Seite 4: „Keine großen Hoffnungen auf ein Comeback“

Albert Streit, der schönste Moment Ihrer Lauf­bahn?
Das Gän­se­haut­spiel gegen Reut­lingen 2003, als wir in den letzten zehn Minuten das Spiel mit drei Toren drehten und in die Bun­des­liga auf­stiegen. Etwas Dra­ma­ti­scheres hatte ich noch nie erlebt. Und ein Uefa-Cup-Spiel mit der Ein­tracht bei Fener­bahce Istanbul im Dezember 2006, als man auf dem Rasen wegen der 50.000 Zuschauer sein eigenes Wort nicht ver­stand.

Zwei Spiele für Ein­tracht Frank­furt.
Ich hatte dort meine schönste und beste Zeit als Profi. Wer weiß, wie meine Kar­riere ver­laufen wäre, wenn ich dort geblieben wäre?

Im Team 2006“ kickten Sie gemeinsam mit Alex Meier.
Er hatte damals in Frank­furt einen schweren Stand bei den Fans. Er galt als Funkel-Lieb­ling. Erst als er die Ein­tracht mit Toren zurück in die Bun­des­liga schoss, wurde er zur Kult­figur.

Sie hätten auch so eine Kult­figur werden können.
Wahr­schein­lich. Aber ich habe mich nun mal 2007 ent­schieden, von der Ein­tracht, die mit­tel­fristig nur im Mit­tel­feld der Liga spielen würde, zum FC Schalke 04 zu wech­seln, einem Cham­pions League Teil­nehmer. Ich wollte den nächsten Schritt machen und die Sicher­heit, lang­fristig in der Bun­des­liga zu spielen. So ist das Leben.

Sie werden im März 35 Jahre alt. Wie geht es mit Ihrer Kar­riere weiter?
Ich habe mir im Februar 2014 in einem Zwei­kampf im Trai­ning bei For­tuna Köln einen Knor­pel­schaden vierten Grades zuge­zogen. Schlimmer geht es kaum. Ich könnte es ope­rieren lassen, aber große Hoff­nungen auf ein Come­back gibt es nicht. Des­wegen bevor­zuge ich eine kon­ser­va­tive Behand­lung.

Ihre Lauf­bahn ist von vielen Schick­sals­schlägen gekenn­zeichnet.
Ich ver­suche, es positiv zu sehen. Wenn mir diese Ver­let­zung vor zehn Jahren pas­siert wäre, hätte es mich viel schlimmer getroffen. Aber mir fehlt allein das Kicken mit Kum­pels auf dem Bolz­platz.

Mit Ihrem Ruf wird es nicht ein­fach, zukünftig einen Job im Pro­fi­fuß­ball zu finden?
Wer sagt denn, dass ich einen Job im Fuß­ball suche? Im Augen­blick freue ich mich, es mir leisten zu können, meinen Sohn auf­wachsen zu sehen.

In wel­cher Hin­sicht haben Sie sich in Ihrer Lauf­bahn cha­rak­ter­lich am stärksten ver­än­dert?
Seit ich eine Familie habe, führe ich ein anderes Leben. Früher drehte sich alles nur um Fuß­ball. Da war es fast egal, welche Freundin ich gerade hatte. Nun habe ich die Ver­ant­wor­tung für ein Kind, meine Frau bedeutet mir sehr viel. Das ist wich­tiger als alles andere.

Zurück zum Anfang: Albert Streit, sind Sie ein zufrie­dener Mensch?
Ich bin zumin­dest auf dem Weg dahin. Inzwi­schen weiß ich, dass ich es nicht allen recht machen kann. Meine Familie und Freunde müssen zu mir stehen, das ist wichtig. Ansonsten zählt nur Gesund­heit.

Wie würde der Trainer Albert Streit den Spieler Streit anpa­cken?
Er sollte ihn so lassen, wie er ist, weil er mit seiner Raf­fi­nesse und seiner Unbe­re­chen­bar­keit beson­ders wert­voll für ein Team ist. Aber er müsste ihn auch dazu bringen, sich seinen Mit­spie­lern mehr zu öffnen.

Was meinen Sie damit?
Jeder Mensch braucht das Ver­trauen und die Unter­stüt­zung seiner Umge­bung, um Selbst­be­wusst­sein auf­zu­bauen. Kriegt Mario Götze ständig nur auf die Fresse, wird er in der Ver­län­ge­rung des WM-Finals nicht den Kopf frei haben, um das Siegtor zu schießen. So ist es im Pri­vat­leben und auf dem Platz.