Seite 3: Warum junge Fans nicht mehr ins Stadion gehen

Jon Darch, der seit Jahren mit einer Mini-Stahl­röhren-Tri­büne quer durch das Land reist, um für die Rail Seats“ zu werben, glaubt, dass es nun bald so weit sein könnte. Dass die Politik ihre grund­sätz­liche Bereit­schaft signa­li­siert, das Thema neu zu beur­teilen, führt er auf die Arbeit der FSF zurück – es zeigt, dass sie den Druck spüren“.

Und der kommt heute nicht mehr nur“ von den Fans, son­dern auch von den Klubs und den Ligen. Denn die begreifen all­mäh­lich, dass die Sitz­vor­schrift in Kom­bi­na­tion mit teuren Ein­tritts­karten eine junge Genera­tion von Fuß­ball­fans aus den Sta­dien ver­trieben hat.

Eng­li­scher Fuß­ball ist jungen Fans zu teuer

Zum ersten Mal hat die BBC“ in der ver­gan­genen Saison im Rahmen ihrer jähr­li­chen Price of Football“-Studie zusätz­lich eine Umfrage unter jungen Erwach­senen durch­ge­führt. Kon­kret hat sie 1000 Fans zwi­schen 18 und 24 Jahren befragt. Vier von fünf (82 Pro­zent) gaben dabei an, wegen zu teurer Ein­tritts­preise nur noch selten ins Sta­dion zu gehen – wenn über­haupt.

Aus den Sta­tis­tiken der Pre­mier League geht außerdem hervor, dass in der Saison 2017/18 gerade mal vier Pro­zent der neu ver­kauften Dau­er­karten an junge Erwach­sene gingen. Das durch­schnitt­liche Alter derer, die in den Sta­dien saßen, lag dem­nach bei 41 Jahren.

Die Pre­mier League braucht neue Zuschauer

Noch muss das Klubs und Liga nicht nervös machen: Die Sta­dien sind voll, die Aus­las­tung lag in der abge­lau­fenen Saison im dritten Jahr in Folge bei mehr als 96 Pro­zent. Für die Pre­mier-League-Klubs sind die Ein­nahmen an den Dreh­kreuzen ohnehin zu einem Taschen­geld ver­küm­mert. Das große Geld kommt längst aus der TV-Ver­mark­tung; bei man­chen Klubs macht das Fern­seh­geld heute um die 70 Pro­zent der gesamten Ein­nahmen aus.

Ein Pro­blem könnte es aber auf lange Sicht werden. Denn ob eine Genera­tion von Fans, die nicht mehr mit der Gewohn­heit auf­wächst, den Fuß­ball im Sta­dion zu erleben, zur nächsten Genera­tion der Dau­er­kar­ten­in­haber her­an­wächst, ist min­des­tens zwei­fel­haft. Und die Pre­mier League benutzt die angeb­lich so berau­schende Atmo­sphäre in ihren Sta­dien zur welt­weiten Ver­mark­tung ihres Pre­mium-Pro­duktes – muss nun aber ein­sehen, dass die in Wirk­lich­keit oft anders ist.

Ein Schub für Eng­lands Fan­kultur

Und nun wirkt es so, als könnten Steh­plätze in den eng­li­schen Fuß­ball zurück­kehren. Ob damit die Ticket­preise sinken würden, muss bezwei­felt werden: In Schott­land, wo der Celtic FC solche Plätze bereits vor zwei Jahren ein­ge­führt hat, ist die Nach­frage bei den Fans rie­sen­groß – und die bestimmt bekannt­lich den Preis. Aber es würde den Sta­di­on­be­such für viele wieder attrak­tiver machen.

Eng­land hat die Chance, seiner oft­mals etwas dösigen Fan­kultur einen gewal­tigen Schub zu ver­leihen. Und dazu braucht es nur ein paar Klapp­sitze – so banal das auch klingen mag.