Seite 4: „Tot war hier keiner“

Sie hatten Erfolg, sam­melten elf Punkte aus den letzten fünf Spielen.
Mhm.

Und waren am Ende trotzdem abge­stiegen. Wie waren die Tage danach?
Wir haben uns geschüt­telt und gesagt: Weiter geht’s.“ Wirk­lich wahr. Wir hatten noch das Finale im West­fa­len­pokal zu bestreiten. Es ging um den Einzug in den DFB-Pokal, um 100.000 Euro und damit für einen zukünf­tigen Viert­li­gisten um sehr viel Geld. Wie kriege ich also eine Mann­schaft, die gerade nahezu alles ver­loren hat, so weit, dass sie das Pokal­fi­nale ver­nünftig spielt? Dass wir nach diesem Nacken­schlag trotzdem gewonnen haben, war die größte Leis­tung dieser Mann­schaft. 

Es muss doch trotzdem eine selt­same Situa­tion gewesen sein: Pokal­sieg und die Mann­schaft ist im Begriff aus­ein­an­der­zu­fallen.
Wir hatten tags darauf noch zwei Spieler unter Ver­trag. 

Wo waren Sie, als die Nach­richt kam, dass 1860 Mün­chen keine Zulas­sung für die 3. Liga erhalten würde?
Oh, das weiß ich nicht mehr. Es gab ja vorher schon Ent­wick­lungen, andere Ver­eine bangten um die Zulas­sung, des­halb war es keine allzu große Über­ra­schung. Wir hatten vorher schon zwei­gleisig geplant. 

Ist Ihnen in der Rück­schau eigent­lich klar geworden, wie sie aus diesem nahezu toten Verein einen Auf­steiger gemacht haben?
Das war kein toter Verein. Es gibt natür­lich Phasen, in denen läuft es mal nicht, da greift nichts inein­ander. Aber dieser Verein war für mich nie tot. Auch nach dem Abstieg: Ob es Markus Krö­sche als Sport­li­cher Leiter oder Bodo, unser Zeug­wart war – alle waren immer mit dem Herzen dabei. Na klar, nie­mand wusste, in welche Rich­tung es nun geht. Aber tot war hier keiner. 

Und trotzdem: Als nomi­neller Absteiger galten Sie vor der Dritt­li­ga­saison nicht gerade als Auf­stiegs­kan­didat. 
Ne, ganz sicher nicht. 

Wann haben Sie also gemerkt, dass mehr mög­lich ist?
Direkt im ersten Sai­son­spiel gegen Halle. Da war erkennbar, was für eine Power in der Truppe steckt. Wir haben in der ersten Minute einen Elf­meter gegen uns bekommen. 1. Spieltag, 1. Minute, 1. Gegentor. Mieser geht’s nicht. Da habe ich mich umge­dreht zur Trai­ner­bank und gesagt: In 15 Minuten führen wir hier 2:1.“ Da haben sie mich alle aus­ge­lacht. Hat auch nicht gestimmt, wir haben 17 Minuten gebraucht. Am Ende stand es 4:4. Die Art und Weise stimmte. Power und Mut im Spiel nach vorne.

Ist es Ihnen wichtig Spek­takel abzu­lie­fern?
Am liebsten würde ich immer 4:0 gewinnen. Aber die vielen Gegen­tore sind auch dem Umstand geschuldet, dass die Jungs immer nach vorne mar­schieren wollen.

Manch einer bezeichnet ihr Spiel als sowohl ver­rückt, als auch ganz wun­derbar.
Wir wollen jeden­falls keine Mann­schaft sein, die nur clever spielt. Es kommt nicht immer darauf an, ob du die bes­sere Mann­schaft bist, son­dern dass du einen Plan hast, dass du Leute begeis­tern willst. Es muss andere Arten Fuß­ball geben als den Ver­schie­be­bahnhof ab der Mit­tel­linie – und man muss mit dieser Anders­ar­tig­keit auch Erfolg haben können. Unser Ziel ist immer: Tore­schießen. Und das sieht man uns auch noch an, wenn wir 4:1 führen. Dass wir weiter nach vorne spielen – und am Ende schlimms­ten­falls das 4:4 kas­sieren.