Seite 2: „Cool, my name is Aaron, too!“

Also statt ein biss­chen zu kicken“, standen Sie mitten in einem Aus­wahl­trai­ning für die Natio­nal­mann­schaft? 

Genau. Durch den Strom­aus­fall wusste kaum einer vom Aus­wahl­trai­ning. Die Try-Outs bestanden quasi aus einem nor­malen Trai­nings­spiel. Was für ein Zufall. 

Wie haben Sie sich geschlagen? 

Der neue Trainer, Darren Sawatzky, hat das Trai­ning abge­halten. Weil viele Jugend­spieler die Chance nutzen wollten, konnte ich nicht aus der Masse her­vor­ste­chen. Für mich hatte sich das Thema Natio­nal­mann­schaft damit erle­digt, statt­dessen habe ich mich mit ein paar Spie­lern ange­freundet, die ich dort ken­nen­ge­lernt habe. Wir waren ein paar Mal zusammen kicken, was trinken, solche Sachen. Nach ein paar Bier in einer Kneipe hat dann irgend­wann einer der Jungs zu mir gesagt: Hey, eigent­lich kannst du doch auch für die Natio­nal­mann­schaft spielen!“ Er war der Kapitän.

Wie haben Sie reagiert?

Ich wollte ihm erst gar nicht glauben, aber er hatte schon mit dem Coach gespro­chen. Die brauchten nur noch meine Geburts­ur­kunde!

Das war 2016. Trotzdem geben Sie erst jetzt ihr Debüt. Was ist in der Zwi­schen­zeit pas­siert? 

Leider hat der Trainer mich nicht wirk­lich gemocht. Das hatte auch einen ganz ein­fa­chen Grund: Als Sawatzky sich vor­stellte, begrüßte er uns mit: Hey, my name is Darren.“ Weil mein Eng­lisch zu dem Zeit­punkt nicht ganz per­fekt war, habe ich ihn falsch ver­standen und ein­fach mit Cool, my name is Aaron, too!“ geant­wortet. Dadurch fühlte er sich wohl nicht richtig ernst genommen und ab da war ich unten durch. Komi­scher Typ. Danach gab es im Land aber sowieso einen großen Kor­rup­ti­ons­skandal (Gelder, die offi­ziell für die Trai­ner­suche Guams gedacht waren, lan­deten auf den Konten ein­zelner Funk­tio­näre, Anm. d. Red.). Guam wurde für das kom­plette Jahr 2017 gesperrt und durfte gar keine inter­na­tio­nalen Spiele mehr aus­tragen. Danach habe ich nichts mehr gehört. Fuß­ball trat bei mir selbst auch in den Hin­ter­grund. Ich habe in der Zeit einen Sohn bekommen und neben dem Stu­dium nur noch ein wenig in der Kreis­liga gespielt. 

Eine kurze Natio­nal­mann­schafts­kar­riere.

Das dachte ich mir auch. Im Zuge der Umstruk­tu­rie­rung im Ver­band kam dann aber auch ein neuer Trainer: Karl Dodd. Der war sehr ehr­geizig und wollte sich alle mög­li­chen Spieler anschauen. Auch bei mir rief er eines Tages an und wir führten ein sehr gutes Gespräch. Bei ihm spürte ich direkt eine ganz andere Ver­bin­dung. 

Sie waren ja auch nicht sein erster Spieler aus Deutsch­land. Zu seiner Zeit bei Bris­bane Roar.…

… hatte er bereits Thomas Broich trai­niert! Genau darauf sprach ich ihn auch direkt an. Broich ist ja fast genauso alt wie ich und schon lange ein Vor­bild von mir. Das war eine super Ver­bin­dung. Der Trainer wollte mich zu einem Trai­nings­camp in Guam ein­laden, ver­langte davor aber Videos meiner Spiele. Von da an musste ich sogar jemanden bezahlen, der meine Spiele in Deutsch­land filmt!