Seite 2: „Horst hatte einige Macken“

10.
Fuß­ball­schuhe müssen passen. Außer bei Gerd Müller. Der trug stets Schuh­größe 41, obwohl ihm jeder Schuh­händler Größe 38 emp­fohlen hätte. Die Begrün­dung: So könne er sich besser drehen. Der öster­rei­chi­sche Scharf­schütze Johann Buffy“ Ett­mayer trug die Stiefel hin­gegen kon­se­quent zwei Num­mern zu klein. Ich wollte immer ein Kondom an den Füssen haben“, erklärte er, sonst hast du doch kein Gefühl.“

11.
Weniger Ent­schei­dungs­frei­heit hatte Gerd Müller bei der Wahl der Rücken­nummer. In der Natio­nal­mann­schaft hatte näm­lich Uwe Seeler die älteren Rechte an der Nummer 9. Blieb als nied­rigste Nummer die 13, die zuvor aus bekannten Gründen nie­mand über­streifen wollte. Müller schoss mit der Pech­nummer auf dem Rücken bei Welt­meis­ter­schaften immerhin 14 Tore, also auf­ge­run­dete 13.

12.
Bei der WM 1986 wurde der argen­ti­ni­schen Natio­nalelf fünf Wochen lang kein Hüh­ner­fleisch ser­viert. Aus nicht nach­voll­zieh­baren Gründen war Trainer Carlos Bilardo davon über­zeugt, Hüh­ner­fleisch bringe Unglück. So kamen aus­schließ­lich klo­sett­de­ckel­große Rin­der­steaks auf den Teller, die Argen­ti­nier wurden Welt­meister. Viel­leicht lag das aller­dings auch an einem anderen bei­be­hal­tenen Ritus: Nachdem sich Bilardo vor der ersten Partie in Mexiko Zahn­pasta von einem seiner Spieler geliehen hatte, kam es vor jedem Spiel der Argen­ti­nier bis zum Finale zum Zahn­pfle­ge­tausch.

13.
Mit Gottes Hilfe: Offen­bach hätte 3:0 gewonnen, wenn ich nicht ein Papst­bild in der Tasche gehabt hätte“, erklärte einst Schalkes Keeper Nor­bert Nigbur. Wie genau Johannes Paul II. aller­dings die unhalt­baren Bälle her­aus­ge­fischt haben sollte, ver­mochte auch Nigbur nicht zu erklären.

14.
Aggres­siver mis­sio­nierte da schon der Bra­si­lianer Jorginho („Gott ist mein Spiel­ge­stalter“), der in seiner Zeit bei Bayer Lever­kusen nicht darauf ver­zichten wollte, geg­ne­ri­schen Mann­schafts­ka­pi­tänen vor dem Spiel nicht nur einen Wimpel, son­dern auch noch eine Bibel zu über­rei­chen.

15.
Horst Ehr­mann­traut ließ als Trainer von Ein­tracht Frank­furt plötz­lich seinen Co-Trainer Bern­hard Lip­pert nicht mehr in die Mann­schafts­ka­bine. Okkulte Begrün­dung: Lip­pert strahle nega­tive Ener­gien“ aus. Der Assis­tent konnte sich die Ener­gie­felder über­haupt nicht erklären und sagte später: Mir hat auch nicht gefallen, draußen vor der Kabine zu warten. Horst hatte einige Macken, aber ich wusste damit umzu­gehen.“

16.
Fran­zö­si­sche Zärt­lich­keiten bei der WM 1998: Nach sieg­rei­chen Spielen küsste Libero Lau­rent Blanc die Glatze seines Kee­pers Fabien Bar­thez. Nach dem Halb­fi­nale gegen Kroa­tien tauchte sogar Staats­prä­si­dent Jac­ques Chirac in der Kabine auf und ver­passte dem tête chauve“ einen dicken Schmatzer.

17.
Im Falle länger anhal­tender Sie­ges­se­rien werden all­täg­li­chen Ver­rich­tungen gerne glücks­brin­gende Wir­kungen zuge­schrieben. In der Saison 1976/77 führte Trainer Gyula Lóránt bei Ein­tracht Frank­furt den Kaf­fee­klatsch vor dem Spiel ein. Mit Mar­mor­ku­chen und Jacobs Krö­nung im Magen blieb die Mann­schaft 21 Spiele in Serie unbe­siegt.

18.
Eben­falls beliebt: mys­ti­sche Klei­dungs­stücke. Am ersten Spieltag der Saison 1987/88 spielte der 1. FC Köln 1:1 in Karls­ruhe. Manager Lattek trug trotz der Som­mer­hitze einen blauen Strick­pulli. Nach dem Abpfiff fragte ihn ein Reporter: Udo, ist das jetzt dein neuer Glücks­bringer?“ – Na, klar“, ant­wor­tete Udo. Und den ziehe ich erst wieder aus, wenn der FC mal ein Spiel ver­liert.“ Und so geschah es. Vier­zehn Spiel­tage lang sah man Lattek in Blau, dann verlor Köln in Bremen.