Lajos Detari, was bedeutet Ihnen der Fuß­ball noch?
Fuß­ball ist alles, ich habe mit sechs Jahren angefangen,ich bin bis heute Trainer. Mein ganzes Leben ist Fuß­ball.

Warum gerade Fuß­ball?
Ich fing an, weil wir in Buda­pest direkt neben einem Fuß­ball­platz wohnten, um den herum auch viele Kinder lebten. Wir haben jede freie Minute nur Fuß­ball gespielt. Da Ungarn zu dieser Zeit ganz arm war, haben wir jeden Tag sechs bis sieben Stunden Fuß­ball gespielt.

Mit zwölf Jahren kamen Sie in die Kader­schmiede von Honved Buda­pest, stiegen in die erste Mann­schaft auf und wech­selten 1987 zu Ein­tracht Frank­furt. Wann war der Gedanke in Ihnen gereift, ins Aus­land zu wech­seln?
Ich durch­lief alle Nach­wuchs­mann­schaften, war 1981 oben ange­kommen und habe das erste Mal mit der ersten Mann­schaft gespielt. Wir wurden drei Mal unga­ri­scher Meister, ich wurde Tor­schüt­zen­könig, Natio­nal­spieler, und der unga­ri­sche Ver­band hatte die Idee, die jungen Spieler viel­leicht ins Aus­land gehen zu lassen, damit wir wieder eine starke Natio­nal­mann­schaft bekommen.

Es sollen ja meh­rere euro­päi­sche Ver­eine inter­es­siert gewesen sein. Warum ent­schieden Sie sich gerade Frank­furt?

Darauf hatte ich gar keinen Ein­fluss. Ich weiß es nicht. Alle Gespräche liefen hinter meinem Rücken, ich war nur ein Spieler, und der unga­ri­sche Ver­band hat das alles bestimmt. Ich weiß nicht, ob es andere Mög­lich­keiten gab, viel­leicht nach Monaco oder sogar Bar­ce­lona zu gehen. Aber der Ver­band hat das mit Frank­furt gedreht. Und damit war ich sehr glück­lich, weil die Bun­des­liga zu der Zeit eine der stärksten Ligen der Welt war.

Sie hatten Anlauf­schwie­rig­keiten. Die Mann­schaft steckte tief im Tabel­len­keller, sie spielten nicht gut und gerieten schnell ins Kreuz­feuer der öffent­li­chen Kritik. Wie schwer waren diese ersten Monate für Sie per­sön­lich?
Das war eine sehr schwere Zeit. Es war damals so ein großer Sprung aus dem armen Ungarn in eines der reichsten Länder der Welt zu kommen. Ich war noch sehr jung, 24 Jahre, kam aus einem anderen Land, sprach nicht deutsch, habe eine andere Men­ta­lität. Ich brauchte ein­fach Zeit. Mit dem Trai­ning habe ich kein Pro­blem gehabt. Es ist nicht so, dass wir bei Honved keinen Fuß­ball gespielt haben (lacht).

Gab es Tage, an denen das Heimweh so groß war, dass Sie nur nach Hause wollten?
Nein, wenn es schlecht läuft, gehe ich doch nicht ein­fach nach hause. Das ist nicht unsere Men­ta­lität. An schlechten Tagen habe ich viel mit István Sztani (floh nach dem unga­ri­schen Volks­auf­tand und wurde 1959 mit der Ein­tracht Deut­scher Meister, Anm d. Red.) gespro­chen. Er hat mir ein­fach gesagt: Du musst noch mehr arbeiten, um das zu ändern, hab Geduld, bleib ruhig, deine Zeit wird kommen. Du lernst Deutsch, und du wirst gut spielen.“ Aber auch Kalli Feld­kamp, Wolf­gang Kraus (dama­liger Manager, Anm. d. Red.) und Charly Körbel waren immer für mich da.

Gab es einen Zeit­punkt, von dem an Sie sich in Frank­furt richtig wohl gefühlt haben?
Im Januar 1988 hatten wir in Frank­furt ein Hal­len­tur­nier, und ich spiele sehr, sehr gerne in der Halle. Dort ist es super gegangen, wir haben richtig gezau­bert, die ganze Halle hat getobt. Da merkte ich, dass ich dazu­ge­höre und ein Teil von Ein­tracht Frank­furt bin.

In den Punkt­spielen taten sich die Mann­schaft und auch Sie selbst sehr lange schwer.
Es war ein sehr schwie­riges Jahr für uns, aber der letzte Teil war sehr schön. Wir haben uns unten her­aus­ge­spielt und gegen Bochum den Pokal gewonnen.

Durch Ihr ent­schei­dendes Frei­stoßtor. Träumen Sie auch heute noch davon?
Na klar, so etwas kannst du nicht ver­gessen. Aus Frei­stössen habe ich viele Tore gemacht. Das war eine gute Situa­tion und ein wich­tiges Tor. Aber viel unglaub­li­cher war, dass 30000 Fans aus Frank­furt mit im Sta­dion waren, ein tolles Erlebnis.

Sie waren wohl einer der ersten Bun­des­liga-Spieler mit bunten Fuß­ball­schuhen. Warum trugen Sie im Finale die schwarzen Töppen?
(schmun­zelt) Ja, ich hatte einen Ver­trag mit Puma, und die haben mir die bereit­ge­stellt. Sie waren in den unga­ri­schen Lan­des­farben gehalten. Viel­leicht war ich der erste, mit bunten Schuhen. Und vor dem Finale war das nicht so ein­fach. Sie müssen wissen, ein Fuß­ball­spieler hat manchmal einen Klaps. Man fängt an zu zwei­feln, ist aber­gläu­bisch und denkt, mit den alten Schuhe geht’s besser… Zum Glück ist es gut gegangen (lacht).

Sie waren Held in Frank­furt – sind es heute noch. Warum ver­ließen Sie die Ein­tracht nach nur einer Saison?

Ich wollte eigent­lich nicht weg. Die Zeit bei der Ein­tracht war sehr schön. Natür­lich habe ich gehört, dass einige Ver­eine Inter­esse gezeigt haben, aber da war auch viel Politik im Spiel. Ich war ja nicht einmal defi­nitiv ver­kauft an Frank­furt, son­dern nur vom Ver­band aus­ge­liehen. Ein­tracht hatte in dieser Zeit auch viele Schulden, gerade beim Eis­ho­ckey. Und das war für den Verein ganz ein­fach auch eine gute Mög­lich­keit, mich zu ver­kaufen, um an fri­sches Geld zu gelangen. Am Ende waren es 17 Mil­lionen Mark… Das war ein super Geschäft für den unga­ri­schen Ver­band und den Sport­mi­nister, die sagten: Wir möchten, dass du nach Grie­chen­land gehst.“

Wann haben sie erfahren, dass sie zu Olym­piakos Piräus gehen sollten?

Ich habe gewusst, dass sich Olym­piakos, das unga­ri­sche Sport­mi­nis­te­rium und Ein­tracht Frank­furt trafen und über mich gespro­chen hatten.