Die Nach­rufe waren bereits geschrieben. Nachdem Bayer Lever­kusen vor der Saison Kai Havertz und Kevin Volland abge­geben hatte, glaubte kaum jemand daran, dass sie in dieser Saison ernst­haft würden angreifen können. Und nach der ver­passten Cham­pions-League-Qua­li­fi­ka­tion in der ver­gan­genen Saison begannen auch die ersten Beob­achter an Coach Peter Bosz zu zwei­feln. Ob er der rich­tige Mann ist, den nötigen Umbruch zu mode­rieren?

Nach zehn Spiel­tagen wirken diese düs­teren Pro­gnosen wie aus einer anderen Zeit. Bayer Lever­kusen hat sechs der sieben ver­gan­genen Par­tien gewonnen, ist in dieser Saison noch unge­schlagen und steht mitt­ler­weile auf dem zweiten Rang der Tabelle. Fünf Gründe für Lever­ku­sens über­ra­schend starken Sai­son­start.

1. Alt­be­kannte Offen­siv­power…
Peter Bosz hat einen Ruf zu ver­tei­digen. Der nie­der­län­di­sche Trainer gilt als gna­den­loser Ver­fechter des Offen­siv­fuß­balls. Seine Teams sollen Spiele domi­nieren und den Gegner ständig unter Druck setzen. Nur wenn das ganze Team lei­den­schaft­lich nach vorne ver­tei­digt und schnellen Kom­bi­na­ti­ons­fuß­ball zeigt, huscht dem meist mür­risch drein­schau­enden Nie­der­länder ein Lächeln über das Gesicht.

Auch in dieser Saison spielt Bayer Lever­kusen typi­schen Bosz-Fuß­ball. Bosz setzt auf ein tra­di­tio­nell-nie­der­län­di­sches 4−3−3, seine Mann­schaft bereitet jeden Angriff minu­tiös vor. Nur Bayern Mün­chen und Borussia Dort­mund haben mehr Ball­be­sitz. Nach Ball­ver­lusten setzt die gesamte Mann­schaft sofort nach. Auch im Pres­sing rückt das Team weit vor. Lever­kusen steht auch in der neuen Saison für einen aktiven, domi­nanten Spiel­stil.

2. … und neu gewon­nene Sta­bi­lität
Nichts­des­to­trotz: Der Hurra-Faktor“ im Lever­ku­sener Spiel ist merk­lich kleiner geworden. Die ent­schei­dende Zahl lautet neun. So wenige Gegen­treffer kas­sierte Bayer in zehn Spielen, weniger als jeder andere Bun­des­li­gist. Nur Borussia Dort­mund lässt pro Spiel weniger Schüsse auf das eigene Tor zu.

Lever­ku­sens Posi­ti­ons­spiel ist in dieser Saison tat­säch­lich stärker auf defen­sive Sta­bi­lität aus­ge­richtet. Mit Sechser Julian Baum­gart­linger ist das Team im Zen­trum etwas sta­biler auf­ge­stellt, auch die Außen­ver­tei­diger rücken weniger weit vor. Bayers Ball­be­sitz­spiel ist eben­falls noch einen Tick lang­samer, der Ball wird nur noch selten blind nach vorne gespielt.

Zusammen mit dem aggres­siven Gegen­pres­sing sorgt das dafür, dass Lever­kusen viele Par­tien mit defen­sivem Ball­be­sitz“ kon­trol­liert. So auch gegen Schalke: Diese kamen in der ersten Halb­zeit nicht zu Kon­tern, da sie prak­tisch nie den Ball hatten. Über siebzig Pro­zent Ball­be­sitz sam­melte Lever­kusen bis zur Pause.

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