Seite 3: Innerhalb von fünf Minuten ist aus einem leeren Pub Klein-Oslo geworden.

Dank bester Kon­takte aus seiner Ver­gan­gen­heit als erfolg­rei­cher Leder­ex­por­teur hat er im Laufe der Zeit viele Türen für beide Seiten öffnen können. Seither ist er als Fan­klub-Außen­mi­nister im Dienst der inter­na­tio­nalen Ver­stän­di­gung unter­wegs. Auch in The Sta­tion“ schüt­telt er viele Hände, lässt sich auf die Schulter klopfen, plauscht mit den Ians, Dennys und Col­lins wie mit alten Freunde. Stenny ist meine zweite Heimat“, sagt er.

Georg, kahl­ra­siert, Rah­men­brille, seit knapp 15 Jahren dabei

Sams­tag­morgen. Zwanzig Nor­weger stehen in der Tool­both Street, der kleinsten Straße Groß­bri­tan­niens, an deren Ende ein sicht­lich ange­schla­gener Kerl im Kuh­kostüm Pas­santen anpö­belt und auf den Handys seiner Kum­pels ver­ewigt wird. Als die Bedie­nung des Pubs pünkt­lich um 11 Uhr die Jalou­sien hoch­rollt, sieht sie Georg Mathisen. Ist es schon wieder so weit?“, fragt sie lächelnd. Man kennt die Skan­di­na­vier hier mitt­ler­weile. Georg, kahl­ra­siert, Rah­men­brille, seit knapp 15 Jahren dabei, nickt. Tra­di­tion ist Tra­di­tion. Und wenn man Terje Eriksen die Rolle als Diplo­maten zuordnet, ist er der Innen­mi­nister der Nor­we­gian Sup­por­ters“. Er sorgt sich um das See­len­wohl der Gruppe, hat das Tages­pro­gramm fest im Blick. Wie selbst­ver­ständ­lich mar­schiert er in die Kneipe, schnappt sich einen Staub­sauger und beginnt zer­tre­tene Nuss­schalen des Vor­abends vom Tep­pich zu saugen. Ich arbeite hart für meine Drinks“, sagt er und bellt ein Lachen in die 15-Qua­drat­meter- Kulisse aus Holz­ver­tä­fe­lung, Zapf­hähnen und Dad­del­au­to­maten. Dann wird Lager geor­dert, dazu Cider, Wodka und Gin-Tonic gereicht. Inner­halb von fünf Minuten ist aus einem leeren Pub Klein-Oslo geworden. Wenig später kleben auch die ersten ein­hei­mi­schen Tre­sen­fliegen am Brett und mur­meln sich an.

Früher wurde auf Tischen getanzt“

Georg Mathisen steht in der Mitte und reißt Witze am lau­fenden Band. Doch an der Gruppe sind die ver­gan­genen zwei Jahr­zehnte nicht spurlos vor­über­ge­gangen. Einige Mit­glieder sind ver­storben, andere schlichtweg geal­tert, mitt­ler­weile kommen auch ihre Frauen mit auf Reisen. Georg hat seine Tochter mit­ge­bracht, der Sonntag ist seit einigen Jahren zum festen Shop­pingtag aus­er­koren worden. Natür­lich hat sich die Art unserer Reise im Laufe der Jahre ver­än­dert“, sagt er nach­denk­lich. Früher wurde lieber auf den Tischen getanzt, heute stehen wir in der Mall“, raunt Terje, der am Tresen lehnt und mit dem Wirt über das anste­hende Spiel fach­sim­pelt. Sein Blick sagt: Früher war alles irgendwie besser.

End­lich im Och­il­view Park ange­kommen. Wir sind zwar harte Jungs, aber wenn wir sehen, wie viele von euch jedes Mal den weiten Weg zu uns nach Schott­land auf sich nehmen, geht uns das Herz auf“, sagt Ver­eins­vor­stand Robert Bea­gley zur Eröff­nung des Begrü­ßungs­lunchs im Inneren des Sta­dions.