Es war der beste Tage meines Lebens“, sagt Jack Grea­lish über den 10. März 2019. An diesem Tag lief er zum ersten Mal als Aston-Villa-Kapitän im Bir­mingham-Derby auf. Doch ganz so glück­lich, wie er sich am Ende des Tages zeigte, begann das Spiel für ihn nicht. Im Gegen­teil. Zunächst musste Grea­lish ordent­lich ein­ste­cken.

Es läuft die neunte Spiel­mi­nute, als Jack Grea­lish einen zu langen Ein­wurf seines Team­kol­legen Anwar El Ghazi nicht mehr erreicht. Plötz­lich stürmt ein Fan von Bir­mingham City aufs Feld, springt Grea­lish von hinten an und schlägt ihm mit der Faust ins Gesicht. Ich habe in diesem Moment ein­fach nicht auf­ge­passt und plötz­lich fühlte ich einen Schlag an der Seite meines Gesichts. Natür­lich gibt es Riva­lität im Fuß­ball, aber für so etwas ist hier meiner Mei­nung nach kein Platz“, sagt Grea­lish nach dem Spiel. Die Bilder der Szene gehen um die Welt.

Der geschla­gene Der­by­held

Was auch daran liegt, dass Grea­lish nach dem Spiel nicht als Opfer vor die Kameras tritt. Son­dern als Der­by­held. Denn Grea­lish kas­siert nicht nur, er teilt auch aus. Sein Treffer aus der 67. Minute vom Straf­raum ins rechte Eck bleibt der ein­zige im Spiel, Villa schlägt City. Der beste Tag in Grea­lishs Leben. Das erste Mal hier zu spielen und dann als Kapitän von Aston Villa den Sieg­treffer zu erzielen. Das ist der Stoff, aus dem die Träume sind, vor allem für mich als Villa-Fan“, schwärmt er weiter.

Der 24-Jäh­rige kennt bis auf Notts County, wo er einst acht Monate als Leih­spieler unterkam, keinen anderen Klub als die Vil­lans. Als Sechs­jäh­riger begann er mit dem Fuß­ball bei seinem Hei­mat­klub, mit dem schon sein Urgroß­vater Billy Gar­raty 1905 den FA Cup gewonnen hatte. Grea­lish durch­lief sämt­liche Jugend­mann­schaften von Aston Villa und debü­tierte für den Klub im Mai 2014 bei einer 0:4‑Niederlage gegen Man­chester City.

Von Anti­held zu Held und wieder zurück

Seither ent­wi­ckelte sich seine Kar­riere ähn­lich wie das Spiel im März 2019. Denn von Anti­held zu Held und umge­kehrt ist es im Leben von Jack Grea­lish nicht weit. Immer wieder lie­fert Grea­lish dem Bou­le­vard Stoff für Titel­seiten – was vor allem mit seiner Lei­den­schaft für aus­gie­bige Feiern zu tun hat. Erst im März bat Grea­lish seine Fans per Video­bot­schaft um Dis­zi­plin in Coro­na­zeiten – keine 24 Stunden später zer­legte er nach einer Par­ty­nacht seinen Luxus­wagen auf den Straßen Bir­ming­hams. Ich bin extrem wütend und das habe ich ihm auch schon am Telefon gesagt. Er muss end­lich erwachsen werden“, tadelte ihn Arsenal-Legende Ian Wright, die sich als TV-Experte regel­mäßig mit der Kar­riere von Jack Grea­lish aus­ein­an­der­setzt.

Vier Monate später, am letzten Spieltag der zwi­schen­zeit­lich unter­bro­chenen Pre­mier League, sicherte Grea­lish seinen schon abge­schrie­benen Vil­lans doch noch den Klas­sen­er­halt mit einem späten Tor gegen West Ham. Trainer Dean Smith wusste nach dem Spiel, was er seinem Kapitän zu ver­danken hat. Er ist ein Aston-Villa-Fan und ist sehr stolz, dass er heute das Tor erzielt hat. Er hat es geschafft, uns in der Pre­mier League zu halten.“