Der Supi­na­tions-Außen­ro­ta­tions-Bruch zum Bei­spiel, ein Klas­siker. Wenn der kommt, ist es dahin, das Sprung­ge­lenk. Der Trainer muss reagieren, weil er das ja immer muss, ist schließ­lich sein Job: reagieren. Und dann wech­selt er aus. Und ein. Ein Sisy­phos auf grünem Rasen. Immer und immer bemüht, den Ball gegen die Erwar­tungen hinauf ins Glück zu schieben und ins Tor hinein. 

Manchmal wech­selt er auch ein­fach so, aus purer Ver­zweif­lung, weil: irgendwas muss er ja tun. Er hat zwar keine Ahnung, wes­halb sein Team jetzt mit 1:5 zurück­liegt, der Match­plan, die Spiel­vor­be­rei­tung, die Mann­schafts­an­sprache – war alles super. Aber ist eh egal jetzt, ein­fach nochmal wech­seln. Kann nicht schaden. Dann hat man immerhin alles ver­sucht und kann vor allem hin­terher sagen: Wir haben alles ver­sucht.“

Nix bewirkt, alles richtig gemacht

Hin und wieder ergeben Wechsel sogar Sinn. Wenn man eine Füh­rung über die Zeit bringen muss und die wie ein Mai­käfer pum­pende Spiel­ma­cher-Diva eh nur noch abwin­kend den Umkreis des Mit­tel­kreises ver­misst. Oder aber wenn nur noch langes Holz hilft, und dafür aber jemand seinen Schädel hin­halten muss. Am besten einer, der zwar nix in den Füßen hat, aber eben in den Kno­chen. Irgend­soein Kör­per­gi­gant, dessen ein­zige Bega­bung sich in Zen­ti­me­tern misst.

Neu im Wechsel-Plan­spiel hin­gegen ist das, was Lee Johnson am Wochen­ende mit seinem Stürmer Matty Taylor gemacht hat. Der kam beim Stand von 0:1 gegen die abso­luten Außen­seiter von Preston North End in die Partie, bewirkte nichts, denn das Spiel ging mit 0:1 zu Ende, und hatte doch alles richtig gemacht. 

So genial wie durch­schaubar

Zumin­dest dann, wenn man seinem Trainer glaubt, der die Ein­wechs­lung Tay­lors wie folgt begrün­dete: Die Fans haben einen Gesang für ihn.“ Der offen­sicht­liche Hin­ter­ge­danke ist so genial wie durch­schaubar. Ehe die Fans anfangen, ihren Unmut in die Welt zu pfeifen, oder schlimmer noch, ihren Zorn gegen ihn, den Trainer, richten, gebe man ihnen eine Beschäf­ti­gung. 

Wel­chen Song Lee Johnson im Hin­ter­kopf hatte, ist leider nicht bekannt. Es gibt ein paar Chants zu Ehren des Stür­mers, der mal zwei Spiele für das C‑Team Eng­lands absol­viert hat. (Was immer das ist, das C‑Team Eng­lands.) Die meisten Songs sind nicht gerade nett und auf der wun­der­li­chen Seite ter​racechants​.me​.uk nach­zu­lesen. Oder sie sind nett und machen trotzdem Angst und Bange. So wie dieser hier: 

Der Inhalt dieses Liedes“ („Sie sagten, wie könnten ihn nicht haben..“) sollte Coach Johnson immerhin geläufig sein, schließ­lich hatte ihm der im Sommer 2017 gefasste Ent­schluss, Matty Taylor vom Stadt­ri­valen Bristol Rovers zu ver­pflichten, jede Menge Ärger ein­ge­brockt. Die Anfein­dungen ob des Wech­sels gingen schließ­lich soweit, dass Johnson Mord­dro­hungen erhielt und mit­samt seiner Familie umziehen musste, nachdem seine Anschrift publik gemacht wurde.

Ob der Griff in die Trick­kiste funk­tio­niert hat, lässt sich leider nicht sagen. Die Infor­ma­tionen über die Fan­ge­sänge der etwas mehr als elf­tau­send Zuschauer im Ashton Gate zu Bristol sind leider spär­lich. 

Hof­fent­lich macht das Bei­spiel Schule

Immerhin eines lässt sich nach­voll­ziehen: Die Wechsel-Begrün­dung des Trai­ners war wohl eher als Scherz gemeint. Schließ­lich brachte er Taylor bereits in der 64. Minute. Was selbst für den pes­si­mis­tischsten Trainer zu früh wäre, um einen 0:1‑Rückstand als hoff­nungslos auf­zu­geben und nach Scha­dens­be­gren­zung zu gieren.

Aber das heißt ja nicht, dass die Ein­wechs­lung wegen Hoff­nung auf Fan­ge­sänge nicht bald Schule macht, Schule machen sollte. Denn am Ende ist gute Stim­mung auf den Rängen doch wert­voller als die paar Minuten Hoff­nung, die auf­kommen, wenn der Trainer mal wieder aus kom­pletter Ver­zweif­lung das Zen­ti­me­termaß her­vor­kramt und auf langes Holz hofft.