Heute Abend startet die erste Qua­li­fi­ka­ti­ons­runde der Cham­pions League mit Knal­ler­par­tien wie Pjunik Erewan (Arme­nien) gegen SS Folgore/​Falciano (San Marino) oder Lin­coln Red Imps FC (Gibraltar) gegen FC Santa Coloma (Andorra). Unser Autor Julius Müller-Mei­ningen hat sich 2011 mal ein sol­ches Spiel ange­schaut: Società Polispor­tiva Tre Fiori (San Marino) gegen Val­letta Foot­ball Club (Malta). Das ist sein Bericht:

Es ist 18 Uhr, noch zwei­ein­halb Stunden bis zum Anpfiff, und Altin steckt sich eine Ziga­rette an. Auch Nicola raucht auf der Bank neben dem Hotel­ein­gang noch eine. Man müsse vor sol­chen Spielen alte Gewohn­heiten pflegen, sagt der Kapitän und grinst. Der Mann­schaftsbus steht schon bereit, und Fabio Van­noni kommt aus seinem Zimmer her­unter. Wie alle Spieler trägt er kurze blaue Hosen und ein weißes T‑Shirt, doch als Ein­ziger hat er eine ver­spie­gelte Son­nen­brille auf und große Kopf­hörer.

Keine Kamera, kein Auto­gramm­jäger

Man hat Typen wie ihn schon oft gesehen, wenn sie kurz vor wich­tigen Fuß­ball­spielen in den Mann­schaftsbus ein­steigen. Stumme und kon­zen­trierte Profis, die sich von der Außen­welt abschirmen. Doch wovor schützt sich Fabio eigent­lich? Weit und breit filmt keine Kamera, kein Auto­gramm­jäger muss zurück­ge­halten werden, und kein Groupie kreischt, als er wie ein Pan­ther im Käfig unruhig vor dem Bus auf und ab läuft. Nur ein paar Vögel zwit­schern auf­ge­regt im Gebüsch gegen­über, und seine rau­chenden Mit­spieler machen Witze.

Fabio Van­noni ist nervös, weil er heute in der Cham­pions League spielen wird. Im Olym­pia­sta­dion von San Marino wird er beim Hin­spiel der ersten Runde in der Saison 2011/12 auf­laufen. Wäh­rend die Stars der großen Klubs gerade erst wieder ins Trai­ning ein­steigen, beginnt Europas lukra­tivster Ver­eins­wett­be­werb im nicht weit vom ita­lie­ni­schen Rimini gele­genen Zwerg­staat San Marino schon in der letzten Juni­woche. Die Società Polispor­tiva Tre Fiori, zuletzt dreimal in Folge Lan­des­meister, tritt gegen den Cham­pion des Insel­staates Malta an, den Val­letta Foot­ball Club.

Die vier Schluss­lichter der UEFA-Fünf­jah­res­wer­tung, die Meister aus San Marino, Malta, Andorra und Luxem­burg, spielen in einer Art Vor­ausschei­dung darum, wer sich mit dem litaui­schen Meister FK Ekranas oder den Slo­wenen des NK Maribor messen darf. Es folgen eine zweite und eine dritte Qua­li­fi­ka­ti­ons­runde, an die sich Play-offs anschließen, wo auch der FC Bayern ein­steigt. Theo­re­tisch könnte es Van­noni also bis ins Finale der Cham­pions League am 19. Mai 2012 in Mün­chen schaffen.

Am Nach­mittag sitzt er noch eini­ger­maßen cool im Foyer des Hotels San Giu­seppe, einem großen Klotz mit urin­gelber Fas­sade, in dem Papst Bene­dikt XVI. bei seinem Staats­be­such eine Woche zuvor noch ein Mit­tags­schläf­chen gehalten hat. Dafür ist die Ver­wal­tung des von Mön­chen geführten Hotels dem Hei­ligen Vater ewig dankbar“, wie sie auf einer Gedenk­tafel im Foyer fest­ge­halten hat. Zur Papst­messe im eigent­lich nur 7000 Zuschauer fas­senden Olym­pia­sta­dion, das so genannt wird, weil es 1985 die Spiele der kleinen Staaten Europas“ beher­bergte, waren 22.000 Men­schen gekommen. Da San Marino 30.000 Ein­wohner hat, waren, nimmt man Senioren und Kinder aus, also fast alle da.

Hier gibt es keine Tifosi“

Die Cham­pions League sorgt für viel weniger Auf­re­gung. Hier gibt es keine Tifosi“, erzählt Fabio, der vor 34 Jahren in Ber­gamo geboren wurde und inzwi­schen mit einer San-Mari­nesin ver­hei­ratet ist. Seine glanz­lose Pro­fi­kar­riere, in der er kurz in Perugia und bei Albi­nol­effe spielte, war schon wieder zu Ende, bevor sie richtig ange­fangen hatte. Am Ende bin ich hier gelandet“, sagt Fabio und zieht die Schul­tern hoch. Offenbar hat er es noch nicht ver­wunden, dass aus ihm kein Fuß­ball­star geworden ist. Da tut ein Spiel in der Cham­pions League beson­ders gut. Es ist eine kleine Revanche gegen­über denen, die nicht an mich geglaubt haben.“

Für einige der älteren Ex-Profis mag die Partie gegen das Team aus Malta ein Höhe­punkt ihrer Lauf­bahn sein, für viele junge Spieler sind Euro­pa­po­kal­par­tien fast schon Rou­tine. Um teil­zu­nehmen, muss man sich in San Marino nur halb­wegs geschickt anstellen und zum rich­tigen Zeit­punkt beim rich­tigen Verein spielen. So wie Hotel­por­tier Giulio Moli­nari, ehe­ma­liger Junioren-Natio­nal­spieler und heute Innen­ver­tei­diger der Società Spor­tiva Murata, der hinter seinem Tresen arg­wöh­nisch die Kol­legen von Tre Fiori im Foyer beob­achtet.

Man kennt sich aus den Straf­räumen der Repu­blik. Vor drei Jahren, als die vier kleinsten Fuß­ball­zwerge von der UEFA noch nicht in einer Extra­runde zusam­men­ge­pfercht wurden, spielte Giulio in der Cham­pions-League-Qua­li­fi­ka­tion sogar gegen den IFK Göte­borg. Wobei der bra­si­lia­ni­sche Alt-Welt­meister Aldair, den Giu­lios Klub extra für die Qua­li­fi­ka­tion ein­ge­kauft hatte, ihn von seinem Stamm­platz ver­drängte. Trotzdem war es unver­gess­lich. Wir wurden in Schweden sogar von der Polizei ins Sta­dion eskor­tiert“, erin­nert sich der Por­tier. Am Abend ins Sta­dion kommen wird er aber nicht, er will lieber seinen Son­nen­brand vom Wochen­ende aus­ku­rieren.

Tre-Fiori-Links­außen und Natio­nal­spieler Michael Simon­cini, 24, der nor­ma­ler­weise in Uni­form und mit auf­ge­pflanztem Bajo­nett vor dem Prä­si­den­ten­pa­last Wache schiebt, hat schon vor drei Jahren mit dem dama­ligen Meister Tre Penne zweimal in der Cham­pions-League-Qua­li­fi­ka­tion gespielt und ein Jahr später in der Europa League. Das Ein­zige, was bei ihm darauf hin­deuten könnte, dass das Spiel am Abend eine beson­dere Bedeu­tung hat, ist der pene­trante Duft von Haargel in seiner Igel­frisur.

Ein wich­tiges Spiel“, sagt er im gelang­weilten Ton des Cham­pions, aber auch nicht wich­tiger als andere.“ Das Staats­fern­sehen über­trägt live, aber ver­schlüs­selt, und des­halb wird die Ein­schalt­quote so über­schaubar sein wie alles in San Marino. Das Ausmaß der Vor­freude auf das Spiel ist zu erahnen, wenn man in der Bar am Orts­ein­gang nach den Chancen des Meis­ters fragt. Tre Fiori, chi?“ Tre Fiori, wer?

Im Haupt­beruf: Poli­zist und Geträn­ke­ver­käufer

Fuß­ball ist in San Marino Neben­sache. Man inter­es­siert sich für den Papst und für Motor­sport, schließ­lich ist es nicht weit zu den Fir­men­sitzen von Fer­rari, Ducati oder Lam­bor­ghini. Die ein­zige Fuß­ball­liga des Staates umfasst 15 Teams. Die Spieler von Tre Fiori gehen zweimal in der Woche nach der Arbeit zum Trai­ning. Fabio Van­noni arbeitet als Ver­si­che­rungs­makler, Kapitän Nicola Cana­rezza ist Geträn­ke­ver­käufer, ein Bade­meister spielt im Team, ein Maler­meister und ein Elek­triker. Sport­di­rektor Aster Casali ver­dient sein Geld als Poli­zist, und sein Vater, der 70 Jahre alte Prä­si­dent Marino Casali, hat 40 Jahre lang als Schreiner gear­beitet.

Star der Mann­schaft ist der 37-jäh­rige Albaner Altin Lisi, der nor­ma­ler­weise bei ASD Ric­cione in der fünften ita­lie­ni­schen Liga kickt. Tre Fiori hat ihn für die Play-offs ver­pflichtet, das heißt, sie zahlen ihm Ben­zin­geld. Altin findet das in Ord­nung, weil er so ein paar Cham­pions-League-Spiele machen kann. Die sieben Liga­ein­sätze, die für die Teil­nahme an der Qua­li­fi­ka­tion Pflicht sind, ver­schaffte er sich mit Ein­wechs­lungen in den letzten Minuten und als er bei Ric­cione eine Sperre absitzen musste. Spie­ler­trainer Paolo Tarini, 35, der für Catania Calcio eine Saison dritte Liga spielte, eben­falls eine San-Mari­nesin gehei­ratet hat und Ver­si­che­rungs­makler ist, fasst das Niveau seiner Mann­schaft nüch­tern zusammen: Fuß­ball ist was anderes.“

Das hat auch mit den kli­ma­ti­schen Bedin­gungen im hüge­ligen San Marino zu tun. Wäh­rend in den Tälern das ganze Jahr über milde Mit­tel­meer­luft zir­ku­liert, sind die Hügel im Winter tief ver­schneit. Für die Spieler von Tre Fiori, die in der Gemeinde Fio­ren­tino auf 490 Metern Höhe trai­nieren, fällt des­halb nicht selten das Trai­ning aus. Wenn es bei uns oben geschneit hat, haben wir sonn­tags schon Pro­bleme gegen Mann­schaften aus dem Tal, die unter der Woche trai­nieren konnten“, sagt Tarini. Die 15 Teams des Landes teilen sich sieben Fuß­ball­plätze, manchmal trai­nieren drei Mann­schaften gleich­zeitig auf einem Feld. Die Spiel­orte für das Wochen­ende werden aus­ge­lost. Selbst gegen den FC Val­letta können nicht alle kommen. Zwei lernen fürs Abitur, und ein Dritter ist schon in den Urlaub gefahren. Tre Fioris Spie­ler­trainer Tarini findet das in Ord­nung.

So wirkt es fast schon komisch, dass der Eli­te­be­trieb Cham­pions League seine neue Spiel­zeit gerade in San Marino eröffnet, das erst 1988 in die UEFA auf­ge­nommen wurde. Neun Tage vor dem Spiel fand am Sitz des euro­päi­schen Fuß­ball­ver­bandes in Nyon, und fernab jeden Inter­esses, die Aus­lo­sung statt. Wie bei der pompös insze­nierten und live im Fern­sehen über­tra­genen Grup­pen­aus­lo­sung ließ UEFA-Gene­ral­se­kretär Gianni Infan­tino auch diesmal Kügel­chen aus Plas­tik­vasen fischen und fal­tete Zettel auf. Die Kamera zoomte auf SP Tre Fiori“ und Val­letta FC“, nur schaute kaum jemand zu. Der pen­sio­nierte Schreiner Marino Casali saß in Anzug und Kra­watte mit den anderen Hin­ter­bänk­lern des euro­päi­schen Ver­eins­fuß­balls im Publikum und nahm das Los ohne Regung hin.

Noch nie hat ein Team aus San Marino ein Euro­pa­po­kal­spiel gewonnen

Durch den Ver­kauf von TV-Rechten und Spon­so­ren­ein­nahmen erzielte die UEFA mit der Cham­pions League in der vor­ver­gan­genen Saison 1,1 Mil­li­arden Euro Gewinn, 900 Mil­lionen Euro flossen an die Ver­eine zurück. Tre Fiori bekommt 15.000 Euro für die Teil­nahme an der ersten Runde, die der san-mari­ne­si­sche Fuß­ball­ver­band FSGC von der UEFA an seinen Meister wei­ter­leitet. Der Zweit- und Dritt­plat­zierten der Meis­ter­schaft, die in der Europa League spielen, erhalten den­selben Betrag. Der Ver­band finan­ziert auch die Hotel­über­nach­tungen und die Reise zum Rück­spiel. Für Ver­eins­prä­si­dent Casali bedeutet das: Er kann von dem Geld Tri­kots und Käl­tespray kaufen und den Spie­lern ab und zu einen Unkos­ten­bei­trag zuschießen.

Den Jah­res­um­satz von Tre Fiori, der von ein paar lokalen Spon­soren auf­ge­päp­pelt wird, schätzt Casali auf 50.000 Euro, aber ganz genau weiß er das nicht. Ich habe über­haupt keine Ahnung, wie viel wir bei einem Wei­ter­kommen kriegen würden“, sagt Casali. Wir haben ja sowieso keine Chance.“ Noch nie hat eine Mann­schaft aus San Marino ein Euro­pa­po­kal­spiel gewonnen.

Doch weil es selbst ganz unten in der Cham­pions League noch Große und Kleine gibt, weiß Victor Sci­riha genau Bescheid. Wie sein Kol­lege Casali ist auch der Prä­si­dent des FC Val­letta klein und rund, ein Hemd­zipfel ragt aus seiner Hose. Aller­dings ist der größte Phar­ma­pro­du­zent auf Malta und Besitzer von drei Restau­rants, einem Bau­un­ter­nehmen und einer Tex­til­fa­brik in Tune­sien von einem anderen Schlag. Die UEFA zahlt 100.000 Euro für die zweite Runde“, schießt es schroff aus ihm heraus. Für den ehr­gei­zigen Prä­si­denten ist das Spiel am Abend kein lauer Som­mer­kick. Der Jah­res­um­satz des mal­te­si­schen Meis­ters ist mit 800.000 Euro mehr als zehnmal so groß wie der von Tre Fiori.

Acht mal­te­si­sche Natio­nal­spieler

14 von 22 Spie­lern sind Voll­profis, acht mal­te­si­sche Natio­nal­spieler stehen im Kader, dazu zwei Bra­si­lianer, ein Nige­rianer und ein Spieler aus Bur­kina Faso. Trai­niert wird jeden Tag außer don­ners­tags. Ich werde weiter in die Mann­schaft inves­tieren“, ver­spricht Sci­riha, denn sein Ziel ist das Errei­chen der dritten Qua­li­fi­ka­ti­ons­runde. Das ist noch keinem Verein aus Malta gelungen. Außerdem hat er den Auf­stieg des mal­te­si­schen Fuß­balls ins­ge­samt im Sinn. Wir müssen unseren Ver­bands­ko­ef­fi­zi­enten weiter stei­gern“, sagt der 60-Jäh­rige. Aktuell hat Malta die Schluss­lichter des euro­päi­schen Fuß­balls bereits hinter sich gelassen und steht vor Nord­ir­land und den Färöern nun auf Platz 48. Das bedeutet, dass der mal­te­si­sche Meister nächstes Jahr erst in der zweiten Qua­li­fi­ka­ti­ons­runde ein­steigen muss.

Am Vor­mittag waren die Ver­eins­spitzen aus Malta und San Marino mit dem Dele­gierten der UEFA zusam­men­ge­troffen. Die Tri­kot­farben wurden ver­ab­redet, der Dele­gierte, ein großer grau­haa­riger Mann mit einem dicken Pflaster auf der Stirn, ermahnte die Teil­nehmer zu Fair Play. Beim offi­zi­ellen Mit­tag­essen über­reichte Prä­si­dent Marino Casali den Mal­te­sern einen gra­vierten Teller mit dem Wappen San Marinos, einen Kalender sowie die neu­esten Brief­marken mit dem Kon­terfei des Papstes.

Jetzt, eine Stunde vor dem Spiel, trottet Casali über den Rasen des Olym­pia­sta­dions und hängt am Zaun der Gegen­ge­rade das Trans­pa­rent eines lokalen Spon­sors auf. Es ist die ein­zige Wer­bung im Sta­dion und so weit von der Haupt­tri­büne ent­fernt, dass man den Namen nicht lesen kann.

Das Olym­pia­sta­dion ist eine bes­sere Bezirks­sport­an­lage mit vier Tri­bünen. Drei Ränge bleiben leer, nur auf der Haupt­tri­büne tröp­feln ein paar Zuschauer ein. Schließ­lich werden 544 Zuschauer je 20 Euro für die Ein­tritts­karte bezahlt haben. Aus den Laut­spre­chern klingen ita­lie­ni­sche Schlager, in der Ferne hört man die Glo­cken eines Kirch­turms, das Flut­licht ist ein­ge­schaltet. Beim Auf­wärmen gucken die Tre-Fiori-Spieler immer wieder neu­gierig zu den Mus­kel­pa­keten aus Malta hin­über. Auf der Haupt­tri­büne hat eine Gruppe gebräunter Mal­teser Platz genommen und zwei rote Fahnen über die leer geblie­benen Sitz­schalen gehängt.

Keine Cham­pions-League-Hymne, keine Sterne

Zum Anstoß kommen die Mann­schaften fast unbe­merkt aus einem Kabi­nen­trakt im Eck des Sta­dions zurück auf das Feld. Zwei Kinder in gelben Tre-Fiori-Tri­kots begleiten sie. Weil die UEFA die Cham­pions League erst von den Play-offs an ver­markten lässt, erklingt beim Ein­laufen der Teams keine Musik, keine Cham­pions-League-Hymne, und es gibt nie­manden, der im Mit­tel­kreis das Tuch mit den Sternen schüt­telt.

Im Spiel gerät Tre Fiori vom Anpfiff weg unter Druck. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis der FC Val­letta in Füh­rung geht, doch erst kurz vor der Halb­zeit trifft der Bra­si­lianer Denni Rocha dos Santos zum 1:0.Spielertrainer Tarini wech­selt sich zur Pause aus, Sport­di­rektor Aster Casali über­gibt dem vierten Mann mit einem unter­tä­nigen Bück­ling den Wech­sel­zettel. Der grau­haa­rige Tre-Fiori-Stürmer Ales­sandro Giunta reibt sich gegen die junge Abwehr aus Malta auf und muss bald raus. Fabio Van­noni dis­ku­tiert immer häu­figer mit dem Schieds­richter aus Schott­land, in ähn­li­chen Abständen springt ihm der Ball vom Fuß. Der Albaner Altin Lisi ver­tän­delt die Bälle inzwi­schen schon vor der Mit­tel­linie und kommt auch nicht mehr mit zurück. Kapitän Cana­rezza ist heiser vor lauter Brüllen, die Abwehr rückt nicht mehr auf, und Links­außen Simon­cini erwischt kaum ein Zuspiel.

Der FC Val­letta ist über­mächtig, fol­ge­richtig fällt das 2:0 für die Mal­teser und das 3:0 per Elf­meter. Dann ist Schluss. Die sieben mit­ge­reisten Fans aus Malta liegen sich in den Armen. Val­letta-Prä­si­dent Sci­riha, der ein paar Schritte von ihnen ent­fernt im Stehen applau­diert, kann sich vor dem Rück­spiel sicher sein: Jetzt fahren wir nach Litauen.“

Maikol, dein Kom­mentar zum Spiel?“

Bei Tre Fiori wirkt nie­mand beson­ders traurig, es ist schließ­lich alles so gekommen wie erwartet. Fabio Van­noni tauscht mit seinem Gegen­spieler das Trikot. Die Mann­schafts­kol­legen sind der­weil schon duschen gegangen. Die Zuschauer haben sich schnell zer­streut. Etwas später kommen einige Spieler aus der Kabine und stellen sich mit klitsch­nassen Haaren den Fragen einer Hand­voll Lokal­re­porter. Natio­nal­stürmer Michael Simon­cini trägt dabei einen tür­kisen Bade­mantel und Flip-Flops, seine Igel­frisur ist zu einem feuchten Haar­knäuel zusam­men­ge­sunken.

Maikol, dein Kom­mentar zum Spiel?“, fragt ein Jour­na­list wie beim großen Fuß­ball. Michael ant­wortet, er sei zuver­sicht­lich. Ob für das Rück­spiel, für die Zukunft des Fuß­balls in San Marino oder über­haupt, bleibt indes offen. Und so schaut der junge Kicker an den Repor­tern vorbei in die Ferne. Dort, auf der anderen Seite des Platzes, hum­pelt Prä­si­dent Marino Casali über den Rasen und hängt das ein­same Wer­be­trans­pa­rent des Spon­sors wieder ab.