Gerd Thomas, ver­gan­genes Wochen­ende besuchten Sie den DFB-Ama­teur­fuss­ball-Kon­gress in Kassel. Was hatten Sie sich von dem Kon­gress erhofft?

Ich habe mir gar nicht so viel erhofft. Mein Ziel war es, viele neue Men­schen aus anderen Regionen ken­nen­zu­lernen und zu hören, was die so zu erzählen haben. Aber mir war von Anfang an klar, dass wir da in Kassel jetzt nicht die Sport­welt revo­lu­tio­nieren würden.

Wie war der Aus­tausch?

Es war sehr inter­es­sant zu erfahren, was den Men­schen aus den ein­zelnen Regionen auf dem Herzen liegt. Da herrschte so einiges an Rede­be­darf, dem man von Seiten des DFB noch viel mehr hätte ent­gegen kommen müssen.

Inwie­fern?

Das Format der Kon­fe­renz war teil­weise etwas lang­weilig. Es gab zu viele Podi­ums­dis­kus­sionen. Das war mehr eine Art klas­si­scher Fron­tal­un­ter­richt mit voll­ge­schrie­benen Power­point-Folien. Da hätte ich mir gewünscht, mehr zu dis­ku­tieren. Ich frage mich: Hat sich der DFB mal beraten lassen? Es gab nicht nur zu viele Vor­träge, sie haben den Dele­gierten auch inhalt­lich kaum neue Erkennt­nisse bringen können, das waren ja größ­ten­teils alles selber Experten und Exper­tinnen. Die sind ja nicht ohne Grund ein­ge­laden worden. Es ist auf jeden Fall eine gute Idee so einen Kon­gress zu machen. Dass der DFB so etwas über­haupt ver­an­staltet, kann man neben der ganzen Kritik auch mal positiv bewerten. Aber man hätte deut­lich mehr erfahren können, wenn man der Basis mehr Raum zum Aus­tausch gegeben hätte.

Wenn der DFB drei­hun­dert Dele­gierte ein­lädt, sollte man doch aber meinen, dass er sich dann auch gut vor­be­reitet.

Aller­dings. Vor allem wenn man bedenkt, dass eine Menge inves­tiert wurde. Drei­hun­dert Dele­gierte, die essen, schlafen und trinken.

Klingt ja fast nach einer neuen DFB-Lust­reise.

Dar­über wurde natür­lich auch gescherzt und gesagt, dass sei jetzt unsere Lust­reise“. Aber sonst haben wir auf dem Kon­gress nicht dar­über geredet. Das war jetzt nicht so, dass sich das DFB-Prä­si­dium hin­ge­setzt hätte, um sich unseren Fragen zu stellen.

Konnte man den­noch mit den Mit­glie­dern des DFB Prä­si­diums ins Gespräch kommen? Auf Bil­dern von dem Kon­gress sieht man Prä­si­dent Rein­hard Grindel gemeinsam mit anderen Kon­gress­teil­neh­mern zusammen am Tisch sitzen und reden. Eine kleine PR-Aktion oder hat das tat­säch­lich so statt­ge­funden?

Nein, das hat Grindel nicht nur für die PR getan. Das hat mich auch positiv über­rascht und das muss man dem Prä­si­dium auch lassen: Die gesamte DFB-Spitze war alle drei Tage kom­plett da und hat wirk­lich mit den Teil­neh­mern an den Tischen gesessen und mit­dis­ku­tiert. Das war kein Kon­gress nach dem Motto Wir werfen jetzt heute mal ein paar Bro­cken hin, dis­ku­tiert mal schön, wir kommen zur Abschluss­rede wieder.“