Seite 2: „Natürlich vermisse ich Frankfurt“

Bei aller Treue zu Ein­tracht Frank­furt: Sie hatten von Ita­lien und von Juventus Turin geträumt.
Ich hatte auch die Mög­lich­keit, in dieser Zeit zu Juventus Turin zu gehen und habe einige Male mit den Mana­gern gespro­chen. Natür­lich wollte ich da nicht nach Grie­chen­land, son­dern nach Ita­lien. Aber Juventus Turin hat weniger Geld geboten. Das war mein Traum, der leider nicht Erfül­lung ging, weil das Geld die grö­ßere Rolle gespielt hat. Das war eine sehr schwere Sache für mich und hat sehr weh­getan.

Also stand nicht Ihre Treue, son­dern die Politik im Weg?
So ein­fach ist das nicht. Ich denke, Kalli Feld­kamp hat auch gewusst, dass es in dieser Zeit und mit diesen Schulden gar nicht anders ging, als mich zu ver­kaufen. Aber ich habe sehr schöne Erin­ne­rungen, es war eine tolle Zeit bei der Ein­tracht. Kalli und ich haben uns dann auch 1991 beim Freund­schafts­spiel Ungarn gegen Deutsch­land getroffen und gespro­chen.

Vom Poten­zial und Talent her hätten Sie sich einen großen Verein aber ohne Zweifel zuge­traut.
Ja, natür­lich. Als ich in Bologna gespielt habe, war ich in dieser Zeit einer der besten Aus­länder in der Liga. Ich hätte mir Juventus Turin, AC Mai­land oder Inter zuge­traut.

Haben Sie den dama­ligen Wechsel nach Grie­chen­land bereut?
Viele haben diese Frage gestellt, ob ich froh oder unzu­frieden mit meiner Kar­riere bin. Da kann man nur phi­lo­so­phieren und spe­ku­lieren. Das war auch nicht meine Ent­schei­dung. In dieser Zeit hat mich nie­mand gefragt. Ich konnte nicht machen, was ich wollte. Aber ich denke, ich bin glück­lich und mit mir im Reinen. Natür­lich, mit ein biss­chen Glück hätte alles eine andere Wen­dung nehmen können.

Bli­cken Sie manchmal weh­mütig gen Frank­furt?
Ja, natür­lich ver­misse ich Frank­furt. Vor viel­leicht einem halben Jahr war ich in Frank­furt im Sta­dion. Das unga­ri­sche Fern­sehen hat da ein Inter­view mit mir gemacht. Mit Charly Körbel war ich auf dem Zimmer, er hat mir viel geholfen, aber auch mit Smo­larek oder Möller war das Ver­hältnis sehr gut. Daran erin­nert man sich gerne. Vor kurzem hat Charly ange­rufen und wollte mich zur Tra­di­ti­onself ein­laden. Aber wir hatten leider ein Meis­ter­schafts­spiel. Wir tele­fo­nieren regel­mäßig und bleiben in Kon­takt.

Nach der gol­denen Mann­schaft um Puskas sorgte der unga­ri­sche Fuß­ball bis in die Gegen­wart kaum für posi­tive Schlag­zeilen. Warum?
Nach Puskas war es vielen großen unga­ri­schen Spie­lern ver­sagt geblieben, bei einem großen Verein im Aus­land zu spielen. Im Moment schafft es keiner, weil die Spieler ein­fach nicht stark genug sind. Wir haben Talente, die jedoch leider nur in kleinen Ver­einen spielen. Wir brau­chen Spieler bei Chelsea oder AC Mai­land. Aber seit 50 Jahren ist nichts pas­siert. Stellen Sie sich vor: Wir waren 1986 zum letzten Mal bei der WM in Mexiko dabei. Danach wir hatten wir nie­mals nur die kleinste Chance, uns zu qua­li­fi­zieren. Und der Abstand ist noch größer geworden.

Was muss denn pas­sieren, um den unga­ri­schen Fuß­ball aus dem Dorn­rös­chen­schlaf zu wecken?
(holt tief Luft) Ooooh, wir haben im unga­ri­schen Fuß­ball viele Pro­bleme, sowohl finan­ziell als auch in der ganzen Kon­struk­tion und Basis. Wir brau­chen ein Kon­zept, dass über zehn bis fünf­zehn Jahre ange­legt ist, das anfängt, mit den jungen Spie­lern zu arbeiten, auf sie setzt. Dafür brau­chen wir aber ein fähiges Kol­le­gium, mehr Sport­plätze, gute Trainer, die auch Aus­lands­er­fah­rung haben, die viele Spra­chen spre­chen. Ungarn ist nicht stehen geblieben, son­dern noch die Treppe runter gegangen. Jaja, wir haben viele Pro­bleme.

Ganz Ungarn hat große Sehn­sucht nach gutem Fuß­ball.

Ja, natür­lich. Aber, ein großes Pro­blem ist auch, dass wir nur über unsere gol­dene Mann­schaft spre­chen. Und weil wir nur über sie spre­chen, sie als Maß­stab nehmen, haben wir dabei die Gegen­wart und Zukunft ver­gessen. Natür­lich sind wir sehr stolz: Das sind Helden, die eine große Bedeu­tung für unser Land haben. Aber diese Zeit ist vorbei, wir müssen nach vorne schauen, was aber seit 50 Jahren nicht pas­siert ist.

Wann qua­li­fi­ziert sich Ungarn denn nun mal wieder für ein großes Tur­nier?
(Holt noch tiefer Luft) Puuuh, das ist sehr schwer zu beant­worten. Ich bin natür­lich Opti­mist, aber muss auch Rea­list sein. Gerade heute sind die Qua­li­fi­ka­tionen so schwer geworden. Länder wie Rumä­nien, Polen, Ukraine haben super Mann­schaften. Und diese Länder und Ver­bände haben auch Pro­bleme.… Wir können im Moment nur träumen. Ein Freund und ich machen schon immer den Spaß, dass ich wohl der Letzte sein werde, der für Ungarn ein Tor bei einer WM geschossen hat. Aber so möchte ich nicht sterben. Viel­leicht kommt doch noch einmal dieser Tag.


HIN­WEIS: Dieses Inter­view wurde bereits im Jahr 2007 geführt. Zuletzt arbei­tete Lajos Detari als Trainer bei Feren­cváros Buda­pest.