Seite 2: Großartige Einzelspieler und cleveres Ende

3. Ivan Perisic
Kroa­tien ver­fügt über groß­ar­tige Ein­zel­spieler: Spiel­ge­stalter wie Modric und Rakitic, Voll­stre­cker wie Mandzukic und Ante Rebic. Von ihnen hätte man erwartet, dass sie gegen nun pas­si­vere Eng­länder auf­blühen. Doch es war Ivan Perisic, der in der Folge zum kroa­ti­schen Schlüs­sel­spieler auf­stieg.

Ständig tauschte Perisic mit Rebic den Flügel, ver­suchte so, sich seinem Gegen­spieler zu ent­ziehen. Im Voll­sprint suchte er die Lücke im Sech­zehner, immer auf dem Sprung, eine Flanke zu ver­werten – egal, wie schlecht sie geschlagen war. Er erzielte den kroa­ti­schen Aus­gleich (68.) und hatte zudem zwei wei­tere gute Chancen in dieser Phase des Spiels (65., 72.).

4. Gareth Sou­th­gate reagiert… nicht
Gareth Sou­th­gate hat bei diesem Tur­nier vieles richtig gemacht. Er hat die eng­li­sche Natio­nal­mann­schaft von alt­be­kannten Kli­schees befreit und eine junge, sym­pa­thi­sche Mann­schaft geformt. Sein 5 – 3‑2-System brachte dem Team defen­sive Sta­bi­lität. Als es nach dem Aus­gleich der Kroaten darum ging, das Momentum der Partie zu drehen, brachte Sou­th­gate jedoch nur wenige Impulse von der Bank.

Seine Idee, Raheem Ster­ling durch den etwas weniger quir­ligen Marcus Rash­ford zu ersetzen, zahlte sich nicht aus. In der Folge fiel Sou­th­gate vor allem dadurch auf, dass er nicht auf­fiel. Er wech­selte erst wieder in der Ver­län­ge­rung, hielt bis zum Schluss­pfiff an seinem 5 – 3‑2-System fest. Eng­land hatte nun keinen Plan mehr, wie sie das Spiel flach ins offen­sive Mit­tel­feld eröffnen sollen. Kroa­tien setzte plötz­lich zu einem aggres­siven Pres­sing an, legte das Auf­bau­spiel der Eng­länder lahm. Ein eng­li­scher Plan B? Fehl­an­zeige. Das Momentum blieb auf kroa­ti­scher Seite.

5. Cle­veres Zeit­spiel in der Ver­län­ge­rung
Nach dem Füh­rungs­treffer durch Mandzukic (109.) spielte die kroa­ti­sche Elf ihre ganze Rou­tine aus. Sekun­den­lang zele­brierten sie Abstöße, minu­ten­lang blieben sie mit Krämpfen am Boden liegen. Eng­land fand nicht mehr in den Rhythmus zurück.

Vor allem aber machte Kroa­tien nicht den Fehler, den Eng­land nach der eigenen Füh­rung gemacht hatte: Sie zogen sich nicht zurück, son­dern gingen wei­terhin früh drauf. Eng­land durfte gar nicht erst in die kroa­ti­sche Hälfte gelangen. Damit mini­mierten sie das Risiko, dass Eng­land eine Flanke in den Straf­raum schlägt. Am Ende schlägt die kroa­ti­sche Cle­ver­ness die eng­li­sche Jugend­lich­keit. Dieses Mal sogar ohne Elf­me­ter­schießen.