Das mit dem 1. FC Union und dem Coro­na­virus ist inzwi­schen eine ziem­lich ver­trackte Geschichte. In dieser Woche war das wieder gut zu beob­achten, als der Fuß­ball-Bun­des­li­gist aus Köpe­nick in den sozialen Medien um Zuschauer für das Test­spiel gegen Han­nover 96 warb – und damit die übli­chen bösen Reak­tionen her­vor­rief. Sinn­gemäß lau­tete der Tenor: Wie könnt ihr nur? Aus­ge­rechnet jetzt, da die Zahlen in Berlin rapide steigen und der Senat dras­ti­sche Maß­nahmen ergreift.

Der Ein­druck, dass Union das Virus nicht beson­ders ernst nimmt, hat sich schon ganz zu Beginn der Pan­demie auf­ge­drängt. Da beharrte Prä­si­dent Dirk Zingler darauf, dass das Heim­spiel gegen den FC Bayern Mün­chen selbst­ver­ständ­lich mit Zuschauern statt­finden werde. (Letzt­lich fand es lange über­haupt nicht statt, weil die Bun­des­liga eine neun­wö­chige Coro­na­pause ein­legen musste.) Kein anderer Bun­des­li­gist streitet auch so vehe­ment dafür, dass end­lich wieder Fans ins Sta­dion dürfen. Die offen­sive Zuschau­er­wer­bung für das Test­spiel gegen Han­nover 96 passte da ins Bild.

Recht­lich zu bean­standen ist das nicht. In Berlin dürfen bei Ver­an­stal­tungen im Freien, also auch Fuß­ball­spielen, bis zu 5000 Men­schen zuschauen – das gilt für jeden Ober­li­gisten genauso wie für den 1. FC Union. Und auch der Vor­wurf, dass die Fans des Klubs in den ver­gan­genen Wochen mit ihren Gesängen und Sprech­chören gegen die Ber­liner Infek­ti­ons­schutz­ver­ord­nung ver­stoßen haben, trifft nicht zu. Das geht aus der Ant­wort des Gesund­heits­amts Treptow-Köpe­nick hervor, die der Tages­spiegel nach sieben Tagen auf eine ent­spre­chende Anfrage erhalten hat.

In der Infek­ti­ons­schutz­ver­ord­nung heißt es: Fan-Gesänge und Sprech­chöre sind zu unter­lassen.“ Das war bei den beiden Bun­des­liga-Heim­spielen des 1. FC Union und bei einem Test­spiel gegen den 1. FC Nürn­berg nicht der Fall. Dass trotzdem kein Ver­stoß gegen die Ver­ord­nung vor­ge­legen hat, liegt an dem Nach­satz, den die bis­he­rige Fas­sung ent­halten hat: Die Schutz- und Hygie­nekon­zepte von Ver­an­stal­tungs­stätten können detail­lier­tere Rege­lungen treffen.“

Solche Rege­lungen gelten zum Bei­spiel bei Unions Spielen im Sta­dion an der Alten Förs­terei. Sie sehen zum Bei­spiel vor, dass die Zuschauer im gesamten Sta­dion einen Mund- und Nasen­schutz tragen müssen. Nur an den jeweils zuge­ord­neten und per­so­na­li­sierten Plätzen ist das nicht not­wendig, da dort ein Abstand von andert­halb Metern ein­ge­halten wird.

Ein der­ar­tiger Abstand sei sogar für das Chor­singen in geschlos­senen Räumen als wirk­samer Infek­ti­ons­schutz aner­kannt, schreibt das Gesund­heitsamt Treptow-Köpe­nick in seiner Ant­wort. Im Falle einer Frei­luft­ver­an­stal­tung mit glei­cher Abstands­regel ist das Infek­ti­ons­ri­siko durch gemein­sames Singen als deut­lich geringer ein­zu­schätzen und daher nicht zu bean­standen.“ Fan-Gesänge und Sprech­chöre hätten bei den Spielen des 1. FC Union daher nicht unter­sagt werden müssen.

Beim Gesund­heitsamt Char­lot­ten­burg-Wil­mers­dorf ist man in dieser Hin­sicht immer schon etwas vor­sich­tiger gewesen, weil eben erwiesen ist, dass sich Aero­sole beim Singen gewaltig ver­breiten“, wie Detlef Wagner, Char­lot­ten­burgs Bezirks­stadtrat für Soziales und Gesund­heit, auf Anfrage des Tages­spie­gels erklärt hat.