Es waren über­ra­schende Szenen am Sonn­tag­abend im Al-Bayt-Sta­dion von Al Khor: Mitte der zweiten Halb­zeit räumten tau­sende Zuschauer ihre Plätze – und kehrten nicht zurück. Als Schieds­richter Daniele Orsato nach 90 Minuten abpfiff, hatte ein Groß­teil der 60.000 Ticket­in­haber die Arena längst ver­lassen. Die Bilder von den ver­waisten Tri­bünen sorgten welt­weit für Spott und Häme.

Doch das küm­merte die Ver­ant­wort­li­chen so sehr wie der nächste Inves­ti­ga­tiv­re­port zu den Arbeits­be­din­gungen im Wüs­ten­staat. Katar richtet die beste Welt­meis­ter­schaft aller Zeiten aus“, sagt Das Al-Ban vom kata­ri­schen Orga­ni­sa­ti­ons­ko­mitee im Schatten des Al-Bayt-Sta­dions. Daran würde auch das augen­schein­liche Des­in­ter­esse der hei­mi­schen Bevöl­ke­rung nichts ändern, so Al-Ban.

Wir haben immer gesagt, dass die Welt die kata­ri­sche Fuß­ball­be­geis­te­rung ken­nen­lernen soll“, sagt Al-Ban, bitte schön.“ Natür­lich hätten der Spiel­ver­lauf beim Eröff­nungs­spiel und das klare 2:0 der Ecua­do­rianer dazu bei­getragen, dass sich das Publikum als­bald abge­wendet hätte. Die kata­ri­sche Natio­nalelf wirkte chan­cenlos, viele Fans winkten ab. Glauben Sie mir“, sagt Al-Ban, wir in Katar wissen, wann eine Mann­schaft tot ist.“

Katar muss sich stei­gern

Den­noch will das WM-Orga­ni­sa­ti­ons­ko­mitee nun ver­hin­dern, das wei­tere Spiele vor leeren Rängen statt­finden werden. Mög­li­cher­weise auch auf Druck der Fifa. Der Welt­ver­band hatte – so heißt es – damit gedroht, so schnell keine wei­tere Welt­meis­ter­schaft an Katar zu ver­geben, son­dern beim nächsten Mal Mordor als Aus­richter in Betracht zu ziehen. Wes­halb Al-Ban und Kol­legen in Eile an einem neuen Ticket­system gear­beitet hatten.

Building Qatar Wie der WM-Gastgeber sportlich mithalten will

Katar bas­telt an einer Natio­nalelf, die den Gast­geber nicht schon in der Vor­runde bis auf die Kno­chen bla­miert. Kann das funk­tio­nieren?

Die Idee: Zu jedem Spiel sollen nun 30-Minuten-Karten aus­ge­geben werden für Fans, die der Schluss­phase eines 0:0 der schlech­teren Sorte oder einem auch in dieser Höhe ver­dienten 4:0 bei­wohnen wollen. Die Inhaber könnten so zum Ende die Plätze jener Zuschauer ein­nehmen, die sich längst auf dem Heimweg befinden, weil zwar Deutsch­land gegen Spa­nien spielt, aber irgend­wann ist’s auch mal gut mit Fuß­ball und wer will schon am Doha Express Highway in den Fei­er­abend­ver­kehr geraten? Das Ticket stößt auf große Beliebt­heit“, ver­spricht Al-Ban. Beson­ders dick­bäu­chige Fans aus Europa, die sich beim Warten auf das Spiel ihrer eigenen Mann­schaft nicht wie üblich auf einer ehren­losen Fan­meile die Dich­tung ver­löten können, seien an dem neuen Modell sehr inter­es­siert.

Kein Kafala-System

Ich denke, mit dieser Mög­lich­keit können wir alle gut leben – im wahrsten Sinne“, schmun­zelt Al-Ban. Dass die bums­sym­pa­thi­schen Gast­geber auch über­legt hätten, den Fans beim Ein­lass ins Sta­dion die Pässe abzu­nehmen und erst wieder her­aus­zu­rü­cken, wenn das Spiel vorbei ist oder es den Katarer eben gerade passt, will der Funk­tionär nicht demen­tieren. Es wäre eine Abwand­lung des lan­des­weit lange Zeit beliebten Kafala-Sys­tems. Auch die Mög­lich­keit, fuß­ball­müde Zuschauer mit vor­ge­hal­tener Waffe zum Bleiben zu moti­vieren, könnte im Bereich des Denk­baren gelegen haben, sagen Insider.

So aber dürfen sich Gast­geber und FIFA über volle Sta­dien und wei­tere Ticket­ein­nahmen freuen. Nicht aus­ge­schlossen, dass für die Grup­pen­spiele der kata­ri­schen Natio­nal­mann­schaft in den nächsten Tagen ganze Tri­bü­nen­blöcke frei werden. Viele Ticket­in­haber werden sich die Pre­match-Show nicht ent­gehen lassen wollen“, ver­si­chert Al-Ban, aber danach gibt es so viele andere Frei­zeit­mög­lich­keiten: in die nächste Shop­ping­mall fahren oder bei vierzig Grad an den Strand legen.“ Klar, dass ein WM-Spiel dagegen nicht für Satis­fak­tion sorgt.