Im August 2021 war die Pariser-Welt noch in Ord­nung. Inner­halb weniger Tage tütete der Verein die beiden Block­buster-Trans­fers von Sergio Ramos und Lionel Messi ein. In den Wochen zuvor gab der Klub bereits die Ver­pflich­tungen von Achraf Hakimi, Geor­ginio Wij­naldum, Gian­luigi Don­na­rumma, Nuno Mendes und Danilo Pereira bekannt. Mit diesen Spie­lern sollte der große Traum vom Hen­kel­pott end­lich in Erfül­lung gehen. Der Traum, den Prä­si­dent Nasser Al-Khe­laifi bereits seit Beginn seines Invest­ments im Jahre 2011 träumt. 

Im März 2022, also knapp sieben Monate später, ist die Rea­lität eine andere. Der Cham­pions-League-Traum ist erneut geplatzt, die all­ge­meine Unzu­frie­den­heit dagegen umso größer. Nach einem 1:0‑Hinspielerfolg über Real Madrid kegelten drei Ben­zema-Tore im Rück­spiel die Mil­lionen-Truppe mal wieder unsanft aus dem Wett­be­werb. Ein erneuter Ein­schnitt in das Selbst­ver­ständnis des Haupt­stadt-Klubs. Was im Nach­gang des Spiels abseits des Platzes folgte, kann getrost als Spie­gel­bild des sport­li­chen Schei­terns betrachtet werden. Oder: als Drama in drei Akten.

Erster Akt: Ran­dale

Die Szenen, die sich nach dem Spiel abspielten, waren bei­nahe so absurd wie die Pariser Trans­fer­aus­gaben der letzten Jahre: Al-Khe­laifi soll im Innen­raum des Madrider Ber­nabeu-Sta­dions ran­da­liert haben. Sein haupt­säch­li­ches Ziel: Schieds­richter Danny Mak­kelie. So soll sich der Katari gemeinsam mit Sport­di­rektor Leo­nardo Zutritt zur Schieds­rich­ter­ka­bine ver­schafft, den Unpar­tei­ischen bedrängt und mit Gegen­ständen geworfen haben. Aus­löser war ein ver­meint­li­ches Foul vor dem Aus­gleichs­treffer Reals, das Mak­kelie nicht gepfiffen hatte. Im Anschluss soll sich Al-Khe­laifi in den Innen­räumen des Sta­dions aggressiv gegen­über einigen Real-Mit­ar­bei­tern ver­halten haben, seine Leib­wäch­tern hätten ihm im Zaun halten müssen, heißt es. Durch das Internet geis­tert aktuell der Satz I´ll kill you“, den der PSG-Prä­si­dent einem Real-Mit­ar­beiter an den Kopf geworfen haben soll, als er bemerkte, dass dieser die Sze­nerie mit seinem Handy fest­hielt. Das Video wurde der UEFA bereits über­spielt, Ermitt­lungen ein­ge­leitet. 

Das ganze passt wie die Faust aufs Auge zum Bild des schlechten Ver­lie­rers, das PSG seit einigen Jahren mit sich durch Fuß­ball-Europa trägt. Spä­tes­tens im letzten Jahr wäh­rend den Cham­pions-League-Duellen mit Man­chester City, als die Pariser Spieler Gueye und Di Maria in beiden Spielen mit jeweils hef­tigen und unnö­tigen Foul­spielen trotz deut­li­chem Rück­stand die Rote Karte sahen, mani­fes­tierte sich dieses Bild. Leo­nardo und Al-Khe­laifi läu­teten nun die nächste Runde ein.

Zweiter Akt: der Brief

Drei Tage nach der Cham­pions-League-Schmach traten dann die Pariser Ultras auf den Plan. Diese hatten in der Ver­gan­gen­heit schon des Öfteren mit dem Auf­treten des kata­ri­schen Inves­tors und dem öffent­li­chen Bild ihres Klubs gefrem­delt. Auch dass Gewalt einem Teil der Pariser Anhän­ger­schaft zumin­dest nicht völlig fremd ist, ist hin­läng­lich bekannt. Man denke nur an die Aus­schrei­tungen nach der Final­nie­der­lage in der Cham­pions League 2020. Damals wurden 148 Per­sonen kurz­zeitig fest­ge­nommen. Nun richtet sich die Wut der Ultras aber vor allem gegen den eigenen Verein. In einem State­ment, das das Collectif Ultras Paris (CUP) via Social Media ver­brei­tete, for­derten die Fans eine Umstruk­tu­rie­rung des Ver­eins auf allen Ebenen“. Die For­de­rung richtet sich dabei explizit gegen den kata­ri­schen Prä­si­denten, die sport­liche Füh­rung und auch einige Spieler, die als Söldner“ beti­telt wurden.

Wie kann man eine echte Spiel­idee ent­wi­ckeln, wenn der Kader nichts als ein Haufen Stars“ ist, die sich kaum ergänzen? (…) Wir haben kein kurzes Gedächtnis. Wir wissen, dass wir unsere Rück­kehr an die Spitze Prä­si­dent Nasser Al-Khelaïfi zu ver­danken haben, aber es ist klar, dass er nicht der rich­tige Mann für diesen Job ist. (…) Unser Paris Saint-Ger­main ver­dient Men­schen, die ihm dienen, nicht Men­schen, die sich nur an ihm bedienen.“, heißt es dort unter anderem. Deut­liche Ansagen also in Rich­tung des Ver­eins. Zudem kün­digten die Fans eine Pro­test­ak­tion für das fol­gende Heim­spiel gegen Girondins Bor­deaux am Sonntag an.