Seite 2: Warum tut man sich das an?

Die Idee war so schlicht wie bescheuert: Die Grün­dung eines nor­we­gi­schen Sup­por­ters Clubs für den dama­ligen Viert­li­gisten Sten­house­muir FC, der grau­esten Maus im schot­ti­schen Fuß­ball. Gran­dioser Unsinn. Chris­tian kramte einen Zettel heraus: Wer ist ver­rückt genug, mit­zu­ma­chen? Ragnar, der Post­bote, ganz bestimmt. Terje, der Leder­händler, natür­lich auch. Thore, Svein, Lars. Irgend­wann hatten sie zwanzig Namen zusammen und griffen zum Tele­fon­hörer. Sten­house­muir FC, hier ist Mar­garet Kil­pa­trick“, sagte eine Stimme. Hallo, ich würde gerne einen nor­we­gi­schen Sup­por­ters Club für ihren Verein gründen. Was genau …“ Am anderen Ende machte es klick. Auf­ge­legt.

90 Minuten Party

In Schott­land konnte sich zu diesem Zeit­punkt nie­mand vor­stellen, dass man sich im fernen Nor­wegen tat­säch­lich für ihren Verein inter­es­sieren würde. Bis zu jenem Samstag im August 1993, als plötz­lich 25 Nor­weger am Och­il­view Park auf­tauchten, sich einen ordent­li­chen Rausch antranken und anschlie­ßend 90 Minuten Party auf den Rängen machten.

Mit­ten­drin: Terje.

Wenn er heute von jenen Anfangs­tagen erzählt, glüht sein ganzer Körper. Plötz­lich sind die Hüften geschmeidig, die Falten geglättet, er ist wieder ein quietsch­fi­deler Mann in den besten Jahren. Er schwärmt von legen­dären Haggis-Wet­tessen, stun­den­langen Gesängen in der Sta­di­onbar, Pur­zel­baum­wett­be­werben im Kilt und von Björn, der zur Legende wurde, weil er bei einem Pokal­spiel gegen die Glasgow Ran­gers nicht müde wurde, die umste­henden Ran­gers-Fans 90 Minuten auf Nor­we­gisch zu belei­digen.

Weil er dabei die ganze Zeit breit grinste, ver­sorgten die ahnungs­losen Schotten den freund­li­chen Gäs­tefan ihrer­seits mit fri­schem Bier. Seither reist Terje mit den anderen Mit­glie­dern der Nor­we­gian Sup­por­ters“ min­des­tens zwei Mal jähr­lich von Nor­wegen zu Spielen des Sten­house­muir FC. Seit über 21 Jahren besu­chen sie also einen Klub, dessen größter Erfolg der Gewinn des dritt­klas­sigen Chal­lenge Cup 1994 ist und der ein Sta­dion besitzt, das allen­falls Zug­luft­fa­na­tiker in Erre­gung ver­setzt.

Was aus einer Schnaps­idee pas­sieren kann

Warum tut man sich das an? Hier geht es nicht nur um Fuß­ball, son­dern um die Gemein­schaft, die sich ent­wi­ckelt hat“, erklärt Terje. Und tat­säch­lich, im Laufe der Jahre hat sich aus der Schnaps­idee von einst eine Sym­biose zwi­schen dem Klub und seinen skan­di­na­vi­schen Anhän­gern ent­wi­ckelt. Die beiden Grün­dungs­brüder sind nicht mehr dabei, doch zwanzig Leute kommen für jede Reise irgendwie immer zusammen. Seit Jahr­zehnten spon­sern die Skan­di­na­vier den Klub mit bis zu 10 000 Euro jähr­lich.

Das Geld dafür sam­meln sie bei den Tom­bolas auf zwei Feiern im Jahr: dem Weih­nachts­markt und der som­mer­li­chen Damp­fer­fahrt auf dem Oslo­fjord. Zum Dank für den warmen Geld­regen hat der Klub seine ein­zige Sitz­platz­tri­büne zum Nor­we­gian Stand“ ernannt. Im Gegenzug genießen die Gäste von der anderen Seite der Nordsee freie Kost und Logis bei Heim­spielen im Och­il­view Park.

Wahr­schein­lich zahlt der Verein am Ende sogar drauf“, sagt Terje. Und wer Nor­we­gern auf Reisen schon mal beim Trinken und Essen zuge­sehen hat, weiß, dass das kein Scherz gewesen sein muss.

Der Fan­club hat Anteile am Klub

Zum zehn­jäh­rigen Jubi­läum der Nor­we­gian Sup­por­ters“ über­schrieb der Verein gar fünf Pro­zent seiner Anteile auf den Fan­club. Die haben heute jedoch ledig­lich sym­bo­li­schen Wert, seit der Klub im Jahr 2009 zu einem Com­mu­nity- Club umge­wan­delt wurde. Die Jugend­mann­schaften von Stenny werden regel­mäßig auf Kosten der Nor­weger zu einem Tur­nier nach Oslo ein­ge­laden, laufen auch schon mal bei Erst­li­ga­spielen in Nor­wegen an der Hand der Profis ins Sta­dion ein. Heute hat der Verein eine erstaun­lich inter­na­tio­nale Fan­ge­meinde, es gibt Fan­klubs in Däne­mark, Eng­land, Irland, den Nie­der­landen und Aus­tra­lien.

Die Gründe dafür kann nie­mand erklären.

Eines wissen aber alle: Die Nor­weger waren die Vor­reiter. Vor Jahren wurde Terje Eriksen schließ­lich zum Ehren­prä­si­dent des Sten­house­muir FC ernannt.