Seit dem 7. August diesen Jahres hat die DFL einen neuen Liga­prä­si­denten. Unser Ver­eins­prä­si­dent Dr. Rein­hard Rau­ball trat die Nach­folge von Wolf­gang Holz­häuser an und ist seitdem erster Mann im deut­schen Pro­fi­fuß­ball. Auf den ersten Blick eine durchaus posi­tive Situa­tion für alle BVB-Fans. Rau­ball genießt als Retter“ in Dort­mund große Sym­pa­thien und der ein oder andere wird mit dieser Wahl die Hoff­nung ver­bunden haben, dass es für den BVB nicht unbe­dingt von Nach­teil sein muss, den eigenen Mann als Liga­vor­sit­zenden zu haben.

Als Rein­hard Rau­ball im tur­bu­lenten Herbst 2004 das Prä­si­di­alamt von Dr. Gerd Nie­baum über­nahm und damit seine ins­ge­samt dritte Amts­zeit beim BVB antrat, ver­fügte er als erste Amts­hand­lung, dass der Posten des Prä­si­denten des e.V. und der des Geschäfts­füh­rers der KGaA zum Zwecke der bes­seren Kon­trolle getrennt sein müssen. Mitt­ler­weile ist Dr. Rau­ball seit August dieses Jahres jedoch auch Prä­si­dent des Liga­ver­bandes. Ein guter Zeit­punkt diese Tren­nung und die Auf­ga­ben­ver­tei­lung im Vor­stand des Ver­eins noch einmal zu über­prüfen.

Das Amt als neuer Liga­prä­si­dent der DFL, hält Rein­hard Rau­ball nicht davon ab, auch künftig als Prä­si­dent des BV Borussia e.V. wei­terhin an der Stro­bel­allee das Zepter schwingen zu wollen. Der Wahl­aus­schuss­vor­sit­zende Win­fried Materna bestä­tigte vor vier Wochen, dass Rein­hard Rau­ball im Fall eines posi­tiven Votums erneut zur Kan­di­datur bereit sei. Noch vor einem Jahr sagte Dr. Rau­ball nach seiner erfolg­rei­chen Wie­der­wahl, er werde die Geschäfts­füh­rung der KGaA auf ihrem Weg weiter kri­tisch begleiten.
Mitt­ler­weile ist aus dieser kri­ti­schen Distanz, in der sich der Jurist Rau­ball, der sich bei seinem Amts­an­tritt 2004 als Anwalt der Fans und Mit­glieder“ und damit als Kon­ter­part zum Geschäfts­führer der KGaA, Hans Joa­chim Watzke, ver­stand, durch das Dop­pelamt als Prä­si­dent des Liga­ver­bandes und des e.V. jedoch ein schwie­riger Spagat geworden.

Zwei Herzen müssen in der Brust von Rein­hard Rau­ball schlagen, der sich selbst als Tra­di­tio­na­list“ bezeichnet. Zum einem muss er als Vor­sit­zender des Bei­rates und des Prä­si­di­al­aus­schusses die Mit­glie­der­in­ter­essen in die KGaA tragen und die Geschäfts­füh­rung der KGaA fest­legen und kon­trol­lieren, zum anderen muss er sich mit weit rei­chenden For­de­rungen, die die Ver­treter der anderen Bun­des­li­gisten an ihn stellen, aus­ein­ander setzen und beein­flusst mit seiner Tätig­keit als Liga­prä­si­dent auch direkt von der anderen Seite den Weg des BVB.

Dabei ist von einem auf­ge­blähten Liga­pokal ebenso die Rede wie von einer ver­stärkten Aus­lands­ver­mark­tung der Bun­des­liga, not­falls auch mit Spielen zur Mit­tags­zeit. Aus Han­nover kommt sogar der Wunsch nach einer wei­teren Öff­nung der am Liga­be­trieb teil­neh­menden Kapi­tal­ge­sell­schaften für Inves­toren. Zusätz­lich ange­heizt hat Rau­ball die Dis­kus­sion um eine radi­kale Neu­aus­rich­tung der Liga, als er im Stile eines Bera­ters im Kicker ver­kün­dete jeden Stein umdrehen zu wollen“. Da fragt sich der Fuß­ball-Fan, von wel­chen Steinen Rein­hard Rau­ball spricht und wo er als Liga­prä­si­dent die Grenzen zieht als Prä­si­dent eines eV.

Mit der Funk­tion als Liga­prä­si­dent ist die von Dr. Rau­ball selbst instal­lierte und his­to­risch bedingt mehr als gewünschte Tren­nung zwi­schen e.V. und KGaA de facto auf­ge­hoben und ein Dop­pel­pass“ zwi­schen Geschäfts­füh­rung der KGaA und Liga­prä­si­denten Rau­ball auch gegen den Willen der Ver­eins­mit­glieder spe­ku­lativ mög­lich. Rau­ball kann in der DFL Vor­stöße für neue Geld­be­schaf­fungs­maß­nahmen sei­tens der Geschäfts­füh­rung unter­stützen und for­cieren und Tat­sa­chen schaffen, die vielen Fans des BVB nicht schme­cken dürften. Denn was auf der einen Seite die unter­neh­me­ri­sche Pflicht des Geschäfts­füh­rers der KGaA ist, näm­lich die Erschlie­ßung neuer Ver­mark­tungs- und Finan­zie­rungs­wege, kann auf der anderen Seite im strikten Gegen­satz zu den Inter­essen des Ver­eins und seiner Mit­glieder stehen.

Eine kon­krete Frage, die sich auf­drängen könnte, lautet: Wie wird Dr. Rein­hard Rau­ball wohl als Ver­treter zweier Ämter reagieren, wenn von anderen Clubs gefor­dert wird, die Ver­eine bzw. Kapi­tal­ge­sell­schaften weiter für Inves­toren zu öffnen?“

Im Falle Borussia Dort­mund, könnte dies näm­lich bedeuten, dass der e.V. seine Stim­men­mehr­heit an der KGaA, die den Pro­fi­be­trieb in der DFL unter­hält, ein­büßen könnte und die KGaA von Dritten direkt gelenkt wird. Die volle Ent­schei­dungs­ge­walt der KGaA in der Hand von rus­si­schen Olig­ar­chen oder angel­säch­si­schen Inves­toren? Ein Hor­ror­sze­nario –nicht nur für Fans und Mit­glieder des BVB.

Dr. Rau­ball hätte in diesem Fall eigent­lich die Pflicht die Ver­treter des BVB mit einem klaren Nein“ in diese Dis­kus­sion zu schi­cken. Damit würde er aber auch gegen die Inter­essen anderer Ver­eine der DFL, denen er als Liga­prä­si­dent ver­pflichtet ist, han­deln. Ein prä­si­dialer Spagat!

Im Gegen­satz zur Allein­herr­schaft des vom WDR als Dr. Gott“ beti­telten Gerd Nie­baums, der als Ver­treter von KGaA und e.V. nahezu ohne Kon­trolle walten und schalten konnte, waren mit der neuen Ämter­tren­nung und der damit ein­her­ge­henden her­vor­ra­genden Tätig­keit der Herren Rau­ball und Watzke alle sehr zufrieden. Die Mit­glieder hatten end­lich wieder das Gefühl, dass gemäß der Ver­eins­sat­zung beim BVB gehan­delt wird. Dr. Rau­ball hielt sich völlig aus dem ope­ra­tiven Geschäft der KGaA raus und übte sein Amt als Prä­si­dent des e.V. aus. Ihm zu unter­stellen, er würde als Liga­prä­si­dent als erste Amts­hand­lung den Ver­kauf des Tafel­sil­bers vor­an­treiben, würde seiner Person sicher nicht gerecht werden. Doch die neue Ämter­fülle des BVB-Prä­si­denten hin­ter­lässt beim in der Ver­gan­gen­heit schwer gebeu­telten schwarz­gelben Anhang, ein beklem­mendes Gefühl. Alles in allem haben wir beim BVB eine ähn­liche Kon­stel­la­tion, wie wir sie nie wieder haben wollten. Viel­leicht ist sie sogar noch ein wenig kom­pli­zierter und undurch­sich­tiger als vorher, weil jetzt neben den Inter­essen des e.V. und der KGaA auch noch die Inter­essen anderer Ver­eine eine Rolle spielen und die Mög­lich­keit gegeben ist, vom über­ge­ord­neten Gre­mium DFL aus in die Geschicke des BVB ein­zu­greifen.

Umso wich­tiger ist es, dass der gesamte Vor­stand des e.V. seine Kon­troll­funk­tion in Gänze wahr­nimmt. Der Beirat der Borussia Dort­mund Geschäfts­füh­rungs-GmbH setzt sich aus dem Vor­stand des e.V. und dem Wirt­schaftsrat des e.V. zusammen. Dr. Rau­ball stehen seit 2005 als Vize­prä­si­dent Dr. Albrecht Knauf und als Schatz­meister Dr. Rein­hold Lunow zur Seite.

Knauf, seines Zei­chens unter anderem Mit­in­haber und Gründer einer Flug­ge­sell­schaft und allei­niger Gesell­schafter der Knauf Interfer AG, hat nie einen Hehl daraus gemacht, keine schwatz­gelbe Seele zu haben, son­dern von Rau­ball und Watzke ange­spro­chen worden zu sein, um Türen in die Wirt­schaft zu öffnen“. Knauf wollte zu diesem Zeit­punkt der Region und den Men­schen rund um den BVB helfen und sein Rat und seine Unter­stüt­zung waren zum dama­ligen Zeit­punkt für den BVB von beson­derer Wich­tig­keit.
Als Groß­ak­tionär der KGaA (Knauf über­nahm im Juni 2005 das fünf­pro­zen­tige Akti­en­paket des tür­ki­schen Geschäfts­mannes Saran) hat Knauf jedoch auch in der KGaA einen nicht uner­heb­li­chen Ein­fluss. Zudem könnte ihm bei­spiels­weise eine wei­tere Öff­nung der KGaA für Inves­toren und die damit ver­bun­dene Hoff­nung auf einen Kurs­an­stieg der BVB-Aktie nicht gerade unge­legen kommen.

Es ist durchaus legitim, dass Dr. Knauf beim BVB Lob­by­ar­beit betreibt, doch genau an dieser Stelle stellt sich die Frage, mit wie viel Nach­druck er im Vor­stand die Inter­essen des e.V. ver­tritt. Als Mann der Wirt­schaft wäre er sicher besser in einem Gre­mium der KGaA ver­treten. Sein Ehrenamt als Vize­prä­si­dent schien ihm dagegen schon bei seinem Antritt unan­ge­nehm. Knauf scheut die Öffent­lich­keit und ist kein Mann des Volkes“. Als Vize­prä­si­dent des eV, gehört es ganz sicher zu seinen Auf­gaben die Inter­essen der Hand­baller, Tisch­ten­nis­spieler, Jugend­fuß­baller und die der Mit­glieder der Fan­ab­tei­lung zu ver­treten.

Einen großen Teil dieser Arbeit über­nimmt jedoch der Schatz­meister, Dr. Rein­hold Lunow. Dieser ist im Gegen­satz zu Knauf mit ganzen Herzen Borusse und leitet neben seiner Tätig­keit als Schatz­meister auch alle wei­teren aktuell anfal­lenden Pro­jekte rund um den e.V. (hier sei als Bei­spiel das Borus­seum und die Mit­glie­der­wer­bung genannt). Eine aktive Betei­li­gung an diesen Themen durch Knauf als Vize­prä­si­dent ist für nie­manden erkennbar. Das deckt sich auch mit den Aus­sagen vieler Mit­glieder die Zugang zum Stamm­tisch-Bereich haben. Der Vize­prä­si­dent soll dort seit Monaten nicht mehr gesehen worden sein. So über­nimmt augen­schein­lich der Schatz­meister im Moment die Arbeit des Vize­prä­si­denten im e.V. mit. Auf­grund der räum­li­chen Ent­fer­nung ‑Lunow lebt und arbeitet in der Nähe von Bonn- sicher nicht im Sinne der Mit­glieder des BVB.

Die Ernen­nung Rau­balls zum Liga­prä­si­denten stellt auf jeden Fall die Mit­glieder bei der Jah­res­haupt­ver­samm­lung des BVB im November vor ein Pro­blem: Geht man von Rau­balls Wie­der­wahl aus, wird es mit ihm und Knauf wei­terhin zwei Leute im Vor­stand geben, die sowohl inhalt­lich als auch auf­grund ihrer Ver­bin­dungen und neuen Auf­ga­ben­be­reiche sehr nah an der KGaA sind.

Die Mit­glieder des BVB müssen sich die Frage stellen, ob man in Zukunft im Vor­stand eines Ver­eins mit mehr als 28.000 Mit­glie­dern nicht besser gewählte Ver­treter haben möchte, die eben auch die Inter­essen der Mit­glieder aktiv ver­treten und damit eine Kon­trolle der KGaA im Sinne der Mit­glieder und Fans des BVB gewähr­leisten können – frei­lich ohne wirt­schaft­liche Not­wen­dig­keiten zu ver­kennen.

Aller­spä­tes­tens im nächsten Jahr, wenn die Neu­wahlen des Vize­prä­si­denten und des Schatz­meis­ters anstehen, können sich die Mit­glieder des BVB darauf selbst einen Ant­wort geben.