Zu Beginn war Ham­burg stärker, Werder hatte ein paar Löcher in der Raute und konnte sich nicht aus der eigenen Hälfte befreien, doch diese bes­sere Anfangs­phase des HSV war bald vorbei. Die Mann­schaft von Thomas Schaaf posi­tio­nierte sich sche­ma­tisch höher und agierte offen­siver. Mit Hunt und Fritz in der Raute hatte man die nötige Qua­lität, um das Offen­siv­trio Arn­au­tovic, Pizarro und Marko Marin nicht nur spie­le­risch, son­dern auch läu­fe­risch zu unter­stützen.

Ham­burg ver­suchte sich mit einem lang­samen und gere­gelten Spiel­aufbau aus dem Klam­mer­griff des Bremer Pres­sings zu ent­winden, doch das schei­terte auf­grund ver­schie­dener Fak­toren. Einer­seits war HSV-Neu­ling Per Ciljan Skjelbred auf der rechten Seite nahezu aus dem Spiel genommen, wäh­rend Marcel Jansen links die Außen­bahn stur ent­lang lief, aller­dings im Eins gegen Eins mit dem defen­siv­starken Sokratis Pro­bleme hatte. Der Bewe­gungs­mangel von Mladen Petric sorgte dafür, dass Sturm­partner Paolo Guer­rero die ein­zige wirk­liche Anspiel­sta­tion in der Offen­sive war. Viel konnte er alleine aller­dings auch nicht anfangen, letzt­lich war Links­ver­tei­diger Dennis Aogo der auf­fäl­ligste Spieler der Ham­burger. Im Stich gelassen von seinen Offen­siv­spie­lern und seinem Pen­dant auf rechts, dem schwa­chen Michael Man­ci­enne, waren seine Flanken die meiste Zeit das ein­zige tak­ti­sche Mittel des HSV.

hsv

Spä­tes­tens ab der zweiten Halb­zeit war Bremen die ein­deutig stär­kere Mann­schaft, was sich ins­be­son­dere bei den vielen erfolg­rei­chen Zwei­kämpfen in dieser Sta­tistik (53,1% bei Spie­lende für Bremen) wider­spie­gelte. Das 1:0 fiel nach einem vom Pfosten abge­prallten Frei­stoß, als Pizarro am schnellsten reagierte und ein­köpfte – der Füh­rungs­treffer war ohnehin nur eine Frage der Zeit gewesen, bereits zuvor hatte der Peruaner getroffen, das Tor wurde aber aberkannt. Die wenigen Ham­burger Chancen (Oen­nings Mann­schaft hatte ins­ge­samt nur drei Tor­schüsse) konnte Bre­mens Tor­wart Tim Wiese ent­schärfen. Als in der 78. Minute aber­mals Pizarro traf, war das Spiel schließ­lich ent­schieden.

Die Raute: modern und fle­xibel

Ham­burg wird sich fragen müssen, wer die Schul­digen an der aktu­ellen Misere sind. Oen­ning scheint die Mann­schaft tak­tisch nicht ein­stellen zu können, Arne­sens Neu­ein­käufe ent­täu­schen bis­lang, auch die eta­blierten die Spieler zeigen kaum Sie­ges­willen. Ganz anders die Mann­schaft von Thomas Schaaf. Seine Mann­schaft übte die Raute modern und fle­xibel aus, wäh­rend die starken Außen­ver­tei­diger die nötige Breite ins Spiel brachte. Häu­fige Vor­stöße von Sokratis und Alek­sander Ign­jovski standen in per­fektem Ver­hältnis zur Arbeit von Cle­mens Fritz und Aaron Hunt A im Zen­trum. Ein­ziger Kri­tik­punkt: die Chan­cen­ver­wer­tung. Von 22 Tor­ver­su­chen kamen nur acht auf das Ham­burger Tor, Glück für Werder, einen Stürmer wie Claudio Pizarro im Team zu haben.

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