Eigent­lich müsste sich ein begabter Foto­graf mal an die Stirn von Jens Keller wagen. Der Trainer ver­sam­melt darauf eine erstaun­liche Anzahl von Falten, die, je nach Stim­mung, aus­sehen wie die zer­furchte Ober­fläche des Atlan­tiks oder der Grand Canyon. Detail­lierte Por­traitauf­nahmen dürften sehr unru­hige und merk­wür­dige Bilder pro­du­zieren – was wie­derum zur Amts­zeit von Jens Keller als Chef­trainer des FC Schalke 04 passen würde.

Die ist nun beendet. Die Schalker haben die Ent­las­sung via Twitter ver­kündet und gleich­zeitig einen Nach­folger ver­kündet: den Ita­liener Roberto di Matteo.

Horst Heldts Eier­tanz mit Jens Keller: Einen Rück­blick in Zitaten gibt es hier »>

Der ehe­ma­lige Chelsea-Trainer über­nimmt einen Arbeits­platz, der zu den unan­ge­nehmsten der Bun­des­liga zählt. Nir­gendwo sonst scheint die öffent­liche Stim­mung so am omi­nösen Trai­ner­stuhl zu rüt­teln wie in Gel­sen­kir­chen. Ver­lo­rene Bun­des­li­ga­spiele sind nicht ein­fach nur ver­lo­rene Bun­des­li­ga­spiele, son­dern signi­fi­kante Anzei­chen für eine dro­hende Kata­strophe. Ein gewon­nenes Derby hebt bereits halb vom Hof gejagte Übungs­leiter auf einen Thron, der nur zwei Wochen später ein­ge­rissen wird. Nicht mal im ähn­lich emo­tio­nalen Umfeld von Borussia Dort­mund müssen sich Trainer so unsi­cher fühlen.

Er gab den Zwei­feln das pas­sende Gesicht

Natür­lich hat diese Ent­las­sung auch mit der Per­so­nalie Jens Keller zu tun. Der folgte im Dezember 2012 dem über­ra­schend geschassten Huub Ste­vens. Keller hatte von Beginn an gleich an meh­reren Fronten gegen die Zweifel an seiner Qua­li­fi­ka­tion für diesen Job zu kämpfen. Die Tren­nung des bei den Fans unge­mein beliebten Ste­vens hat die Schalker Öffent­lich­keit bis heute nicht ver­standen. Und dass Keller vom B‑Ju­gend-Trainer zum Chef­coach beför­dert wurde, war für viele Beob­achter auch schwer nach­zu­voll­ziehen. Der dank der bereits erwähnten beein­dru­ckenden Stirn­falten stets etwas skep­tisch drein­bli­ckende Stutt­garter gab den Zwei­feln an seiner Person auch gleich das pas­sende Gesicht. Trotz Kel­lers Erfolgen (einmal Vierter, einmal Dritter) bleibt fest­zu­halten: In seinen knapp zwei Jahren auf Schalke wurde dieser Trainer eigent­lich nie wirk­lich akzep­tiert. Das Fun­da­ment für hoch­wer­tige Arbeit sieht anders aus.

Kel­lers Nach­folger Roberto di Matteo ist – abge­sehen von seinem ver­mut­lich üppigen Gehalt – nicht zu beneiden. Er geht jetzt sehr unbe­quemen Zeiten ent­gegen. Immerhin: Trotz seiner 44 Jahre ist die Stirn des Ita­lie­ners noch bemer­kens­wert fal­ten­frei. Viel­leicht ist das ja ein gutes Zei­chen.