Es ist aus ver­schie­denen Gründen äußerst gewinn­brin­gend, noch einmal Nick Hornbys erstes Buch Fever Pitch“ zu lesen. Einer­seits ist es gerade end­lich in einer ver­nünf­tigen Neu­über­set­zung erschienen. Dann merkt man bei der Lek­türe des vor 20 Jahren erst­mals erschienen Klas­si­kers, wie gewaltig sich das Spiel seither ver­än­dert hat.

Aber man stellt auch fest, dass es immer noch Kon­stanten gibt. Dazu gehört nicht zuletzt Hornbys Fest­stel­lung: Der natür­liche Zustand eines Fuß­ball­fans ist bit­tere Ent­täu­schung, egal wie es gerade steht“. Doch er beschreibt auch eine kurze Zeit im Jahr, in der das nicht gilt. Dann näm­lich regiert ein Gefühl, das er sinn­losen Opti­mismus“ nennt. Und dessen hohe Zeit ist jetzt.

Neun Punkte aus den ersten drei Spielen?

Wochen­lang haben wir auf­merksam die Akti­vi­täten unserer Klubs auf dem Trans­fer­markt ver­folgt und danach die Nach­richten aus den Trai­nings­la­gern. Schon da hat sich ein vages Gefühl der Vor­freude ein­ge­stellt, das sich ange­sichts der Test­spiele noch ver­fes­tigt hat. Der müde 2:1‑Sieg gegen einen Lan­des­li­gisten hat uns natür­lich nicht irri­tiert, denn da hatten unsere Jungs schwere Beine. Das Unent­schieden gegen einen nie­der­län­di­schen Zweit­li­gisten war den inter­es­santen tak­ti­schen Expe­ri­menten unseres eben doch ver­dammt cle­veren Trai­ners geschuldet. Und die glatte Pleite gegen ein Team aus der Pre­mier League macht uns erst richtig froh, denn eine gran­diose Pre­miere folgt nur auf eine richtig schlechte Gene­ral­probe.

Beim Blick auf den neuen Ter­min­plan haben wir daher auch neun Punkte aus den ersten drei Spielen über­schlagen und dann den wich­tigen Aus­wärts­punkt beim FC Bayern ein­ge­plant. Mit der ersten Nie­der­lage ist sowieso nicht vor dem kalen­da­ri­schen Win­ter­be­ginn zu rechnen, wenn über­haupt. Also haben wir uns doch eine neue Jah­res­karte gekauft, dazu noch das aktu­elle Trikot und es mit dem Namen des tollen Neu­ein­kaufs beflo­cken lassen.

Das Land brummt vor Opti­mismus

Es ist herr­lich, wie das ganze Land vor Opti­mismus brummt. Und wir reden hier nicht nur vom FC Bayern, der mit dem besten Trainer der Welt und unfass­baren Neu­zu­gängen wie Mario Götze oder Thiago Alcan­tara auf Jahre unschlagbar sein wird. Was natür­lich auch für den BVB gilt, der trotz des Abgangs von Mario Götze noch stärker, noch weniger aus­re­chenbar, fle­xi­bler und über­haupt geworden ist.

Und Leute: Schalke erst einmal! Julian Draxler ist geblieben und wird im nächsten Jahr zum Welt­fuß­baller des Jahres“ neben all den von Horst Heldt aber so was von sagen­haft per Aus­stiegs­klau­seln zu Schalke geholten Super­ta­lenten eine Gol­dene Ära, ach was, DIE GOL­DENE ÄRA ein­läuten. Beim SV Werder wird Robin Dutt end­lich die Flut der Gegen­tore stoppen, und weil sie vorne die Dinger unge­fähr so eifrig machen wie im Vor­jahr, geht es rake­ten­artig nach oben. Wie auch beim VfB Stutt­gart oder in Glad­bach, die ja beide so was von genau die bis­lang feh­lenden Spieler ein­ge­kauft haben!

Das Phantom“ Mintal

Hof­fen­heim hin­gegen ist end­lich bei sich und zum eigenen Kon­zept und zu den guten alten Hof­fen­heim zurück­ge­kehrt, dass bald die Redak­tion von Psy­cho­logie heute“ anrü­cken und das alles ordent­lich erklären wird. Nürn­berg übri­gens hat nach Jahren end­lich den Nach­folger für Marek Das Phantom“ Mintal gefunden, Daniel Gin­c­zeck! Kennt ihr nicht? Ihr werdet Euch noch wun­dern! Und wie clever Frei­burg die ganzen Abgänge ersetzt hat und Hertha natür­lich nie mehr ein Fahr­stuhl­team sein wird, und…

Je länger man schreibt, um so herr­li­cher wird es. Die Saison 2013/14 wird drei bis vier Deut­sche Meister haben, zehn Teil­nehmer am Uefa-Cup und keinen Absteiger. Nur ein Bun­des­li­ga­verein tanzt etwas aus der Reihe. Beim Ham­burger SV bekommen sie nicht mal in der Som­mer­pause sinn­losen Opti­mismus hin. Lieber gei­ßelt man den Vor­stand wegen über­zo­gener Anspruchs­hal­tung, weil der Klub doch sparen muss und auf­grund plötz­li­cher Armut nur noch Spieler aus der Bezirks­liga Hol­stein-West (so jeden­falls ist der Ein­druck) ver­pflichten kann.

Uwe Seeler ist schon wieder in Sorge

Deren Namen werden umweglos aus dem Auf­sichtsrat an befreun­dete Jour­na­listen wei­ter­ge­geben, die den Auf­sichtsrat dafür kri­ti­sieren, dass nichts geheim bleibt. Uwe Seeler ist auch schon wieder in Sorge. Obwohl: Wenn man sich den Tri­umph im Nordcup am ver­gan­genen Wochen­ende gegen Braun­schweig und Kopen­hagen anschaut – ver­dammt gute Früh­form!

Wäh­rend sich die Fans von Erst­li­gisten noch länger dem Gefühl hin­geben dürfen, dass die kom­mende Spiel­zeit ein­fach nur gut, end­lich wieder gut oder so gut wie nie wird, laufen die Tage der Gnade für Anhänger von Klubs in der zweiten und dritten Liga gerade ab. Am Freitag beginnt die neue Saison und ganz langsam schlei­chen sich von hinten böse Gedanken an: Das wird nichts.“ Oder auch: Das wird doch wieder nichts!“ Oder gar: Das wird doch nie was!!“

Der Zustand bit­terer Ent­täu­schung, er ist nur noch wenige Tage ent­fernt.