Im SportsLab, dem hoch­tech­ni­sierten Scou­ting-Zen­trum des 1. FC Köln, werden der­zeit Über­stunden gemacht, denn der nächste Gegner heißt VfL Wolfs­burg. Kein Verein holte in der Win­ter­pause so viele neue Spieler wie die Auto­städter, kein Trainer hat einen der­maßen rie­sigen Kader wie Wölfe-Coach Felix Magath. Ein­kaufs­wahn­sinn!

Und so steht man in Köln der­zeit mächtig auf dem Schlauch: Wer spielt über­haupt am Samstag auf Seiten des Geg­ners? Wer sind all die Neuen? Und holt Magath viel­leicht am Freitag Abend noch zwölf bis dato unbe­kannte Chi­nesen nach Nie­der­sachsen? Längst gilt auch bei der Kölner Spiel­vor­be­rei­tung die alte Swin­ger­regel: Alles kann, nichts muss!

Doch SportsLab-Leiter Boris Notzon und seine Mit­ar­beiter sind nicht umsonst die eif­rigsten Daten­kraken der Liga und nehmen die Wun­der­tüte Wolfs­burg als sport­liche Her­aus­for­de­rung. 11FREUNDE wurde ein exklu­siver Blick in die Scou­ting-Unter­lagen des 1. FC Köln gewährt. Die Ergeb­nisse zeigen, was man in Köln längst weiß: Stale, wir haben ein Pro­blem.

Lieber Stale,
anbei nun die gesam­melten Daten über die Spieler unseres kom­menden Geg­ners VfL Wolfs­burg. (Umfang: 291 Seiten plus Lite­ra­tur­ver­zeichnis). Ange­hängt habe ich dir eben­falls diverse vor­aus­sicht­liche Auf­stel­lungen (Stich­wort: 6 aus 49, *lol*). Sehr schwie­riger Job diesmal, aber wir ja wachsen mit unseren Auf­gaben.

Und nie ver­gessen: Flach spielen, hoch gewinnen!

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Ver­eins­name: VfL Wolfs­burg
Trainer: Felix Magath
Spitz­name: Quälix, Teufel von Gel­sen­kir­chen
Kader­stärke: 39 Spieler
Durch­schnitts­alter: 25,7 Jahre,
Anzahl der aus­län­di­schen Spieler: 23
Natio­na­li­täten: Schweiz, Bra­si­lien, Kroa­tien, Ser­bien, Japan, Tsche­chien, Süd­korea, Bos­nien-Her­ze­go­wina, Deutsch­land, Polen, Vene­zuela, Frank­reich, Maze­do­nien, Elfen­bein­küste, Por­tugal, Iran, Schweden

Erkennt­nisse: Magaths Kader ist rand­voll, viel­spra­chig und alt – diese Mischung findet man sonst nur auf Hart­geld­strich am Haupt­bahnhof (*zwin­ker­zwinker*). Aber er ist auch gefähr­lich. Da sich die Spieler teil­weise erst seit Stunden kennen, kann jeder­zeit der Zufall ins Spiel kommen. Keine Sorge, Zufall ist kein kurz­fris­tiger Neu­zu­gang, son­dern der größte Feind unserer Arbeit – er lässt sich nicht ana­ly­sieren. Wir haben den­noch alle Test­spiele des VfL minu­tiös ana­ly­siert – Ehren­sache. Hier also zehn Auf­stel­lungs­va­ri­anten, wie der VfL uns am Samstag Pro­bleme machen möchte:

Vari­ante 1: Der Zen­tral­friedhof


Ver­gessen wir alle Unken­rufe: Man­dzukic kann spielen, früher haben die Spieler auch am lau­fenden Band Blut gespuckt. Habe unsere Ver­tei­di­gern zwecks Abschre­ckung bereits mit fal­schen Vam­pir­zähnen, einigen B‑Movies (Genre: Splatter) und einem Referat über Tuber­ku­lose ver­sorgt (Stich­wort: Trash-Talk). Das wird Mad­zukic beein­dru­cken, er wird mit einer Wahr­schein­lich­keit von 94,254 Pro­zent jedes Ding an unserem Tor vorbei schießen. Außerdem bringt Magath die Wun­der­tüten Jiracek, Rodri­guez, Vier­inha, Klich und Sio, weil deren Namen am besten klingen. Das war’s dann aber auch. Man wird sie nicht sehen, denn in dieser For­ma­tion ist das Spiel voll und ganz auf Chris­tian Träsch zuge­schnitten. Aber keine Angst, Träsch ist noch nicht in Top­form. Er läuft zwar wie gewohnt 22 Kilo­meter, ver­irrt sich aber desöf­teren in der eigenen Hälfte. Schwach­stellen: Ver­tei­diger Mad­lung und Chris haben sich per Twitter nach dem Abend­essen gestritten (Streit­punkt: Wie macht man eine gute
Bra­ten­sauce?). Ein schnelles Tor und die Mann­schaft bricht aus­ein­ander. 

Vari­ante 2: Brazzo-Style

Magath hat ja genü­gend Aus­wahl in seinem Kader, des­wegen habe ich alle Ver­än­de­rungen zur vor­he­rigen Auf­stel­lungs­va­ri­ante rot mar­kiert. Wich­tigste Neue­rung: Hasan Sali­ha­midzic! Der Heiß­sporn will beweisen, dass die Kritik aus der Vor­runde an ihm abperlt als wäre er aus Teflon. Er explo­diert mit einer Wahr­schein­lich­keit von 82,652 Pro­zent und wird dank Pfer­de­lunge überall zu finden sein. Tipp: Dop­peln, Trip­peln oder zu einer Runde Schafs­kopf über­reden – Ansonsten droht Gefahr. Angreifer Lakic wird wohl bereits nach zwei Minuten aus­ge­wech­selt werden (Laufweg rot ein­ge­zei­chent), vom Schweden Jönsson ist nicht viel Gefahr zu erwarten. Außer für die Zuschauer in der ersten Reihe Also: All eyes on Brazzo, dann klappt es auch mit einem Punkt. Oder mehr?

Vari­ante 3: Bubi-Riegel

Magath hat oft genug bewiesen, dass er gerne junge Spieler ins kalte Wasser schmeißt, des­wegen ist es im Bereich des Mög­li­chen (um genau zu sein, liegt die Wahr­schein­lich­keit bei 28,457 Pro­zent), dass er kom­plett auf die eigene Jung­spunde setzt. In diesem Fall liegt unser Vor­teil auf psy­cho­lo­gi­scher Seite, denn einige der Nach­wuchs­männer werden vor ihrem Bun­des­liga-Debüt mächtig die Hosen voll haben. Die aus­sichts­reichsten Kacki­daten (*rofl*) haben wir ent­spre­chend gekenn­zeichnet. Ver­än­de­rungen zur vor­he­rigen Auf­stel­lung wie immer rot mar­kiert.

Vari­ante 4: Oldie-Party

Es ist ebenso mög­lich, dass Magath zum Sai­son­start erst einmal auf Erfah­rung setzt. Des­wegen hier nun die Auf­stel­lung mit einem Durch­schnitts­alter einer greisen Schnapp­schild­kröte (Ände­rungen rot mar­kiert).
Ansatz­punkte für uns: In punkto Sprit­zig­keit und Spiel­witz ist von dieser Mann­schaft wenig zu erwarten. Sie arbeitet vor allem mit Stel­lungs­spiel, Außen­ris­t­pässen und schlauen Sprü­chen. Die ver­meint­lich lang­samsten Spieler sind ent­spre­chend gekenn­zeichnet. Schnelles Pass­spiel, gerad­li­nige Angriffe wären sinn­voll, auch wenn wir sie bisher nicht Reper­toire hatten.
Beson­der­heit: Sollten Lakic und Mad­zukic aus­fallen, ist Magath gezwungen Helmes zu bringen. Diese Schmach wird er aber nicht zu lassen. Wolfs­burg tritt lieber zu zehnt an.

Vari­ante 5: Jemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten

Der Wolfs­burger Defen­si­vriegel schlechthin. Aus gut infor­mierter Quelle haben wir erfahren, dass diese Vari­ante inner­halb des Kaders nur Sni­ckers“ genannt wird. Alles, was zwei Beine hat und ver­tei­digen kann, wird auf­ge­boten und ver­klebt die die eigene Hälfte wie eine Lkw-Ladung voll geschmol­zener Scho­ko­riegel. (Ände­rungen rot). Sogar Hasebe und darf mit­spielen! Vorne ver­lässt man sich auf Abpraller, Eigen­tore und Fehl­ent­schei­dungen der Schieds­richter. Mit Abstand die gefähr­lichsten Auf­stel­lung.

Vari­ante 6: Die kleine Frei­heit

Aber Magath kann auch anders. Soll heißen: Er ver­traut auf die Genia­lität seiner her­aus­ra­genden Ein­zel­spieler. Des­wegen schenkt er seinen Spie­lern die totale Frei­heit. Allen voran Neu­zu­gang Vier­inha, Typ Por­tu­gi­sie­sche Fum­mel­kutte, nutzt das kol­lek­tive Ablegen von tak­ti­schen Zwängen und suchte ein Dribb­ling nach dem anderen. Die Außen­bahnen schieben abwech­seln nach außen, um Vier­inha ab und an mal den Ball abzu­nehmen. Ver­geb­lich.
Unser Ansatz: Abwarten und Tee trinken. Vier­inhas Spiel ist zwar so schön wie sein Name, aber eben auch voll­kommen inef­fi­zient. Wir sollten auf Konter lauern und vor allem die beiden Innen­ver­tei­diger Lopes und Chris in Bedrängnis bringen. Die beiden sehen sich am Samstag zum ersten Mal und brau­chen erst einmal 45 Minuten, um sich gegen­seitig besser kennen zu lernen.
Tipp: Viel­leicht bringt Nova etwas Kaffee und Kuchen mit. Wäre sicher eine nette Geste. 

Vari­ante 7: Ater Hut

Wolfs­burgs Spiel­stil aus der Hin­runde, ledig­lich mit neuen Spie­lern (Ände­rungen rot). Magath ver­zichtet auf kom­plett auf ein Mit­tel­feld und setzt auf punkt­ge­naue Abschläge vom Tor­wart in die Spitze. Dessen Streuung ist jedoch immens, wes­wegen wir vor allem auch bei den Ball­jungen auf schnelle Jungs setzen sollten. Stich­wort: Kon­ter­fuß­ball. Ansonsten können wir etwas für die Ball­be­sitz­sta­tistik tun, lies sich am Ende der Saison immer so toll in den Sta­tis­tiken (*lechz*).

Vari­ante 8: Pär­chen­bil­dung

Auf­grund zahl­rei­cher, relativ kurz­fris­tiger Ein­käufe (Änd. rot) ist Magath gezwungen die ersten Spiele als bes­sere Trai­nings­ein­heiten zu nutzen. Das Spiel am Samstag soll laut gut infor­mierten Kreisen vor allem dazu genutzt werden, dass die neuen Spieler Magath Lauf­wege kennen lernen. Das Prinzip: Der Trai­ner­fuchs stellt jedem Neu­ling einen alten Hasen an die Seite, fortan laufen beide gemeinsam über das Feld. Wäre frech, aber remember: Felix Magath hat auch einmal beim Stand von 5:1 gegen Bayern Mün­chen seinen Tor­wart aus­ge­wech­selt. Also: Nichts ist unmög­lich.

Vari­ante 9: Chef­sache

Das letzte Mittel. Magath soll bereits Spie­ler­pässe für den halben Trai­ner­stab und die kom­plette Füh­rungs­riege bean­tragt haben. Frag­lich, ob das bis Samstag klappt. Wenn ja, droht Unge­mach. Das Innen­ver­tei­diger-Duo Hol­ler­bach und Ball­wanz macht keine Gefan­genen, ein Spieler namens Litt­barski (mir per­sön­lich unbe­kannt, *sorry*) soll auch nicht ganz talent­frei sein. Magath sieht sich selbst natür­lich als Schalt­zen­trale und Stürm­führer Sanz hat bisher noch jede Vor­lage seines Trainer/​Manager/​Aufsichtsratskollegem/​Spielers galant ver­ar­beitet. Beson­deres Augen­merk gilt aber Außen­stürmer Martin Win­ter­korn. Er gilt als einer der schnellsten – nicht nur am Geld­beutel.
Ich bin ehr­lich, sollte Wolfs­burg so spielen, haben wir keine Chance. Ansonsten mache ich mir wenig Sorgen.