Seite 2: „Es geht darum, den Zuschauern etwas zu bieten“

Sie spielten für Ros­tock, Wolfs­burg, Union Berlin, Cottbus und den 1. FC Mag­de­burg. Sie haben unter 21 Trai­nern in Ihrer Pro­fi­kar­riere gear­beitet. Müsste das eigent­lich nicht rei­chen, um zu sagen: Das möchte ich nie­mals werden.
Naja, das heu­tige Berufs­profil hat mit dem dama­ligen Trai­ner­da­sein nicht mehr viel zu tun.

Trainer werden noch schneller vor die Tür gesetzt.
Den Ver­schleiß habe ich nicht gemeint. Heute müssen Trainer viel mehr erklären, warum der Ball in diese oder jene Rich­tung läuft. Es wird alles hin­ter­fragt. Weil jeder eine Mei­nung zu dem hat, was er auf dem Platz sieht.

Haben Sie Vor­bilder? 
Hatte ich nie, auch als Kind nicht. Es gab Spieler wie Joa­chim Streich oder Marco van Basten, die beson­dere Erschei­nungen waren, denen ich aber nie nach­ge­ei­fert habe. Was die konnten, werde ich nie beherr­schen. Bei Trai­nern wie Andreas Zach­huber, Petrik Sander, Wolf­gang Wolf habe ich einiges mit­ge­nommen. Die kamen nie über­kan­di­delt daher, son­dern habe klare Anwei­sungen ver­teilt. Mit denen konnte ich mich auch mal streiten. Damit kam ich sehr gut zurecht. 

Gibt es eine Situa­tion, die Ihnen da in Erin­ne­rung geblieben ist?
Och, ich habe mich mal mit Petrik Sander etwas lauter unter­halten…

Sie haben sich gestritten.
Und wie! Ich war der Ansicht, dass ich mal wieder spielen müsste. Patrick Sander sah das anders. Wir haben uns in seinem Büro ange­brüllt, danach war es aus­ge­räumt. Ich war kein Spieler, der sich damit zufrieden gab, wenn der Trainer sagte: Du spielst nicht.“ Ich habe dann doch (über­legt.)… das Gespräch gesucht und war immer Fan klarer Worte.

Sie sagen selbst, dass Sie Spieler haben wollen, die sich mit Ihnen auf Augen­höhe befinden. Welche Rolle spielt das bei der Kader­zu­sam­men­stel­lung? 
Eine geringe. Hier in Pader­born haben wir eine klare Phi­lo­so­phie. Hier wird kein Spieler geholt, weil ich sie will, son­dern weil der Spieler über Fähig­keiten ver­fügt, die dem Verein wei­ter­helfen. Ich mache mir dann ein kon­kretes Bild davon, wenn der Junge dann da ist. Und mir ist es relativ egal, wie er vorher auf­ge­treten ist. Solange er hier mit­ziehen will. Das ist auch eine Art von Augen­höhe.

Zu Beginn Ihrer Trai­ner­kar­riere sagten Sie, ange­spro­chen auf Ihre Spiel­phi­lo­so­phie: Die habe ich…“ 
Ja.

„… aber Sie werden mich nie groß davon reden hören.“ Warum nicht?
Weil ich das unnötig finde! Dass ich offensiv spielen will, kann jeder sehen. Wenn Kol­legen nach einem Spiel erzählen, dass sie in den ersten 45 Minuten fünfmal das System umge­stellt haben, muss ich mich zusam­men­reißen. Weil sie gerne unter­schlagen, dass der Ball dabei nicht einmal die Mit­tel­linie über­quert hat. Des­halb halte ich von diesem Phi­lo­so­phie-Gerede nicht viel, ich beweise die Dinge lieber auf dem Rasen.

Aber es wird doch sicher Aspekte geben, die Ihnen wichtig sind.
Natür­lich! Eine sta­bile Defen­sive ist wichtig. Das bedeutet aber nicht, tief zu stehen. Es ist ent­schei­dend, hinten kon­trol­liert her­aus­zu­spielen. Lange Bälle zu ver­meiden und wirk­lich Fuß­ball zu spielen. Aber: Als Erstes geht es um Men­ta­lität. Lauf­be­reit­schaft und Lei­den­schaft. In diesen Momenten ist Fuß­ball gewis­ser­maßen eine Kampf­sportart.

Bre­chen Sie den Fuß­ball aufs Wesent­liche her­unter, um sich den kom­pli­zierten Fragen zu ent­ziehen?
Nein! Fuß­ball ist zu aller­erst Laufen, Kämpfen, Lei­den­schaft. Ich sehe Mann­schaften, da können Spieler sieben ver­schie­dene Posi­tionen bekleiden, aber am Ende stehen sie trotzdem alle hinten drin. Weil das Wesent­liche fehlt.

Sie sagen: Der Fuß­ball wird zu kom­pli­ziert gemacht.“ 
Ja, wenn ich mir anhöre muss, wie Spiele aus­ein­an­der­ge­nommen und erklärt werden. Wie viel in tak­ti­sche Raf­fi­nessen“ hin­ein­in­ter­pre­tiert wird, nur weil ein Trainer mal Anwei­sungen auf einem Zettel rein­ge­geben hat. Es hört sich immer an, als wäre der Trai­nerjob eine Dok­tor­ar­beit. Aber das ist es nicht. Es geht darum, die Jungs ans Laufen zu bringen, Spaß zu ver­mit­teln und den Zuschauern etwas zu bieten.