Dieses Inter­view erschien erst­mals im April 2019. 

Steffen Baum­gart, es gibt ein Video von Ihnen mit dem Titel Skills and Goals – Steffen Baum­gart“.
Oha, und? 

Ehr­li­cher­weise: Viele Goals, wenig Skills.
Das fasst meine Spiel­weise ganz gut zusammen. Ich war gerad­linig, habe von meiner Ath­letik gelebt und Tore gemacht. Abge­sehen vom Haken­schlagen konnte ich keine Tricks. Aber mit schwie­rigen Situa­tionen wusste ich umzu­gehen. Ich habe nie gezit­tert. 

Es hat trotzdem lange gedauert, bis Sie den Sprung in den Pro­fi­fuß­ball gemacht haben.
Das kommt ein biss­chen darauf an, was Sie meinen. 

In der DDR-Sport­schule waren Sie nicht.
Dafür hatten meine Eltern gesorgt. Ich hätte 1984 in die DDR-Sport­schule gehen können, aber meine Eltern waren der Mei­nung, dass das keine gute Ent­wick­lung ver­spreche, wenn ich mit 12 Jahren nach Berlin gekommen wäre. Sie sagten, ich solle erst einmal zuhause bleiben. Dort, bei Dynamo Ros­tock-Mitte, habe ich auch eine gute Aus­bil­dung genossen. Im Leis­tungs­zen­trum haben wir fünf-sechs Mal in der Woche trai­niert, hatten am Wochen­ende unsere Spiele. Vier Wochen Vor­be­rei­tung mit Trai­nings­lager. Und im Pro­fi­be­reich der DDR war ich dann schon mit 17 Jahren. 

Sie waren auf der einen Seite Zweit­li­ga­profi bei SG Dynamo Schwerin. Und auf der anderen Seite als Poli­zist beim Meis­ter­schafts­fi­nale zwi­schen Hansa Ros­tock und Dynamo Dresden im Ein­satz.
Genau, das war die Wen­de­zeit. Ich hatte meine Lehre abge­schlossen. Und weil ich zu der Zeit bei Dynamo Schwerin gespielt hatte, war ich Ange­stellter der Deut­schen Volks­po­lizei und später dann in der neu­ein­ge­rich­teten Bereit­schafts­po­lizei in Schwerin. 

Sie sind dann recht über­ra­schend zur SpVg Aurich, Viert­li­gist aus Ost­fries­land, gewech­selt. Warum?
Wir haben die Mög­lich­keit genutzt, im Zuge der so genannten Gold­grä­ber­zeit“ den Weg in den Westen zu gehen. Wir sind damals mit zahl­rei­chen Leuten nach Aurich gegangen, bekamen eine Aus­bil­dung – der eine wurde Ver­si­che­rungs­ver­treter, der andere hat im Steu­er­büro gear­beitet, ich wurde KFZ-Mecha­niker. In den Ver­einen war bekannt, dass es eine gute Fuß­ball­aus­bil­dung im Osten gab. An Fuß­ball war im ersten Moment dann nicht mehr in dieser Form zu denken. Aber wir haben trotz­dessen vier-fünfmal die Woche trai­niert und guten Fuß­ball gespielt. 

Haben Sie sich da noch als Profi ver­standen? 
Nein, um sieben Uhr war ich auf der Arbeit und um 18 Uhr habe ich das erste Mal trai­niert. Das ist kein Pro­fitum. 

Drei Jahre später, im Sommer 1994, ging es zurück zum Zweit­li­gisten Hansa Ros­tock. Sie sollen zu Ihrem Vater gesagt haben: Ein Spiel für Hansa, dann kann ich mich voll auf meine Trai­ner­kar­riere kon­zen­trieren.“ 
Genau, das war so. Ich wollte von kleinauf Trainer werden. Schon als Jugend­li­cher hatte ich meine ersten Trai­ner­scheine in der DDR gesam­melt. Auch wenn die nach der Wende nicht mehr gültig waren, habe ich mich als Trainer gesehen. Ich habe mir immer vor­ge­stellt, dass ich Jungs vor­an­bringen kann. Das ist mein Antrieb. Und vor allem habe ich gedacht, dass ich als Trainer mehr Erfolg haben kann.

Warum? 
Mein Talent als Spieler… im Nach­hinein kann man sagen, dass ich genug Talent hatte. Aber ich glaube, es waren eher Waffen, die ich ein­ge­bracht habe: Ath­letik, Geschwin­dig­keit, Gerad­li­nig­keit. Spie­le­risch talen­tiert waren andere. Des­halb habe ich nie gedacht, dass ich in in diesen Berei­chen spielen würde. 

Egal, wo Sie spielten, galten Sie immer als Publi­kums­lieb­ling. Wie macht man das?
Wenn ich auf den Platz kam, wussten die Zuschauer: Jetzt pas­siert was! In meiner Zeit in Cottbus bin ich oft ein­ge­wech­selt worden, das hat mir auch gelegen. Weil alle ahnten, dass mit meiner Ein­wechs­lung viel­leicht nochmal etwas geht. Dass ich nie auf­ge­geben habe, hat mich aus­ge­zeichnet.