Ganz so kurz­fristig wie am 11. März diesen Jahres war es dann doch nicht. In der NBA standen die Spieler der beiden Mann­schaften Okla­homa City Thunder und Utah Jazz schon auf dem Par­kett, bereit das Spiel zu starten, als sich plötz­lich die Trainer beider Teams mit den Schieds­rich­tern aus­tauschten. Wenige Minuten später war klar: Das Spiel findet nicht statt. Nachdem alle Zuschauer die Arena ver­lassen hatten, teilte die NBA den Grund der Absage mit: Jazz-Spieler Rudy Gobert war positiv auf das Corona-Virus getestet worden. Wei­tere Anste­ckungen sollten ver­mieden werden.

Am Diens­tag­abend standen beim Europa-League-Qua­li­fi­ka­ti­ons­spiel zwi­schen dem Lin­coln Red Imps aus Gibraltar und dem koso­va­ri­schen Verein FC Prishtina dagegen noch keine Spieler auf dem Platz, als sich abzeich­nete, dass das Spiel nicht ange­pfiffen werden würde. Die Ursache war den­noch die gleiche: Wieder hatten sich Sportler mit dem Corona-Virus infi­ziert. Nach der kol­lek­tiven Tes­tung beider Mann­schaften durch ein UEFA-zer­ti­fi­ziertes Test­labor erhielten gleich acht Spieler des FC Prishtina ein posi­tives Test­ergebnis. Und das, obwohl die gesamte Dele­ga­tion, bestehend aus Mann­schaft, Trai­ner­team und Betreu­er­stab, noch vor der Abreise aus dem Kosovo negativ getestet worden war.

Spiel wird mit neuen Spie­lern nach­ge­holt

Laut Angaben des FC Prishtina wären trotz der Fälle immer noch 14 Spieler des Kaders ein­satz­be­reit gewesen. Den Behörden in Gibraltar war das Risiko den­noch zu hoch, sodass die ange­setzte Partie nicht statt­fand. Doch anders als der FC Drita, bei dem es zwei posi­tive Fälle gab und dessen Spiel gegen den FC Lin­field mit 0:3 gewertet wurde, hat Prishtina wei­terhin die Chance, sich für die Europa League zu qua­li­fi­zieren. Mit der Uefa einigte sich der Klub auf eine Neu­an­set­zung. Das Spiel wird am mor­gigen Samstag aus­ge­tragen.

Ein­zige Bedin­gung ist, dass kein Trainer, Spieler oder Betreuer der ursprüng­li­chen Dele­ga­tion zum Spiel reist. Da der FC Prishtina somit kei­nerlei spiel­be­rech­tigte Akteure hätte, kam es zu einer unge­wöhn­li­chen Soli­da­ri­täts­ak­tion. Aus der hei­mi­schen Super League leiht sich der Verein Spieler von sieben ver­schieden Klubs aus und tritt mit ihnen zur Partie an. Trai­niert wird die zusam­men­ge­wür­felte Truppe von Prshtinas ehe­ma­ligen Trainer Ramiz Kras­niqi, der nor­ma­ler­weise die U19-Aus­wahl des Bal­kan­staats betreut. Armend Dallku, Manager des FC Prishtina, war gegen­über Prishtina Insight über die über­ra­schende Hilfe hoch erfreut: Ich danke Trainer Kras­niqi, dem koso­va­ri­schen Ver­band und allen Klubs, dass sie uns in dieser schwie­rigen Zeit unter­stützen.“

Nur zwei gemein­same Trai­nings­ein­heiten

Kaum Vor­be­rei­tungs­zeit, wenig gemein­sames Trai­ning, eine kom­plett neue Mann­schaft. Die Bege­ben­heiten für Prishtina könnten sicher­lich besser sein. Für Manager Dallku wird die schwie­rige Mis­sion aber zumin­dest nicht an der Moti­va­tion der Akteure schei­tern, wie er opti­mis­tisch mit­teilte: Es werden zwar nur zwei Trai­nings­ein­heiten statt­finden, aber die Spieler kennen sich nicht nur aus der koso­va­ri­schen Liga gut, son­dern haben teil­weise auch schon zusam­men­ge­spielt. Außerdem sind alle hoch moti­viert.“

Eine Rumpf­truppe wird der gebeu­telte Verein zudem nicht auf den Platz schi­cken. Immerhin stehen mit Mentor Zhdrella und Lapidar Llad­rovci ein vier­ma­liger koso­va­ri­scher Fuß­baller des Jahres und ein Lan­des­meister von 2019 im Auf­gebot. Zudem könnten die zu erwar­tenden Abstim­mungs­pro­bleme durch Spiel­praxis etwas aus­ge­gli­chen werden. Denn wäh­rend in der koso­va­ri­schen Liga seit Anfang Juni alle paar Tage Par­tien statt­fanden, hat der Gegner Lin­coln Reds Imps seit dem 8. März kein Pflicht­spiel mehr absol­viert.

Unter­dessen befindet sich das eigent­liche Team des FC Prishtina in Gibraltar wei­terhin in Qua­ran­täne und wartet auf die wei­teren Test­ergeb­nisse. Wenn alles optimal läuft und nie­mand mit gesund­heit­li­chen Pro­blemen zu kämpfen hat, könnten die Spieler sogar in der nächsten Qua­li­fi­ka­ti­ons­runde wieder für den Klub auf­laufen. Dann würde der gesamte koso­va­ri­sche Fuß­ball von der unge­wöhn­li­chen Soli­da­ri­täts­ak­tion pro­fi­tieren, wie Manager Dallku meint: Wir haben uns immer über Siege von koso­va­ri­schen Team auf inter­na­tio­naler Ebene gefreut, da Erfolg in Europa dem gesamten koso­va­ri­schen Fuß­ball wei­ter­hilft.“