Mats Hum­mels. Ihr Kol­lege Kevin Groß­kreutz hat ange­kün­digt, sich bis zum end­gül­tigen Titel­ge­winn nicht mehr die Haare zu schneiden. Haben Sie ihn denn schon mit ein paar Haar­pfle­ge­tipps ver­sorgt?

Mats Hum­mels: Er macht das schon ganz gut. Der Trainer hat gesagt: Mit jedem Tag werden sie schöner. Ich glaube, da hat er recht behalten. Kevin ist wohl nicht hun­dert­pro­zentig glück­lich mit den Haaren, aber er hatte befürchtet, dass es schlimmer kommt.

Ihr Trainer Jürgen Klopp flippt an der Sei­ten­linie gerne mal aus. Kann er Sie mit seinen Gefühls­aus­brü­chen eigent­lich noch über­ra­schen?

Mats Hum­mels: Er über­rascht uns immer wieder. Aber ich finde, dass das dazu­ge­hört. Für mich ist das sen­sa­tio­nell, wenn er wie nach dem 3:2 gegen den 1. FC Köln in der Vor­saison über die Tri­büne stürmt – das sind Emo­tionen, die raus müssen. Darauf basiert der Fuß­ball: Dass wir und die Fans diese Lei­den­schaft gemeinsam leben. Er hat sie und bringt sie bei uns rüber. Und genau des­wegen soll er sie auch aus­leben.

Über­trägt sich Klopps Emo­tio­na­lität auch auf die Mann­schaft?

Mats Hum­mels: Ja, auf jeden Fall. Er ist einer, der den Fuß­ball unheim­lich lebt. Wegen Jürgen Klopp ist das wahr­schein­lich auch auf uns über­ge­sprungen. Jeder von uns trägt es zwar in sich, aber man kennt es ja, dass es nicht bei allen Mann­schaften so aus­sieht, als würden da elf Leute alles geben, was in ihnen steckt. Für uns ist es inzwi­schen normal, so lei­den­schaft­lich ins Spiel zu gehen.

Was in dieser Saison bei der Borussia auf­fält ist, dass sich die Ersatz­spieler erstaun­lich ruhig ver­halten. Die Bank vom BVB wirkt unglaub­lich fried­lich. Woran liegt das?

Mats Hum­mels: Es gibt gleich meh­rere Gründe. Ers­tens: Jeder der meckert, würde vom Trainer einen auf die Mütze bekommen, und das möchte man nicht. Zwei­tens: Wir sind erfolg­reich, jeder will Deut­scher Meister werden und des­halb möchte auch nie­mand der erste sein, der ein Stör­feuer legt. Drit­tens: Es gibt bis­lang eben wenig Gründe, um die Stamm­for­ma­tion groß durch­zu­wech­seln. Dafür spielen wir zu guten Fuß­ball. Und trotzdem ist die mann­schaft­liche Geschlos­sen­heit her­vor­ra­gend.

Als Sie zur Rück­runde 2008 zum BVB kamen, war das noch anders.

Mats Hum­mels: Das war eine kom­plett andere Zeit. Sport­lich lief es nicht, außer im Pokal­wett­be­werb. Dann war es für mich auch nicht so ein­fach, da ich leider erst im Nach­hinein gehört habe, dass Thomas Doll (dama­liger BVB-Trainer, d. Red.) nicht unbe­dingt mein größter Fan gewesen sein soll, als ich ver­pflichtet wurde. Ich hatte es also schwer. Als dann Jürgen Klopp kam, hat sich für mich per­sön­lich und für den Verein alles deut­lich ins Posi­tive ent­wi­ckelt.

Gegen Borussia Mön­chen­glad­bach waren am ver­gan­genen Wochen­ende 20.000 Dort­munder mit im Sta­dion…

Mats Hum­mels: Was das angeht, sind unsere Fans ein­malig.

…wann wird man Sie mal auf der legen­dären Süd­tri­büne sehen?

Mats Hum­mels: Das hatte ich tat­säch­lich schon einmal in Erwä­gung gezogen, aber wenn ich nicht auf dem Rasen stehe, begleitet mich meine Freundin ins Sta­dion – und die ist schwer davon zu über­zeugen, 90 Minuten lang auf der Süd zu stehen.

Für einen Tabel­len­führer ist die Saison auch psy­chisch eine ganz beson­dere Her­aus­for­de­rung. Schaffen Sie es, auch ein­fach mal abzu­schalten?

Mats Hum­mels: Ehr­lich gesagt, will ich das gar nicht. Unter der Woche gucke ich mir die Cham­pions League an, gerne auch noch einmal unsere Spiele vom Wochen­ende. Ansonsten spiele ich Play­sta­tion oder gehe ins Kino.

Apropos. Wie groß ist die Vor­freude auf die Cham­pions League?

Mats Hum­mels: Auf die Cham­pions League freue ich mich, seitdem wir wissen, dass es wahr­schein­lich für uns reicht. Die Cham­pions League in Dort­mund – das war mein Ziel, seit ich beim BVB spiele. Das habe ich damals natür­lich nicht offi­ziell gesagt, schließ­lich standen wir da auf Platz 13. Man hätte mich wohl für ver­rückt erklärt.

—-
Das Inter­view führten die Kol­legen des for­mi­da­blen Dort­munder Fan­ma­ga­zins Gib mich die Kir­sche“. Die kom­plette Ver­sion findet ihr auf www​.die​-kir​sche​.com