Als Jan Löhmannsröben am Sonntag in Zwi­ckau zum Rund­um­schlag aus­ge­holt hat, musste ich kurz zucken: Ich war mir nicht sicher, ob er mir gleich vor Frust ins Gesicht springen würde. Seine Wut­rede ist jetzt schon legendär, weil sie die kom­plette Band­breite an mensch­li­chen Emo­tionen zeigt. Ungeschönt, streitbar und echt!

Frei Schnauze

Natürlich lässt sich über die Wort­wahl streiten und darüber dis­ku­tieren, ob seine Aus­sagen belei­di­gend waren. Man kann dieses Inter­view aber auch als das sehen was es ist: Eine Szene mitten aus dem Leben. Dieses Gefühl kennen wir alle! Die bit­tere Enttäuschung über Unge­rech­tig­keiten, die Ver­zweif­lung darüber, dass harte Arbeit nicht zum Erfolg geführt hat und der Frust über fal­sche Ent­schei­dungen. Jan Löhmannsröben hat nichts anderes getan, als diesem Gefühl Aus­druck zu ver­leihen und zwar genau so, wie er es in dem Moment emp­funden hat. Ohne PR-Bera­tung, ohne die 12. Kor­rek­tur­schleife und ohne auch nur einen ein­zigen Gedanken an mögliche Kon­se­quenzen zu ver­schwenden.

Kon­troll­aus­schuss ermit­telt

Dass er für dieses Inter­view nun bestraft werden soll, ist ganz bitter und geht meiner Mei­nung nach in die völlig fal­sche Rich­tung. Wer die 3. Liga für ihren rauen ursprünglichen Cha­rakter und die Nähe zur Basis lobt, muss auch die dazugehörigen Emo­tionen aus­halten können. Die echten und unge­fil­terten. Die, die auch mal weh tun können. Für seine Wort­wahl hat sich Jan Löhmannsröben bereits öffentlich ent­schul­digt. Und dabei sollte man es dann meiner Mei­nung nach auch belassen. Sonst werden die Ver­eine ihre Spieler zukünftig vor dro­henden Sperren schützen, sie von möglichen Gefühlsausbrüchen fern­halten und wir werden solch ein Feu­er­werk an Emo­tionen auch in der 3. Liga nicht mehr erleben. Und das wäre ver­dammt schade!

Denn ich mag Charakterköpfe. Solche, die auch mal laut sind, bei denen es auch mal rum­pelt. Die viel­leicht auch mal über ́s Ziel hin­aus­schießen, aber bei all dem vor allem immer eins sind: echt!