Lieber FC Bayern,

danke. Und viel­leicht auch ein biss­chen: Ent­schul­di­gung.

Gut, wir dürfen nicht gleich über­treiben. Ein 7:2 bei Tot­tenham ist jetzt auch nicht so beson­ders. 

Klar, es war die höchste Heim­nie­der­lage in der Geschichte Tot­ten­hams. Dem Cham­pions-League-Fina­listen des Vor­jahres. Und klar, Serge Gnabry hat in einer Halb­zeit mehr Tore (vier) im Tot­tenham-Sta­dium erzielt als Harry Kane über­haupt (drei). Und ja, wahr­schein­lich werden bald Kinder geboren, deren Vor­name #TOTFCB lautet, ein­fach weil sich ihre Eltern an diesem 1. Oktober 2019 in diese Partie ver­liebt haben.

Der beste Spieler der Welt?

Aber man muss ja nicht gleich über­treiben. So ein beson­deres Spiel kommt ganz sicher ein, zwei Mal pro Saison vor, auf diesem Niveau. Und wenn man das hoch­rechnet, dann sind wir von einem Jahr­hun­dert­spiel aber noch ein ganzes Stück ent­fernt! Und es war eben nur ein ver­dammtes Grup­pen­spiel. Und dazu später mehr.

Danke“ sagen wollen wir trotzdem, lieber FC Bayern. Denn es war ein Spek­takel. Da war dieser Beginn, der sich anfühlte, als ginge es dahin mit dem ruhm­rei­chen FCB. Der sich anfühlte, als sei dieser Heung-Min Son der beste Spieler der Welt, nur dass er bis dahin noch nie­manden dar­über infor­miert hatte.

Aus Gründen …

Das holte er jetzt ja offen­sicht­lich ein­fach nach. Sehr gründ­lich. Denn mal tauchte er links auf, mal rechts, mal durch die Mitte. In einem Tempo, dass man sich zu fragen begann, wel­chen CO2-Aus­stoß er wohl habe und ob es da nicht Grenz­werte gäbe. Und bald hatte es den Anschein, dass er sich in Rich­tung seiner Gegen­spieler umschaute: Noch jemand ohne Blöße? Und er hatte viele Gele­gen­heiten dazu, denn das Spiel ver­zich­tete aus Unter­hal­tungs­gründen kom­plett auf jeg­li­ches Mit­tel­feld und fand also nur an den Straf­räumen statt. Nicht aus Unzu­läng­lich­keit, son­dern weil es galt, bloß keine Zeit zu ver­schwenden. Wenn man Geschichte schreiben will, aber nur 90 Minuten hat, muss man sich eben beeilen.