite machte Thomas Schaaf den Ade­nauer und keine Expe­ri­mente. Er ver­traute wie gewohnt auf Kevin Trapp. Und der sorgte fast im Allein­gang dafür, dass die Bayern das Krisen-Gerede wohl so schnell nicht los­werden. Nur 3:0 gegen Ein­tracht Frank­furt! Mit gefühlt 17 Armen und min­des­tens aber sieben Beinen hielt Trapp besser als ein Flut­wall in der Sahara. Und die Stim­mung seiner Mann­schaft auf Normal-Null. Man habe alles gegeben, die Bayern seien eben besser und über­haupt, null drei, das könne doch mal pas­sieren, spra­chen Seferovic und Co. nach dem Spiel und sorgten dafür, dass Kevin Trapp den Sonntag in der Reha-Abtei­lung ver­brachte. Ent­gegen erster Ver­mu­tungen nicht etwa, weil er so viele Bälle abbe­kommen hatte in Mün­chen, son­dern wegen des Kopf­schüt­telns über die zahn­losen Aus­sagen seine Kol­legen.

Die Aus­wech­sel­tafel des VfB Stutt­gart
Zwei VfB-Heim­siege in Folge waren in dieser Saison bisher so häufig wie eine Ant­wort von And.Y bei einem Grup­pen­in­ter­view der Fan­tas­ti­schen Vier. Und wie mit And.Y bei den Fanta4“ ist es auch beim VfB ein aus­neh­mend stiller Held, der den Laden auf Kurs hält — die Aus­wech­sel­tafel. Im Spiel gegen Ein­tracht Frank­furt vor zwei Wochen schien sie bereits Alex­andru Maxims Rücken­nummer 44 in den Stutt­garter Himmel, da dieser sich seiner Kern­kom­pe­tenz besann und dem Spiel mit zwei Tor­vor­lagen eine Wen­dung schenkte. Und auch gegen Werder Bremen war auf die Aus­wech­sel­tafel Ver­lass. Nachdem Martin Harnik inner­halb von 52 Sekunden zwei Chancen bibli­schen Aus­maßes ver­siebt hatte, schritt die Aus­wech­sel­tafel zur Tat. Mit Erfolg. Kaum war Har­niks Rücken­nummer sieben für den avi­sierten Wech­seln ein­pro­gram­miert, ver­naschte der Öster­rei­cher Bre­mens Tor­wart Wolf und flankte punkt­genau auf den Tor­schützen Daniel Gin­czek. Schon machen Gerüchte die Runde, die Aus­wech­sel­tafel stehe vor einem Wechsel zum HSV und habe sich in der Han­se­stadt bereits Woh­nungen ange­schaut. 

1. FC Köln/​Jogi Löw
Der Eff-Zeh“ kann nur aus­wärts, hat ein Sturm­pro­blem und die Stim­mung im Sta­dion gleicht wegen des Zuschau­er­aus­schlusses und ohne Ultras einer Trau­eran­dacht im Dom. Soweit die Vor­ur­teile gegen­über den Köl­nern vor dem 28. Spieltag. Doch dann kam das Heim­spiel gegen Hof­fen­heim und alles anders. Denn die Kölner zün­deten ein Feu­er­werk, gegen dass sich das all­jähr­liche Rhein in Flammen“ aus­nimmt wie eine nasse Wun­der­kerze. Chancen im Minu­ten­takt, drei eigene Tore und eine Stim­mung wie bei der Auf­er­ste­hung von Willy Mil­lo­witsch. Und weil an diesem Tag ein­fach alles gelingen wollte, schickte das Spiel ganz nebenbei noch einen Gruß in Rich­tung der letzten ver­blie­benen Kri­tiker unseres Bundes-Jogis. Schickte dessen wun­der­same Ent­de­ckung Jonas Hector auf die Reise seines Lebens, auf die Reise durch die gesamte Hof­fen­heimer Hälfte und zum 3:1. Ein Ereignis, so wahr­schein­lich wie ein Helau“ im Kölner Kar­neval und doch wahr. Oder um es in Kölsch zu sagen: Et bliev nix wie et wor.“