Seite 2: Hochseeangeln, Poolparty & Steaks

Über die Jahre bei den Tampa Bay Row­dies haben Sie mal gesagt: Es war die beste Zeit meines Lebens.“ Warum?
Wissen Sie, ich bin mit dem HSV 1979 Meister geworden und stand im Lan­des­meister-Cup-Finale. Wobei man sagen muss: Ich war nur zweiter Tor­wart. In der Bun­des­liga habe ich nur zwei Spiele gemacht.

Immerhin hat der HSV mit Ihnen nie ver­loren: 4:0 gegen Schalke, 1:1 gegen Braun­schweig.
(Lacht.) So kann man es sehen. Bei den Row­dies war ich aber Stamm­keeper. Vor allem die Hal­len­saison war phä­no­menal. Wir mussten einmal in den Play­offs gegen Mont­real Maniac nach zwei Spielen in ein wei­teres Mini-Game, das wir mit per Golden Goal gewannen. Und abseits des Fuß­balls ging es uns ein­fach wun­derbar. Die Sonne schien, wir fuhren raus zum Hoch­see­an­geln, wir saßen in Gerd Mül­lers Steak­house am Tresen, wir hatte ein Haus mit Swim­ming­pool. Sowieso, es war so heiß dort, 35 Grad, Luft­feuch­tig­keit oft über 90 Pro­zent, wenn ich dran denke: Wir haben sehr oft Pool-Partys bei uns oder anderen Spie­lern gefeiert.

Sie waren sogar Werbe-Tes­ti­mo­nial für Swim­ming­pools.
Als wir uns ein Haus in einem Vorort von Tampa gekauft haben, ließ ich auch einen Pool bauen. Der Fir­men­chef foto­gra­fierte mich danach und schal­tete mit dem Foto eine Wer­be­an­zeige im Sta­di­on­ma­gazin. A Win­ning Com­bi­na­tion“, steht drüber. (Lacht.) Das Bild habe ich auch noch irgendwo.

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Pool Party in Flo­rida. Jürgen Stars mit seiner Frau und zwei Freunden.

Wie wirkte Ame­rika auf Sie?
Die Ame­ri­kaner wussten damals wenig über Europa, und im Grunde hat sich daran bis heute nicht viel geän­dert. Gerade mit dem letzten Prä­si­denten und seinem Ame­rica-first-Motto. Aller­dings waren die Ver­eine und Spieler damals schon viel mehr in Com­mu­nity- und Cha­rity-Arbeit invol­viert. Wir haben oft Schulen, Obdach­lo­sen­heim und Kran­ken­häuser besucht und haben Bedürf­tigen geholfen.

Becken­bauer hat mal gesagt, sein Status als Pro­fi­fuß­baller öff­nete ihm alle Türen in den USA. An der legen­dären Dis­ko­thek Studio54“ musste er nur sagen: I’m with the Cosmos“ – und schon kam er rein.
Wir hatten kein Studio54, und ich war mit meiner Familie in Flo­rida, daher nie in Dis­ko­theken, aber ich weiß, was er meint. Als Pro­fi­sportler hat­test du es geschafft, du wur­dest bewun­dert, auch wenn Fuß­ball eine Rand­sportart in den USA war. So etwas wie Kritik gab es nicht.

Haben Sie Becken­bauer eigent­lich mal per­sön­lich getroffen?
Ein Spiel gegen Cosmos konnte wegen starker Regen­fälle nicht ange­pfiffen werden. Wir gingen alle wieder zurück in die Kabine. Irgend­wann öff­nete sich die Tür, und Becken­bauer stand da. Servus, kann ich mich dazu­setzen? Und dann saßen wir alle zusammen in der Kabine und quatschten über dies und das, bis der Schieds­richter Stunden später den Platz freigab.