Die Geschichte beginnt in der Türkei. Es war das Jahr 2007, der tür­ki­sche Verein Bursaspor kaufte den Mit­tel­feld­spieler Col­lins Mbesuma. Die Ablö­se­summe betrug 375.000 Euro, die konnte der Verein jedoch nicht beglei­chen. Bursaspor zahlte die Schulden erst Jahre später. Heute schreibt der Verein schwarze Zahlen, ist schul­den­frei. Die ver­gan­genen vier Jahre waren erfolg­reich: zunächst der Meis­ter­titel, dann die erste Teil­nahme an der Cham­pions League, im Jahr 2011 folgte die Qua­li­fi­ka­tion zur Europe League. Die Schulden und der nicht gezahlte Transfer waren ver­gessen – dachte man zumin­dest. Doch die UEFA ent­larvte vor wenigen Wochen die Ver­feh­lungen aus der Ver­gan­gen­heit und bestrafte den Verein hart: Aus­schluss aus der Europe League 2012/13.

Der CAS spricht Gerech­tig­keit

Es ist unmög­lich, dass wir solch eine Strafe bekommen. Wir haben das Geld mit Ver­zugs­zinsen bezahlt und sind mitt­ler­weile schul­den­frei. Wie kann ein Verein, der nie­mandem mehr Geld schuldet, bestraft werden“, klagte dar­aufhin Bursaspor-Prä­si­dent Ibrahim Yazici. Somit wandten sich die Türken an den Inter­na­tio­nalen Sport­ge­richtshof CAS (Court of Arbi­tra­tion for Sport). Ver­gan­gene Woche ver­kün­dete er das Urteil: In den kom­menden vier Jahren wird Bursaspor für einen UEFA-Klub­wett­be­werb gesperrt, jedoch nur auf Bewäh­rung. Ledig­lich die Geld­strafe erhöhte man auf 250.000 Euro. Die UEFA ist ent­rüstet. Schließ­lich habe das Urteil nichts mit dem finan­zi­ellen Fair Play zu tun. Es sei nicht rech­tens, wenn Ver­eine die eigenen Schulden nicht beglei­chen würden.

Nüch­tern betrachtet hat die UEFA natür­lich Recht: Wer sich einen Spieler kauft, der muss auch zahlen. Wenn es nicht auch solche Geschichten gäbe: Es war einmal der teu­erste Fuß­ball­spieler der Welt, satte 94 Mil­lionen Euro ist er wert. FIFA-Boss Sepp Blatter emp­fand die Summe als gerecht­fer­tigt – schließ­lich, so erklärte er damals, sei ein Cris­tiano Ronaldo mehr wert als ein Picasso“. Ronaldo wech­selte nicht zu irgend­einem Verein, er wech­selte zu den König­li­chen“ von Real Madrid. Ein­ziger Haken: Der Verein konnte sich den Super­star gar nicht leisten. Madrid lieh sich Geld. Dar­le­hens­geber war die Bankia. Diese konnte sich aber den Kredit nicht leisten und lieh sich Geld von der EZB, der Euro­päi­schen Zen­tral­bank. Madrid liegt damit voll im Trend: Sechs Clubs der Pri­mera Divi­sión schulden dem Staat zusammen über 750 Mil­lionen Euro Steuern. Der Groß­teil der Aus­gaben der Ver­eine ist fremd­fi­nan­ziert, die Gesamt­schulden betragen um die 3,5 Mil­li­arden Euro.

Unrecht ist nicht gleich Unrecht

Die Komödie geht weiter. Spa­nien will die Steuern nicht ein­treiben. Andern­falls wäre die spa­ni­sche Liga im Nu pleite. Man recht­fer­tigt sich inso­fern, Fuß­ball sei schließ­lich ein Pres­ti­ge­ob­jekt. Die UEFA findet das in Ord­nung. Im ver­gan­genen Monat teilte sie mit, dass die Steu­er­vor­teile nicht gegen die ange­strebten glei­chen Wett­be­werbs­be­din­gungen ver­stießen.

Es ist fas­zi­nie­rend, wie die UEFA Recht und Unrecht bewertet. Bursaspor steht am Pranger, dabei ist es doch fast offen­sicht­lich, dass der Verein für die Fehler und Skan­dale der anderen tür­ki­schen Ver­eine ein­fach mit­be­straft wird. Der Trans­fer­skandal liegt fünf Jahre zurück, da trägt sich heute viel Span­nen­deres in der tür­ki­schen Liga zu: Wett­skan­dale, Bestechungs­af­fären. Im Visier stand hier der Istan­buler Club Fener­bahce, der im letzten Jahr Meister, in diesem Jahr Zweiter wurde. Erreicht haben soll er dies vor allem mit mani­pu­lierten Spielen. Haupt­ankläger war Prä­si­dent Aziz Yil­dirim. Nun wurde er ver­ur­teilt: zu sechs Jahren und drei Monaten Haft. Auch Fer­ner­bahce sollte von der kom­menden Cham­pions League aus­ge­schlossen werden. Der CAS ent­schied auch hier gegen die For­de­rungen der UEFA, es wird Königs­klasse gespielt. Der Inter­na­tio­nale Sport­ge­richtshof hat im Urteil Bursaspor eine deut­liche Bot­schaft gesendet: Liebe UEFA, sei mutig und trau dich end­lich, die wahren Pro­blem­kinder und Steu­er­sünder anzu­klagen – Spa­nien, Ita­lien und Eng­land.