Die Bel­etage des deut­schen Fuß­balls darf am kom­menden Wochen­ende wieder ran. Aber was ist mit dem Rest? Mit den Hart­platz­helden, den Kreis­klassen-Zeh­nern, denen, die mal höher gespielt haben, den knüp­pel­harten Liberos vom FV Otters­dorf und dem SC Fürs­ten­feld­bruck? Auf die Kicker aus den 25.000 Ver­einen in den Lan­des­ver­bänden des DFB warten qual­volle Wochen, wenn sie im Fern­sehen zwar Fuß­ball sehen können, die kit­zelnden Füße aber nicht selbst auf den Sport­platz bringen dürfen. Dabei könnte der Restart der Bun­des­liga sogar dazu bei­tragen, auch dem Ama­teur­sport wieder schneller auf die Beine zu helfen.

Wie? Dazu hat die Grünen-Frak­tion in Stutt­gart eine Idee: Sie hat dem VfB Stutt­gart in der ver­gan­genen Woche einen Antrag vor­ge­legt, in dem sie den Verein auf­for­dert, das erlangte Wissen zur Corona-Vor­sorge mit anderen Sport­ver­einen in Stutt­gart zu teilen.

Heißt über­setzt: Die Erfah­rungen, die Mario Gomez und Co. dabei sam­meln, wie sie beim Mann­schafts­sport mit der Gefahr durch das Virus umgehen, sollen sie teilen – mit Ama­teur­sport­lern, auch im Nach­wuchs- und Frau­en­be­reich. So könnte die dor­tige Wie­der­auf­nahme des Trai­nings- und Spiel­be­triebs unter­stützt werden.

Gesell­schaft­liche Ver­ant­wor­tung

Wie genau und ob eine gewis­sen­hafte Sai­son­fort­set­zung mög­lich ist, werden die Erst- und Zweit­li­gisten am kom­menden Wochen­ende erfahren, die Dritt­li­gisten wohl andert­halb Wochen später. Ist das Sicher­heits­kon­zept der DFL lückenlos? Ermög­licht es wirk­lich einen gere­gelten Spiel­be­trieb? Oder gibt es Sze­na­rien, die das Kon­zept aus­he­beln?

Laut Grünen-Poli­tiker Flo­rian Pit­schel geht es seiner Partei mit ihrem Antrag darum, die Gräben zwi­schen Ama­teur­sport­lern, Fans und DFL ein wenig zuzu­schütten“. In dem Schreiben heißt es, der Wis­sens­vor­sprung der Pro­fi­sportler zur Corona-Vor­sorge müsse wei­ter­ge­geben werden. Denn der VfB könnte damit beweisen, dass er seiner gesell­schaft­li­chen Ver­ant­wor­tung nach­kommt“.

Teure Hygie­ne­maß­nahmen, wie sie das DFL-Kon­zept vor­sieht, flä­chen­de­ckende Test­mög­lich­keiten, Schutz­masken en masse, indi­vi­du­elles Fit­ness­trai­ning, Qua­ran­täne-Camps im Luxus-Hotel wird es im Ama­teur­be­reich natür­lich nicht geben – dafür fehlen die Res­sourcen. Viel mehr soll es um Ver­hal­tens­weisen gehen: Was ist beim Mann­schafts­trai­ning zu beachten? In Umkleiden? Wie läuft die Jour­na­lis­ten­ak­kre­di­tie­rung ab? Wie orga­ni­siere ich eine vir­tu­elle Pres­se­kon­fe­renz? Wie funk­tio­nieren die Hygie­neun­ter­rich­tungen der Sportler?“, so Flo­rian Pit­schel. Es muss deut­lich mehr sein, als ein paar Power­point-Folien zu ver­öf­fent­li­chen.“

Die Pro­fi­ver­eine sollen quasi eine Start­hilfe geben, sodass auch der Brei­ten­sport wieder anlaufen kann. Aber so wie die Methodik zur Über­brü­ckung einer Auto­bat­terie Risiken birgt, ist auch die Start­hilfe im Sport nicht frei davon. Denn wer ver­si­chert, dass der Ama­teur­sport sich bei Locke­rungen an alle Regeln hält? So eng­ma­schig wie in der Bun­des­liga lässt sich die Ein­hal­tung der Auf­lagen im Ama­teur­be­reich nicht über­wa­chen. Es kommt auf die Dis­zi­plin und Eigen­ver­ant­wor­tung der Sportler an“, glaubt Pit­schel. Im Zweifel könnten auch Schieds­richter und andere Offi­zi­elle Strafen ver­geben, wenn sich nicht an die Maß­nahmen gehalten wird, so der Grünen-Ver­treter. 

Son­der­be­hand­lung Pro­fi­fuß­ball

Ins­be­son­dere nehmen die Grünen dabei die Ämter für Sport und Bewe­gung sowie Gesund­heit in die Pflicht. Zusammen mit dem Sport­kreis und dem VfB soll ein Kon­zept aus­ge­ar­beitet werden, wie eine sichere Gewähr­leis­tung zur Wie­der­auf­nahme des Brei­ten­sports in Stutt­gart ablaufen kann.

Betroffen von der Corona-Krise sind in Stutt­gart über 255.000 Sportler in 300 Sport­ver­einen. Die viel bemän­gelte Son­der­be­hand­lung“ des Pro­fi­fuß­balls in Deutsch­land könnte unter den gefor­derten Auf­lagen der Grünen einen Vor­teil für den gesamten Sport haben. Grund­le­gende Abläufe und der Umgang im Team ließen sich womög­lich über­tragen. Funk­tio­niert die Unter­stüt­zung zum Restart gut, wird sich das Prinzip auf wei­tere Sport­be­reiche und andere Kreise im Land abwälzen können.

Eine offi­zi­elle Reak­tion von­seiten des VfB Stutt­garts gab es bis­lang aller­dings noch nicht, auch eine Anfrage von 11FREUNDE blieb bis­lang unbe­ant­wortet. Der Antrag der Grünen geht nun zunächst über die Stadt­ver­wal­tung. Laut Pit­schel habe sich der VfB im per­sön­li­chen Gespräch aber bereits sehr auf­ge­schlossen gegen­über der Idee gezeigt.