Oliver Bau­mann
Dass sich die Frei­burger ihre Saison ver­golden würden, hatte sich schon seit einigen Wochen ange­deutet, aber wer hätte vor der Spiel­zeit ernst­haft gedacht, dass ein Ver­golden“ mehr als den Klas­sen­er­halt meint? Jetzt haben es die Badener tat­säch­lich geschafft, in den Euro­pacup ein­zu­ziehen. Das ist in aller­erster Linie der Ver­dienst von Chef­trainer Chris­tian Streich, der mit seiner erstaun­li­chen Exper­tise wahr­schein­lich auch die Alten Herren vom Mels­unger FV in die Bun­des­liga führen könnte. Am Samstag aber gehörte die große Bühne Tor­wart Oliver Bau­mann, der beim Stand von 2:1 einen Elf­meter parierte und die drei Punkte fest­hielt, die einen Platz unter den ersten Fünf fix machten. Wofür es von Streich direkt nach Abpfiff, na klar, Strei­chel­ein­heiten gab.

Jona­than Schmid
Bleiben wir noch einen Moment im Breisgau, denn die Frei­burger Mann­schaft strotzt nur so vor Spie­lern, die vor der Saison jetzt nicht unbe­dingt im Notiz­buch von Real Madrid standen und die sich uner­war­te­ter­weise zu abso­luten Höchst­leis­tungen auf­ge­schwungen haben. Einer davon ist Jona­than Schmid. Rein optisch eine drah­tige Iro­kesen-Ver­sion des jungen Dolph Lundgren, signa­li­siert Schmid seinen Gegen­spie­lern bereits im Spie­ler­tunnel höchste Kampf­be­reit­schaft. Auf dem Platz paart er seinen Ein­satz mit Technik und Spiel­ver­ständnis und kommt so auf zehn Tore und sechs Vor­lagen. Auf lange Sicht ja viel­leicht doch einer für Real Madrid, der Junge ist schließ­lich erst 22.

Thomas Schaaf
Es ist nicht eben so, dass Thomas Schaafs Mann­schaft in dieser Saison Bäume aus­ge­rissen hätte. Oder über­haupt irgend­etwas Posi­tives fest­zu­halten bliebe. Außer eben, dass am Ende einer Seu­chen­saison dann doch der Klas­sen­er­halt steht. Dass das so ist, liegt auch an Thomas Schaaf und der Tat­sache, dass die Ver­ant­wort­li­chen trotz einer düs­sel­dor­fesken Nega­tiv­serie am Bremer Urge­stein fest­ge­halten haben. Ob der Trainer nach den wohl schwersten Wochen in seinen 41 Jahren beim SVW auch nächstes Jahr in Bremen auf der Bank sitzt, bleibt abzu­warten, laut Welt“ soll Schaaf beim Brau­se­klub Red Bull Salz­burg anheuern. Es wäre das Ende einer Ära. Nur Kurz zur Ein­ord­nung: Als Schaaf 1972 in die Jugend von Werder kam, war Willy Brandt Bun­des­kanzler, in der Hit­pa­rade stand ein Hippie-Pär­chen namens Mouth & Mac­Neal an der Spitze, ein 20jähriger Uli Hoeneß wurde Euro­pa­meister und in Por­tugal kam ein gewisser Luis Figo zur Welt. Nach so einer langen Zeit nun also Bremen ohne Schaaf? Und dafür mit Mehmet Scholl, der sich in Bremen bereits ein Haus gekauft haben soll? Oh schöne neue Welt.

Branimir Hrgota
Branimir wer? Genau, Hrgota. Glad­bachs 20-jäh­riger Schwede durfte im Spiel gegen Mainz zum ersten Mal von Beginn an für die Fohlen ran und dankte es Trainer Lucien Favre mit einem ast­reinen Drei­er­pack. Lobend erwähnen, gleich­zeitig aber auch tadeln, wollen wir Hro­gotas erstes Tor, bei dem er einen Elf­meter via Panenka-Trick in die Maschen hob, hauch­zart an Keeper Heinz Mül­lers Hand­schuhen vorbei. So etwas, lieber 20-jäh­riger Branimir Hrgota, geht auch gerne mal daneben und dann ist man der Depp und nicht die coole Sau. In unserer Flim­mer­kiste findet man mehr ver­sem­melte Panenkas, als es Men­schen mit diesem Namen auf dem Pla­neten gibt. Sei es drum, nach Hrgotas drittem Tor ließen wir die mah­nenden Zei­ge­finger sinken und erfreuten uns an der feinen Technik, mit der der junge Schwede (Alter:20) die Murmel über Müller hinweg ins Netz lupfte. Den, so viel ist sicher, hätten wir nicht so gemacht. Vor­aus­ge­gangen war dem Tor übri­gens ein Sen­sa­ti­ons­pass von…

Mike Hanke,
…dem mitt­ler­weile am häu­figsten abge­schrie­benen Fuß­baller der Bun­des­li­ga­ge­schichte. Hanke ist für uns immer noch irgendwie dieser talen­tierte Stürmer, den Jürgen Klins­mann viel­leicht mit zur WM nimmt, wenn er sich anstrengt. Nur dass das eben schon sieben Jahre zurück­liegt. Ver­rückt. Seither war Hanke irgendwie immer da, ohne groß auf­zu­fallen: Meist bei mit­tel­mä­ßigen Klubs beschäf­tigt, manchmal ganz gut, dann wieder nicht und so weiter. Der­zeit steht Hanke mal wieder auf dem Abstell­gleis und wird Glad­bach nach der Saison wohl ver­lassen. Dass er immer noch kicken kann, zeigte der Stürmer gegen Mainz, als er ein Tor selber machte und schließ­lich Hrgotas Lupfer mit einem 50-Meter-Spann-Außen­rist-Pass vor­be­rei­tete, bei dem einem das Wasser im Munde zusam­men­lief. Bald steht ja wieder eine WM an, viel­leicht ist noch Platz im Kader für einen jungen, talen­tierten… ach, lassen wir das.

Franck Ribéry
Wäre die Bun­des­liga ein Car­toon, wäre Frank Ribéry Speedy Gon­zales. Oder der Butler der Addams-Family. Aber eher Speedy Gon­zales, denn Ribéry ist so schnell, dass er pro­blemlos auf inter­na­tio­nalem Niveau 100-Meter-Läufe absol­vieren könnte, wenn er nicht auch noch mit fuß­bal­le­ri­schem Talent gesegnet wäre, das von hier bis zum Nordpol reicht. Seine Klasse zeigte Bay­erns Fran­zose, als er gegen Augs­burg zwei der drei Tore des deut­schen Meis­ters vor­be­rei­tete. Seine Schnel­lig­keit zeigte er auch nach Spie­lende, als er zunächst von David Alaba, schließ­lich von der halben Bayern-Mann­schaft gejagt und nur mit ver­einten Kräften zur Weiß­bier­du­sche gestellt werden konnte. Und diese dann über sich ergehen ließ wie ein Cham­pion. Pas­sen­der­weise sahen die Weiß­bier­schwälle, die über Ribéry aus­ge­gossen wurden, aus wie ein Som­brero. Ein weißer, ober­gä­riger, schmack­hafter Som­brero, lecker. Bleibt zu sagen: Der Mann ist zu Recht Deut­scher Meister. Und wahr­schein­lich der schnellste aller Zeiten.

Ivan Perisic
Ivan Perisic scheint wütend zu sein. Kein Wunder, denn dem Kroaten ist das pas­siert, was im Sport­jour­na­listen-Wort­spiel­bau­kasten gemeinhin ver­wech­seln“ heißt. Im Winter ging Perisic von Dort­mund nach Wolfs­burg, ver­letzte sich und findet sich nun im grau­mäu­sigsten aller Mit­tel­feld­klubs wieder. Wäh­rend seine alten Kol­legen vor 80.000 Leuten spielen und in zwei Wochen die Cham­pions League gewinnen können, kickt Perisic in einer Stadt, in der die Leute ins Sta­dion gehen, weil das wahr­schein­lich in ihren Arbeits­ver­trägen mit dem lokalen Auto­bauer ver­an­kert ist. Hätte er vor seinem Wechsel mal bei Familie Iva­n­auskas ange­rufen. Viel­leicht stellt sich die Situa­tion nächstes Jahr ja anders dar und der VfL kann wieder oben angreifen, seinen Frust ließ Perisic aber schon am Samstag gegen den alten Klub raus und schoss zwei Tore. Für das Finale in London bekam er über­dies ein Ticket vom BVB geschenkt. Immerhin.

Marco Reus
Irgendwie ist es schade, dass Marco Reus und Mario Götze nach nur einer Saison wieder getrennte Wege gehen. Wie sehr die beiden Kum­pels in dieser Saison har­mo­nierten, war ein Ver­spre­chen an die Zukunft, das sie ab nächster Saison dann hof­fent­lich in der Natio­nal­mann­schaft ein­lösen. Dass es aber auch ohne seinen Buddy geht, zeigte Reus am Wochen­ende gegen Wolfs­burg, als der stets fesch fri­sierte Reus zweimal netzte und ein eigent­lich bereits ver­lo­renes Spiel noch in ein Remis umbog. Auch wenn ein Unent­schieden in Wolfs­burg eigent­lich zu wenig ist für einen Klub, der in zwei Wochen Cham­pions-League-Sieger werden will.

Vedad Ibi­sevic
An dieser Stelle sollte eigent­lich Jens Keller stehen, denn wäre alles nach Plan gelaufen, hätte Schalkes Coach nach der Ver­län­ge­rung seines Ver­trages am Wochen­ende die Cham­pions-League-Quali besie­gelt. Das Heim­spiel gegen Stutt­gart ver­geigten die Knappen aber mit 1:2, woran Stürmer Vedad Ibi­sevic mit seinem Dop­pel­pack maß­geb­lich betei­ligt war. So sehr ihn und die Stutt­garter das freuen mag, für Schalke und Keller ist die Heim­pleite eine mit­tel­schwere Kata­strophe. Ver­liert man am letzten Spieltag in Frei­burg, bleibt die Europa League als mäßig tolles Trost­pflaster und die Trai­ner­dis­kus­sion dürfte nur eine Woche nach der Ver­trags­ver­län­ge­rung von Neuem beginnen. Ibi­sevic wird es egal sein.

Nikola Djurdjic
Am Wochen­ende hat sich Nikola Djurdjic, wie die gesamte Für­ther Mann­schaft, in die Geschichts­bü­cher der Liga ein­ge­tragen. Der Spiel­ver­ei­ni­gung gelang näm­lich das Kunst­stück, eine ganze Saison lang nicht ein ein­ziges Heim­spiel zu gewinnen. Zwei Dinge lernten die Für­ther daraus: Die Bun­des­liga ist eine Liga zu hoch. Und: Einen Rekord zu halten, ist nicht unbe­dingt eine gute Sache. Wir heben an dieser Stelle Stürmer Djurdjic hervor, weil er der­je­nige war, der einen Elf­meter vergab und so die Chance auf einen etwaigen Heim­sieg end­gültig begrub. Frei­burgs Oliver Bau­mann hielt, der SCF spielt inter­na­tional und die ein­zigen drei Punkte in Fürth blieben am Samstag die auf Djurdjics Arm­binde.

Boris Vuk­cevic
Der­zeit einen Hof­fen­heimer Spieler für die 11 des Spiel­tags zu nomi­nieren, ist als würde man Otto zum Sexiest Man Alive“ küren. Bei Boris Vuk­cevic sind die Dinge aller­dings ein wenig anders gela­gert, denn der 21jährige ver­un­glückte im ver­gan­genen Sep­tember schwer mit dem Auto, lag lange Zeit in kri­ti­schem Zustand im Koma und ist seither vom Fuß­ball­spielen weit ent­fernt. Am Wochen­ende wurde bekannt, dass Hof­fen­heims Mit­tel­feld­spieler seit Kurzem wieder selbst­ständig gehen kann, was bei der Schwere seines Unfalls an ein Wunder grenzt. Es bleibt dabei: Es gibt, bei aller Liebe, Wich­ti­geres als diesen Sport. Wir wün­schen wei­terhin gute Bes­se­rung.