Seite 3: „Da kommt der nächste große Nationalspieler“

Mit Video-Auf­zeich­nungen in den unteren Ligen asso­zi­iert man ja oft Möch­te­gern-Profis“ mit bunten Schuhen. Wie kamen solche Aktionen in der Grup­pen­liga an? 

Das war ver­rückt. In den unteren Ligen wird ja nichts mit­ge­schnitten, und auf einmal steht da jemand und filmt die kom­pletten 90 Minuten. Natür­lich haben sich alle über mich lustig gemacht, nach dem Motto: Da kommt der nächste große Natio­nal­spieler, der lässt ja sogar seine Spiele filmen!“ Naja, ich hab’s ertragen. 

Haben sich die Videos denn wenigs­tens gelohnt? 

Total! Als Reak­tion wurde ich ins Trai­nings­camp nach Japan ein­ge­laden, da wurden wir in den ver­schie­densten Berei­chen getestet – Aus­dauer, Kör­per­fett, tech­ni­sche Qua­lität. Am Ball war ich auch ganz okay, nur beim Kör­per­fett­an­teil hab ich nicht so gut abge­schnitten. (Lacht.) Aber allein mit der Natio­nal­mann­schaft in ein Trai­nings­camp zu fliegen – das war der Wahn­sinn. Der Trainer hat alles pro­fes­sio­nell gestaltet, am Ende bekam ich sogar ein Zeugnis wie in der Schule.

Was stand drin?

Leider war das Ergebnis, dass ich erst einmal weiter Videos ein­schi­cken solle und par­allel etwas an meiner Fit­ness arbeiten müsse. Zum WM-Qua­li­fi­ka­tions-Playoff gegen Bhutan wurde ich dann leider nicht nomi­niert. 

Trotz der ganzen Videos? 

Dafür kann es auch andere Gründe gegeben haben. Guam ist ein armer Ver­band, im Land selbst gibt es viele Spieler, die noch vor Ort kicken, soge­nannte Local Player“. Die über­legen sich dann zweimal, ob sie extra jemanden aus der 8. Liga Deutsch­lands ein­fliegen lassen. Als ich das begriff, war ich wirk­lich ent­täuscht und hatte meine Natio­nal­mann­schafts­kar­riere eigent­lich abge­hakt.

Jetzt kam doch nochmal ein Anruf vom Trainer. 

Genau, richtig geil. Ich war selbst total über­rascht. Zwei Aus­wärts­spiele in China und Syrien, die größten Spiele in der Geschichte der Natio­nal­mann­schaft. Teams aus Los-Topf eins und zwei, rich­tige Kra­cher-Mann­schaften. Das werden super Spiele.

Sie haben mit ihren bis­he­rigen Teams immer zwi­schen der Kreis- und Grup­pen­liga gepen­delt, jetzt geht es zur WM-Qua­li­fi­ka­tion gegen China, trai­niert von Mar­celo Lippi. Mal ehr­lich: Kann man sich auf so ein Spiel über­haupt vor­be­reiten? 

Wir ver­su­chen es! Vor dem Spiel ver­bringen wir eine Woche zusammen im Trai­nings­lager, in unserer Whatsapp-Gruppe stehen die indi­vi­du­ellen Trai­nings­pläne. Schließ­lich geht es gegen bekannte Spieler wie Elkeson oder Lei Wu von Espanyol Bar­ce­lona. Wir stellen uns best­mög­lich ein und schauen, was dann geht.

Das letzte Auf­ein­an­der­treffen Guams mit China ging 19:0 ver­loren.

(Lacht.) Natür­lich laufen bei uns jetzt keine elf Ronald­inhos über den Platz, aber auch hier wird pro­fes­sio­nell gear­beitet. In puncto Fit­ness und Taktik ist das ein hef­tiges Niveau. Aber klar, ich kann das alles ein­ordnen. Viel­leicht kommt bei mir die deut­sche Men­ta­lität durch, ich bevor­zuge Under­state­ment. Unser Trainer tickt aber anders, der sagt zu uns: Wir wollen was mit­nehmen! 

Phra­sen­mäßig bewegt sich also auch Guam schon auf Pro­fi­ni­veau. 

Naja, was sollen wir sonst sagen? Für alles andere fehlen mir sowieso die Worte, das bleibt alles sur­real. Völlig ver­rückt.