Lajos Detari, Ungarn ist seit elf Län­der­spielen unge­schlagen. Ist die Mann­schaft EM-Favorit?
Natür­lich nicht. Favo­riten sind zum Bei­spiel Deutsch­land und Frank­reich und eine Hand­voll anderer großer Mann­schaften. Nicht zu ver­gessen Ita­lien, die unge­fähr seit der WM in Russ­land unge­schlagen sind. Ich glaube, die haben die letzten zehn Spiele alle gewonnen.

Die letzten acht Spiele.
Ja, gut. Aber schauen Sie mal: Ungarn ist erst zum zweiten Mal bei einer EM dabei. Dar­über sind wir froh. Weniger glück­lich können wir mit der Aus­lo­sung sein. Wir haben die Todes­gruppe F erwischt. Deutsch­land, Frank­reich, Por­tugal. Immerhin spielen wir zweimal zu Hause in Buda­pest, über 60.000 Zuschauer dürfen ins Sta­dion. Trotzdem: Ein Wei­ter­kommen wäre eine Sen­sa­tion.

So wie 2016?
Damals hat nie­mand mit uns gerechnet, und wir haben das Ach­tel­fi­nale erreicht. Als unge­schla­gener Tabel­len­erster. Selbst den spä­teren Euro­pa­meister Por­tugal haben wir an den Rande einer Nie­der­lage gebracht. 3:3 – was für ein Spiel! Ich habe mich wahn­sinnig gefreut für die Mann­schaft und auch für die Trainer Bernd Storck und Andi Möller.

Hatten Sie Kon­takt zu den beiden?
Immer wieder mal. Andi Möller ist ja wie ich ein Frank­furter. Sowieso hatte ich immer einen guten Draht zu den Deut­schen in Buda­pest. Auch zu Thomas Doll und Ralf Zum­dick, die beide mit Feren­cvaros die Meis­ter­schaft gewonnen hatten. Einmal haben Katze Zum­dick und ich uns auf dem Rasen des Feren­cvaros-Sta­dion getroffen.

Wenn in Ungarn jemand sagt, Lajos, lass uns um acht Uhr treffen, dann kommt er erst um 10 Uhr. Und ich erst um 11″

Um über das Pokal­end­spiel von 1988 gegen den VfL Bochum zu spre­chen, in dem Sie gegen Ralf Zum­dick per Frei­stoß das 1:0‑Siegtor geschossen haben?
Nein, um die Szene noch einmal nach­zu­stellen.

Haben Sie den Ball wieder rein­ge­macht?
Diesmal hat Katze gehalten. Aber war nur Spaß. Wich­tiger war natür­lich 1988.

Warum mussten Storck und Möller 2018 eigent­lich gehen? Nur wegen der ver­passten WM-Qua­li­fi­ka­tion?
Das kann ich nicht beur­teilen, da bin ich zu weit weg. Aber ich finde, dass auch Storcks Nach­folger Marco Rossi gute Arbeit macht. Er kannte Ungarn ja schon, vier oder fünf Jahre war er zuvor Trainer bei Honved Buda­pest gewesen. Er hat 2017 die Meis­ter­schaft gewonnen und war Trainer des Jahres. In Ungarn schätzt man ihn sehr.

Wie lässt er das Team spielen?
Ita­lie­nisch dis­zi­pli­niert. Das finde ich gut. Ein altes Kli­schee stimmt hier immer noch: Wenn in Ungarn jemand sagt, Lajos, lass uns um acht Uhr treffen, dann kommt er erst um 10 Uhr. Und ich erst um 11 Uhr. Unter Rossi gibt es so etwas nicht.