Seite 2: „Eine ganz entspannte Rückreise“

Ein Dort­munder Fan erin­nert sich: Ich bin mit den Fans zurück, da war alles ruhig. Eine ganz ent­spannte Rück­reise. Auch die Poli­zisten in den Bussen zum Gel­sen­kir­chener Bahnhof. Kein Pro­blem. Und dann kommst Du in Dort­mund an. Den Schalker hast Du ja kilo­me­ter­weit gegen den Wind gero­chen. Keine Ahnung, wie die Polizei den über­sehen konnte. Den Rest des Tages haben sie die Fans doch auch getrennt. Das erste Ein­schreiten war dann mit sehr viel Gewalt ver­bunden. Beim zweiten Mal bin ich mit der Welle aus Pfef­fer­spray aus dem Bahnhof geschwemmt worden. Danach war alles ruhig. Eine Gruppe hat sich noch einmal um einen Schalker auf­ge­baut, aber da gab es dann eine Ansage und der konnte gehen. Ich kann nicht aus­schließen, dass in dem Trubel auch Poli­zisten von Fans ange­gangen wurden. Aber der von der Fan­hilfe, der hatte klar eine Ver­mitt­ler­rolle inne.“

Es wird in der Folge nicht wichtig sein, ob der Dort­munder gesehen hat, was genau pas­sierte. Es wird um die Aus­wer­tung der Video­auf­zeich­nungen im Dort­munder Haupt­bahnhof gehen. Es wird darum gehen, die voll­stän­digen Auf­nahmen zu sichten und zu bewerten. Was ist wirk­lich pas­siert im Dort­munder Haupt­bahnhof und wer ist dafür ver­ant­wort­lich?

Dieser Pro­zess wird dauern. Noch liegen der Dort­munder Staats­an­walt­schaft die Auf­nahmen nicht vor. Noch kann nie­mand dar­über Aus­kunft erteilen, ob und in wel­cher Form Ermitt­lungen auf­ge­nommen werden. Und wenn die Auf­nahmen vor­liegen und wenn Ermitt­lungen auf­ge­nommen werden, wird man den Poli­zisten iden­ti­fi­zieren können? Die Kenn­zeich­nungs­pflicht für Poli­zisten in NRW exis­tiert nicht mehr. Sie wurde Ende 2016 ein­ge­führt und nur ein Jahr später von der neuen Lan­des­re­gie­rung ein­kas­siert. Auf Bun­des­ebene, und das betrifft den Dort­munder Ein­satz, gibt es diese eben­falls nicht.

Das darf nicht ver­han­delbar sein

Bei der Ver­pflich­tung zum Tragen der Kenn­zeich­nung tritt der Gedanke der leich­teren Auf­klär­ar­beit von Straf­taten oder Dienst­pflicht­ver­let­zungen von uni­for­mierten Poli­zei­be­amten und damit auch der Gesichts­punkt der Prä­ven­tion in den Vor­der­grund“, erklärte der Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt noch im Sep­tember 2019 und bestä­tigte damit die Kenn­zeich­nungs­pflicht für Poli­zei­be­amte als recht­mäßig. Bei diesem Urteil ging es um die Klage zweier Poli­zisten in Bran­den­burg. Dort und auch in den Län­dern Berlin, Bremen, Hessen, Meck­len­burg-Vor­pom­mern, Rhein­land-Pfalz, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Hol­stein und Thü­ringen besteht diese Pflicht. In Ham­burg wird sie vor­be­reitet.

Die Vor­fälle von Dort­mund reihen sich ein in eine lange Reihe der Kon­flikte zwi­schen der Staats­macht und Fuß­ball­fans. Und wenn auch die Aus­löser manchmal auf Seiten der Fans zu suchen sind, muss man die Frage nach der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit der Ein­sätze stellen. Wenn etwas pas­siert, werde es oft völlig über­trieben dar­ge­stellt, sagte Uwe Stahl­mann, der Leiter der Lan­des­in­for­ma­ti­ons­stelle Poli­zei­ein­sätze im baden-würt­tem­ber­gi­schen Innen­mi­nis­te­rium, im Gespräch mit 11FREUNDE in diesem Mai. Stahl­mann bezog sich auf die alar­mis­ti­schen Äuße­rungen der übli­chen Ver­däch­tigen nach Aus­ein­an­der­set­zungen zwi­schen Fan­gruppen. Er sprach von der Vision von einem Fuß­ball ohne Polizei. Es ist nicht davon aus­zu­gehen, dass sich diese Vision bei Spielen wie dem Revier­derby durch­setzen wird. Mit ein wenig mehr Gelas­sen­heit wäre der Sache bereits gedient. Es besteht kein Grund, Men­schen, die den Fuß­ball begleiten, den Kiefer zu bre­chen. Egal, ob sie an einer Aus­ein­an­der­set­zung betei­ligt sind oder, wie hier, nicht. Das darf nicht ver­han­delbar sein. Und muss für Polizei und Fans glei­cher­maßen gelten.