Was macht Joshua Kim­mich als Rechts­ver­tei­diger anders als Bene­dikt Höwedes? Oder hat er ein­fach nur davon pro­fi­tiert, dass die Nord­iren ohnehin nur kon­tern wollen? 

Kim­mich hat die Rolle des Rechts­ver­tei­di­gers wesent­lich offen­siver inter­pre­tiert als Höwedes. Der Schalker stand in den ersten Par­tien nur zwei, drei Meter tiefer – diese Meter können im modernen Fuß­ball aber einen großen Unter­schied machen. 

Kim­mich rückte häufig bis an die geg­ne­ri­sche Vie­rer­kette vor, war damit per­ma­nent in der Offen­sive zu finden. Er zog dabei durch seine hohe Posi­tion den geg­ne­ri­schen Außen­stürmer mit sich. Da auch Hector hoch agierte, befanden sich beide nord­iri­sche Außen­stürmer ständig auf der Höhe der eigenen Vie­rer­kette. Nord­ir­land stand dadurch meist im 6−3−1. Das öff­nete Räume für Deutsch­lands Mit­tel­feld. Zudem standen Hector und Kim­mich ständig bereit für Spiel­ver­la­ge­rungen. Mit dem etwas tiefer ste­henden Höwedes wäre dies nicht mög­lich gewesen.

Wahr ist aber auch: Gegen Nord­ir­land war die hohe Rolle von Kim­mich nicht nur not­wendig, um den Gegner nach hinten zu drängen; sie war auch mög­lich, weil Nord­ir­land keine Gefahr im Konter ver­sprühte. Man­ches Mal dachte Kim­mich sogar einen Tick zu offensiv und rückte im Pres­sing zu früh vor. Aller­dings bewies Kim­mich bereits bei den Bayern, dass er im Zweifel auch denken kann wie ein Ver­tei­diger. Er könnte die Rolle des Rechts­ver­tei­di­gers also durchaus balan­cierter aus­führen als gegen Nord­ir­land; das war in dieser Partie aber schlicht nicht not­wendig.

Prell­bock Mario Gomez – was ändert sich für das deut­sche Spiel, wenn man so einen Tank in der Mitte hat? 

Ein großes Pro­blem in den ersten deut­schen Par­tien war die feh­lende Tiefe im Spiel. Nie­mand bot sich an der letzten Linie oder im Straf­raum an. Deutsch­land musste daher häufig um die geg­ne­ri­sche For­ma­tion spielen, konnte aber selten den Pass oder die Flanke in die geg­ne­ri­sche For­ma­tion wagen. 

Das änderte sich mit Mario Gomez. Nicht nur fun­gierte er als Abnehmer für Flanken, er half auch spie­le­risch aus. Er pos­tierte sich an der letzten Linie und lei­tete Pässe mit dem Rücken zum Tor weiter. Meist benö­tigte er dafür nur einen Kon­takt. Deutsch­land konnte über Gomez das Spiel also schnell in die Mitte tragen. Nicht zufällig war Gomez nicht nur End‑, son­dern auch Aus­gangs­punkt vieler guter Angriffe.

Mario Götze und Thomas Müller agierten agil wie lange nicht mehr. Warum tauten die Beiden in diesem Spiel so auf?

Götze und Müller schienen in dieser Partie end­lich ihre pas­sende Rolle gefunden zu haben. Götze rieb sich als Stürmer oft in vor­derster Linie auf, bekam aber keine für ihn pas­senden Zuspiele. Als linker Außen­stürmer konnte er häufig in den linken Halb­raum rücken. Er bekam mehr Bälle, die er mit dem Blick zum Tor wei­ter­ver­ar­beiten konnte. Götze war sehr prä­sent als Ver­bin­dungs­mann zwi­schen linkem Flügel und Zen­trum.

Auf der rechten Seite über­nahm diese Rolle Mesut Özil. Das erlaubte Thomas Müller wie­derum, tor­ori­en­tierter zu agieren. In den ersten Spielen rieb er sich noch im rechten Halb­raum oder gar auf dem rechten Flügel auf. In dieser Partie star­tete er häu­figer in den Straf­raum und konnte seine unwi­der­steh­liche Dynamik ein­bringen. Einzig vor dem Tor blieb er glücklos.