1. Der Platz

Um heut­zu­tage in ein ganz nor­males Bun­des­li­ga­sta­dion zu kommen, benö­tigt man zunächst mal sehr viel Zeit. Zudem den Ori­en­tie­rungs­sinn eines Fähn­lein Fie­sel­schweif, gutes Schuh­werk und mehr Gelas­sen­heit als ein erfah­rener Club­schlangen-Steher. Eher von Nach­teil sind klaus­tro­pho­bi­sche Züge, eine über­sen­sible Nase (U- und S‑Bahnfahrten zum Sta­dion!) oder eine Anti­pa­thie gegen bul­lige Men­schen mit bul­ligen Gesich­tern in bul­liger Mul­ti­funk­ti­on­s­klei­dung mit dem Auf­trag zu großen Abtat­scherei. Da können Berg­hain-Besu­cher noch so sehr über stun­den­lange War­te­zeiten vor der angeb­lich här­teste Tür der Stadt jam­mern, der Besuch eines ganz nor­malen Bun­des­li­ga­spiels im Olym­pia­sta­dion würde die Damen und Herren ernüch­tern.

Die Schön­heit der Schrott-Tri­büne

Welch Wohltat ist da die ört­liche Bezirks­sport­an­lage oder das schmucke Sta­dion“! Das darf sich auch nur des­halb so nennen, weil vor Urzeiten eine kleine Tri­büne auf­ge­schüttet und mit einem Dut­zend Wel­len­bre­chern ver­sehen wurde, die selbst­ver­ständ­lich nur da sind, damit sich Stamm­rentner dagegen lehnen können, wenn sie sich von ihren Schimpf­ti­raden erholen müssen. Gibt es eine schö­nere archi­tek­to­ni­sche Leis­tung der Mensch­heit als moos­be­wach­sene Steh­tri­bünen aus Asche, Bau­schutt und ein wenig Zement? Wenn ja, wollen wir es erst gar nicht wissen.

Unver­gleich­lich ist auch das Geruchs­er­lebnis auf diesen doch eher spär­lich bevöl­kerten Plätzen. Hier darf sich die Nase tat­säch­lich mal am Geruch von frisch gemähtem Rasen erfreuen, statt die Groß­sta­di­en­mi­schung aus Alko­hol­dunst, Pisse, Schweiß, Groß­händler-Brat­wurst und schalem Bier irgendwie zu ver­ar­beiten.

Die Anzei­ge­tafel bedient des Prä­si­denten Tochter

Wir könnten noch ewig so wei­ter­ma­chen. Die Flut­licht­masten! Die leicht ange­ros­tete Wer­be­bande! Die legen­däre Wer­be­tafel des Freu­den­hauses, das es bereits seit 1997 nicht mehr gibt! Die Anzei­ge­tafel, an Spiel­tagen mit Leiter und Greif­haken von der puber­tie­renden Prä­si­den­ten­tochter bedient! Und so weiter. Das alles wirkt so ein­la­dend wie früher die Kaffee- und Kuchen­nach­mit­tage bei der Lieb­lingsoma. Immer wieder schön, hier zu sein.