Seite 4: Im weiteren Verlauf des Abends verschwimmen die Grenzen zwischen norwegischem und schottischem Geschnodder irgendwann zu einem einzigen Vokal.

Dann betritt Mar­garet Kil­pa­trick den Raum. Die gute Seele des Ver­eins hat vor 22 Jahren den Anruf von Chris­tian Wulff abge­würgt. Heute hat sie eine Geburts­tags­torte für Terje in der Hand, einen Mar­zi­pan­fuß­ball. Wie auf Knopf­druck schmet­tern alle Anwe­senden Happy Bir­thday“, dann wird Salat in Nie­ren­schalen gereicht, dazu Pas­tete, Chi­cken High­lander, Steak Pie, viel Bier, und so langsam beginnt man sich zu fragen, wie viel Alkohol ein ein­zelner Mensch eigent­lich ver­tragen kann.

Auch die Mann­schaft spielt nicht so, als ginge es für sie tat­säch­lich um den Auf­stieg in die zweite Liga, son­dern als wären sie seit dem ersten Pint des Tages dabei gewesen. Der Ball kul­lert am Ende zum 2:1‑Sieg für die Gäste aus Air­drie über die Linie. Doch Georg, Terje und die anderen haben die 90 Minuten ohnehin als Aus­nüch­te­rungs­ein­heit an der fri­schen Luft genutzt. Ein biss­chen singen, ein biss­chen schimpfen, ein biss­chen dösen, nur Ama­teure ver­schwenden ihre Energie bereits so früh am Tag.

Denn am Abend steht noch der Players of the Year“-Ball auf dem Pro­gramm. Im Broomage Social Club“ stützen sich bereits kurz nach Beginn die hei­mi­schen Bauch­fleisch­frauen und die Zahn­lü­cken­männer gegen­seitig. Die Bar ist von einem Git­ter­käfig umgeben, am Buffet gibt es Frit­tiertes in allen erdenk­li­chen Spiel­arten. Die Nor­weger ver­leihen wie jedes Jahr einen Fair­play-Preis und zeichnen den Spieler des Jahres“ aus.

Georg Mathisen hält zur Eröff­nung eine Rede, erzählt von Terjes 60. Geburtstag, von der Tool­both Tavern, von Freund­schaft, die sich nicht über die Anzahl der Besuche defi­niert, son­dern über das Gefühl, will­kommen zu sein. Als Georg fertig ist, klopft ihm ein sicht­lich gerührter Schotte auf die Schulter und sagt: Tolle Rede!“ Terje lächelt und sagt:

Du hast genu­schelt. Ich habe kein Wort ver­standen.“ Im wei­teren Ver­lauf des Abends ver­schwimmen die Grenzen zwi­schen nor­we­gi­schem und schot­ti­schem Geschnodder irgend­wann zu einem ein­zigen Vokal, mit dem sich alle im Raum unter­halten. Ein lang­ge­zo­genes Ö.

Nach all den Reden, all den Pints, den dop­pelten Wodkas, dem Schul­ter­klopfen, Hän­de­schüt­teln, Geschichten erzählen und dem ver­korksten Fuß­ball­spiel erhebt sich Terje gegen Mit­ter­nacht von seinem Stuhl. Er zieht sich seine Kra­watte zurecht, rafft den Hosen­bund und schreitet auf die Tanz­fläche. Today was a good, good day“, träl­lert es aus den Boxen. Terje reißt die Arme hoch, nähert sich pen­delnd Mar­garet Kil­pa­trick, zwin­kert Georg zu. End­lich ist er am Ziel, end­lich kann er tanzen. Doch dann ver­zieht er sein Gesicht und sinkt zurück in den Stuhl. Er nimmt einen Schluck Wodka. Es war ein guter Tag. Aber diese ver­dammten Hüften.