Kurt Prödel steht auf kleine, lus­tige Inter­net­vi­deos. Das bekann­teste von ihm war bis­lang. Kurt ihm sein Hund“. Die Beto­nung liegt auf bis­lang, denn bei der EM in Frank­reich ist dem eigen­wil­ligen Web­künstler etwas geglückt, was sich nicht planen lässt: ein Video, das sich wie ein Virus durch das Internet ver­breitet. Wenn da nicht die Uefa wäre.

Prödel hat in dem zwölf Sekunden langem Video alle Elf­meter-Schüsse des deut­schen Teams beim Vier­tel­fi­nale gegen Ita­lien über­ein­an­der­ge­legt. Bei Twitter und Face­book hat es inzwi­schen die Runde gemacht, am Mon­tag­morgen erfreute sogar das ZDF-Mor­gen­ma­gazin seine Zuschauer mit der lus­tigen Idee. Doch offenbar gefällt das nicht allen.

Das Video selbst erin­nert an eine Bal­lett-Cho­reo­grafie. Annä­hernd syn­chron bewegen sich alle Spieler zuerst vom Elf­me­ter­punkt zurück, nur Boateng bleibt etwas länger beim Ball. Dann folgt der Pfiff, die Spieler rennen los, treffen sich am Punkt, schießen und ver­teilen ihre Bälle in und um das Tor – mit dem bekannten Aus­gang. Ita­liens Tor­wart Gian­luigi Buffon hat sich in diesem Moment ver­dop­pelt, springt zur Hälfte nach links und rechts, bevor er nach dem Schuss von Jonas Hector die Hände vors Gesicht hebt. Ein Fuß­ball-Krimi son­der­glei­chen, in zwölf bril­lanten Sekunden zusam­men­ge­fasst.

Kunst oder Miss­brauch des Urhe­ber­rechts?

Was für die einen moderne Video­kunst – und wenn nicht Kunst, dann doch zumin­dest ein sehens­werter Hin­gu­cker – wird von anderen als Straftat ange­sehen. Auf You­tube, wohin Prödel sein Elfer-Video eben­falls hoch­ge­laden hat, ist statt des Film­chens mit den Schüssen der sieg­rei­chen deut­schen Mann­schaft nur noch der Text Dieses Video ent­hält Inhalte von UEFA. Dieser Partner hat das Video aus urhe­ber­recht­li­chen Gründen gesperrt“ zu lesen. Wo kämen wir auch dahin, wenn die kost­baren Medi­en­rechte an der Euro 2016 von jeder­mann umgangen werden?

Der Sie­geszug der Hom­mage an die die Über­win­dung des deut­schen Ita­lien-Traumas ist jedoch nicht auf­zu­halten. Tau­sende Twitter-Nutzer haben Prö­dels Video favo­ri­siert und per Ret­weet ver­breitet und auf Face­book wurde der kurze Clip bereits über 200000 Mal abge­rufen.

Am Mittag erreichte das Verbot auch Twitter. Statt Alle Elfer gleich­zeitig“ heißt es bei den meisten Kopien nun Video not dis­played“ – als Reak­tion auf einen Bericht eines Rech­te­inha­bers, wie dort weiter steht. Am Nach­mittag dann war Prö­dels kom­plette Twitter-Seite ver­schwunden. Sorry, diese Seite exis­tiert nicht!“ lau­tete die Sys­tem­ant­wort auf den Aufruf der Adresse https://​twitter​.com/​K​u​r​t​P​r​oedel.

Also schnell noch zum Video – bevor die Uefa auch dort zuschlägt.