Seite 3: Augen auf bei der Farbenwahl!

Außerdem ist der an Fuß­ball inter­es­sierte Ame­ri­kaner ein kom­pli­ziertes Wesen. Wir kennen Klubs nur als Fran­chise-Unter­nehmen und sind daran gewöhnt, dass das Live-Erlebnis durch­kom­mer­zia­li­siert ist – von hohen Ticket­preisen über Bier in 700-ml-Dosen für 15 Dollar und gigan­ti­schen Pop­corn-Bechern bis zu dröh­nender Beschal­lung. (Vor dem Spiel zwi­schen Dort­mund und Ben­fica lief nicht etwa You’ll Never Walk Alone“, son­dern Kern­kraft 400“ von Zombie Nation, eine beliebte Sta­di­on­hymne in den USA und Ein­lauf­musik der Pitts­burgh Stee­lers aus der NFL.) Dazu kommt die schon erwähnte Atmo­sphäre einer Fami­li­en­feier, mit Fans vieler ver­schie­dener Teams. Die Frage wird sein, ob es den deut­schen Klubs gelingt, deut­sche Fan­kultur nach Ame­rika zu bringen oder ob sie selbst bei dem Ver­such auf sub­tile Art ame­ri­ka­ni­siert werden.

Kon­takte knüpfen

Um dieser Falle zu ent­gehen, suchte sich der BVB die Städte gut aus, in denen er im Rahmen des soge­nannten Inter­na­tional Cham­pions Cup spielte. Dort­mund lehnte Toronto und Mont­real ab, wohin­gegen Pitts­burgh nicht nur des­halb inter­es­sant war, weil Pulisic aus der Nähe kommt. (Jeden­falls nach US-Maß­stäben. Sein Hei­matort Hershey ist 350 Kilo­meter ent­fernt.) Pitts­burgh gilt als Stahl­stadt, wie einst Dort­mund, und alle Sport­teams tragen hier Schwarz und Gold. Noch weiß der BVB nicht, ob er wie die Bayern ein Büro in den USA eröffnen soll. Doch wenn, sagt Cramer, dann wird das nicht in New York sein, son­dern eher an einem Ort wie Pitts­burgh. Wir kommen aus einer klei­neren Stadt“, erklärt er. Ein Büro in New York würde nicht zu der Geschichte passen, die wir erzählen.“

Neben einem Tür­öffner und einer guten Geschichte gibt es noch einen dritten Weg, um Ame­rika zu erobern: den Nach­wuchs­be­reich. Bayern, Schalke, Dort­mund und Mainz haben in den USA durch Trai­nings­camps für Jugend­liche – soge­nannte Clincis“ – Kon­takte auf­ge­baut. Es gibt Part­ner­schaften mit Leis­tungs­zen­tren und Aus­tausch­pro­gramme. Im letzten Oktober schickte Schalke Sam Farokhi, den Sport­li­chen Leiter der Knappen-Fuß­ball­schule, und einige seiner Mit­ar­beiter nach Pitts­burgh. Sie lei­teten Trai­nings­ein­heiten und nahmen PR-Ter­mine wahr, weil Schalke kurz zuvor eine Part­ner­schaft mit dem Zweit­li­gisten Pitts­burgh Riv­er­hounds ein­ge­gangen war. (Obwohl auch die Riv­er­hounds Schwarz und Gold tragen!)

Weg vom Kon­so­len­sport

Alex­ander Jobst, Vor­stand Mar­ke­ting beim FC Schalke, ver­weist auf die viel gelobte Nach­wuchs­ar­beit seines Klubs und sagt: Wir wollen etwas davon in die USA bringen.“ Des­wegen ging Schalke im Mai eine Koope­ra­tion mit Kick It!“ ein, der größten Drei-gegen-Drei-Tur­nier­serie in den USA. In einem Land, in dem sehr viele Jugend­liche vor allem durch Spiel­kon­solen in Kon­takt mit Fuß­ball kommen (was erklärt, warum das Büro des FC Bayern in New York sich sehr um digi­tale Inhalte küm­mert), bringt Kick It!“ ame­ri­ka­ni­sche Kinder dazu, tat­säch­lich vor einen Ball zu treten. Durch diese Part­ner­schaft kann Schalke, sagt Jobst, direkten Kon­takt zu 30 000 Kids her­stellen und alles in allem bis zu 400 000 junge Ame­ri­kaner errei­chen. Bei der Vor­stel­lung der Koope­ra­tion sagte Jobst: Wir hoffen, dass diese Kinder und ihre Fami­lien von nun an Schalke unter­stützen und dass wir ihr Lieb­lings­klub in der Bun­des­liga werden.“