Was sind die Per­spek­tiven für die neue Saison? Die Mann­schaft soll sich im Trai­nings­lager ja den Auf­stieg als Ziel gesetzt haben.

Das stimmt. Und ich sehe mich als Teil der Mann­schaft. Dem­entspre­chend ist der Auf­stieg ein gemein­sames Ziel, da ist auch das Trai­ner­team gemeint.

Nach nur einem Jahr ist, bis auf Daniel Schwaab, die kom­plette Mann­schaft aus­ge­wech­selt worden. Als Fan kann man da schon Sorge bekommen, Borussia Mön­chen­glad­bach oder Kai­sers­lau­tern sind ja mah­nende Bei­spiele. Warum die Zäsur?

Letztes Jahr hat man sich schon große Sorgen gemacht, weil da bereits die Hälfte des Kaders nicht mehr zur Ver­fü­gung stand. Wenn man zweimal hin­ter­ein­ander den Auf­stieg knapp ver­passt, dann wech­seln Spieler in die erste Liga. Die Befürch­tungen, die damit ver­bunden waren, sind aber nicht ein­ge­treten. Wir haben trotzdem bis zum letzten Spieltag um den Auf­stieg mit­ge­spielt. Das hat uns keiner zuge­traut. Jetzt gehen wieder drei Stamm­spieler in die erste Liga. Dafür sind wir auch gut ent­lohnt worden. Wir hätten auch sagen können: Nein, wir geben die Spieler nicht ab, aber als Aus­bil­dungs­verein ist man immer wieder auf Trans­fer­ent­schä­di­gungen ange­wiesen. Im Gegenzug haben wir im letzten Jahr zehn Eigen­ge­wächse mit einem Pro­fi­ver­trag aus­ge­stattet.



Sie haben mit Suat Türker einen aus­ge­wie­senen Tor­jäger in die Mann­schaft geholt. Wird er end­lich der Goal­getter sein, den sich die Frei­burger Fans seit langer Zeit wün­schen?

Ich bin kein Hell­seher. Wir haben uns für ihn ent­schieden, weil er bei seinen bis­he­rigen Sta­tionen seine Qua­li­täten gezeigt hat. Aber natür­lich muss er sich bei uns erst beweisen. In der Vor­be­rei­tung war er jeden­falls der beste Tor­schütze. Um auch in der Liga Top-Leis­tungen abzu­rufen, muss natür­lich in seinem neuen Umfeld alles für ihn passen.

Wird sich denn die Spiel­weise ver­än­dern? Wie soll das Spiel­system aus­sehen?

An unserer Grund­hal­tung einer offen­siven Spiel­aus­rich­tung wird sich nichts ändern. Diese Phi­lo­so­phie liegt nicht nur der Pro­fi­mann­schaft zugrunde, auch in der Fuß­ball­schule rücken wir davon nicht ab. Das hat viel­leicht zur Folge, dass man das eine oder andere Kon­tertor bekommt, aber das offen­sive Spiel ist Teil unserer Aus­bil­dungs­phi­lo­so­phie: Ball­be­sitz hat bei uns abso­lute Prio­rität. Gerade weil wir offensiv ori­en­tiert sind, haben wir Suat Türker geholt, der unser Spiel zum Abschluss bringen soll. Er ist mit seinen 1,78 Metern ja kein Stoß­stürmer, den wir mit langen Bällen bedienen wollen. Er ist ein spie­lender Stürmer, der am Boden seine Qua­li­täten hat. Die Spieler, die wir für die Offen­sive geholt haben, sind alle eher klein – das sagt einiges über unsere Spiel­phi­lo­so­phie aus.
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Nach der Ablö­sung von Finke und den Que­relen, die damit ver­bunden waren, haben viele gesagt: Für einen neuen Trainer ist es die denkbar schlech­teste Situa­tion, die Mann­schaft zu über­nehmen. Wie haben sie das erlebt?

Ich erlebe das Umfeld des Ver­eins vom ersten Tag unge­mein positiv. Es macht richtig Spaß, in Frei­burg Trainer zu sein und es gibt bestimmt schwie­ri­gere Auf­gaben und Ver­eine mit stär­kerem Druck. Ich will nicht mehr über meinen Antritt vor einem Jahr reden, nur soviel: Von all dem, was über­re­gional berichtet wurde, konnte ich in Frei­burg eigent­lich nichts bemerken. Der Sport-Club pflegt eine andere Kultur, eine sach­li­chere, die viel­leicht ein halbes Jahr mal emo­tional durch­ein­ander gewir­belt wurde. Inzwi­schen haben sich fast alle Auf­ge­regt­heiten wieder ein­ge­pe­gelt. Wir hatten am 5. August in einem Freund­schafts­spiel gegen die Natio­nal­mann­schaft von Kuba, die ja nicht zur inter­na­tio­nalen Welt­spitze gehört, 8000 Zuschauer im Sta­dion. Das sagt schon einiges über den SC aus.

Was cha­rak­te­ri­siert den SC Frei­burg?

Wenn man in Zukunft über den SC spricht, würden wir uns wün­schen, dass man sagt: ›Der Verein steht für ein großes Team­work.‹ Das wollen wir vor­leben. Wir haben eine Fuß­ball­schule, die nicht mit der zweiten Mann­schaft abge­schlossen ist. Sie ist auch durch­lässig in Rich­tung Pro­fi­kader. Die A‑Jugend ist Deut­scher Meister geworden, die zweite Mann­schaft ist auf­ge­stiegen. Wir haben viel Qua­lität sowohl im Bereich der Spieler, als auch bei unseren Nach­wuchs­trai­nern. Es wäre schön, wenn wir weg­kommen vom Per­so­nen­kult, der all­ge­mein um die Chef­trainer ver­an­staltet wird. Die Spieler sind keine Papp­fi­guren, die nur hin und her geschoben werden.

Wie lange möchten Sie in Frei­burg bleiben?

Ich fühle mich hier jeden­falls pudel­wohl. Für mich sind hier alle Vor­aus­set­zungen erfüllt, um im Pro­fi­fuß­ball etwas zu bewegen. Letzt­lich ist es eher die Frage, wie lange ich hier arbeiten darf.

Sie haben indi­sche Wur­zeln. Macht der Ein­blick in einen anderen kul­tu­rellen Back­ground das Arbeiten mit aus­län­di­schen Spie­lern leichter?


Mein Vater ist Inder. Ich bin in Deutsch­land geboren, auf­ge­wachsen und kann leider kein Hindi spre­chen. Trotz allem weiß ich natür­lich einiges über das Hei­mat­land meines Vaters. Beim ersten Ken­nen­lernen mit aus­län­di­schen Spie­lern können meine Wur­zeln even­tuell Türen öffnen. Eine Qua­lität in der Bezie­hung zweier Men­schen wird dann aber erst im dau­er­haften Zusam­men­leben und ‑arbeiten zemen­tiert. Egal, welche Her­kunft jemand hat: es muss mensch­lich passen. Die Natio­na­lität spielt dabei keine Rolle.