So gewann Augsburg in Frankfurt

Schmidteinander

Erstes Spiel, erster Sieg: Hier kommen fünf Gründe, warum Martin Schmidts Einstand beim FC Augsburg geglückt ist. Und warum Eintracht Frankfurt dabei gar nicht gut aussah.

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Der FC Schalke, der VfB Stuttgart, Hannover 96, der 1. FC Nürnberg und der FC Augsburg: Das sind die fünf Klubs, die in dieser Saison um den Klassenerhalt bangen müssen. Vier dieser fünf Teams haben den Joker Trainerentlassung schon vor einiger Zeit gezogen. Der FC Augsburg hielt immerhin 28 Spieltage durch. Doch vergangene Woche trennten auch sie sich von ihrem Übungsleiter Manuel Baum.

Martin Schmidt soll die erhoffte Wende bringen. Der Schweizer war einst in Mainz äußerst erfolgreich, in Wolfsburg später weniger. Sein Debüt erinnerte eher an die früheren Tage: Mit 3:1 gewann der FC Augsburg. Und das nicht gegen irgendwen, sondern gegen Eintracht Frankfurt, Mannschaft der Stunde und 2019 noch ungeschlagen. Wie gelang Schmidt dieses Kunststück? Fünf Gründe, warum Augsburg bereits im ersten Spiel unter dem neuen Trainer eine krasse Leistungssteigerung erzielt hat.

1. Simpel, aber stabil
Manuel Baum gilt als ausgewiesener Taktikfuchs. Doch zuletzt überforderte er seine Spieler mit ausgefeilten Matchplänen und mehreren Umstellungen während einer Halbzeit. Verteidiger Jeffrey Gouweleeuw kritisierte Baum nach dem 0:4 gegen Hoffenheim recht deutlich: »Wir hatten von Anfang an keine Ahnung, was wir machen. Ich hatte auf dem Platz nie das Gefühl, dass wir etwas erreichen können.«

Schmidt mag ein ebenso guter Taktikexperte sein wie Baum. Sein Fußball ist jedoch simpler. Eine klare Spielidee, feste Abläufe, wenige Formationswechsel: So taktierte er in Mainz und Wolfsburg – und so ging er auch sein Debüt in Augsburg an. Er stellte sein Team in einem 4-1-4-1-System auf, jeder Spieler kannte seine Aufgabe und Rolle. 

Schmidt dürfte geholfen haben, dass die Spieler dieses System noch aus den erfolgreichen Tagen unter dem früheren Erfolgscoach Markus Weinzierl kannten. Gerade Daniel Baier fühlte sich im neuen, alten System wohl. Der Kapitän führte eine Rolle aus, die man von ihm diese Saison nur selten zu sehen bekam: die des unermüdlichen Antreibers aus der Zentrale.

2. Mehr Raum-, weniger Mannorientierung
Schmidts Fußball unterscheidet sich in einem gewichtigen Aspekt von dem seines Vorgängers: Baum wechselte Formation und System derart häufig, damit sein Team im Mann-gegen-Mann den Gegner verteidigen kann. Schmidts Ansatz sieht ein stärker raumorientiertes Verschieben vor. Die Viererketten sollen die Breite des Raums abdecken, Zugriff soll nur erzeugt werden, wenn die gesamte Mannschaft ins Pressing aufrückt.

Diese andere Art der Verteidigung haben die Spieler schnell verinnerlicht. Die beiden Viererketten hielten gut die Abstände. Gerade nach langen Bällen reagierte die neu formierte Doppelacht aus Ja-Cheol Koo und Michael Gregoritsch gut. Sie arbeiteten nach hinten mit und halfen, zweite Bälle zu erobern. Damit neutralisierte Mainz eine wichtige Angriffsstrategie der Frankfurter.

3. Tororientierte Außenstürmer
Die Taktik unter Baum forcierte Durchbrüche über die Außen. Die Außenverteidiger sollten weit vorrücken und mit den Außenstürmern kombinieren. Von dort sollte der Ball hoch in den Strafraum geschlagen werden. Rund 16 Prozent der Augsburger Pässe dieser Saison werden lang geschlagen (zweithöchster Wert der Liga nach Düsseldorf), knapp 5 Prozent sind Flanken (dritthöchster Wert nach Stuttgart und Mainz).

Gegen Frankfurt setzte Schmidt seine Außenspieler auf andere Art ein. Zwar forcierte der FCA noch immer Durchbrüche über die Flügel. Von dort sollte der Ball aber flach in den Strafraum gespielt werden. Die Außenstürmer Marco Richter und Andre Hahn agierten enorm tororientiert und sorgten für Präsenz im Strafraum. Vor allem Richter überzeugte als Rechtsfuß auf der Linksaußen-Position. Seine beiden Tore brachten Augsburg auf die Siegerstraße.