Leo­nard Kaminski steht am Spiel­feld­rand eines Kunst­ra­sen­platzes in Berlin Fried­richs­hain. Es ist ein Sonntag im März, kurz nach zwölf. Außer ihm ver­folgen nur eine Hand­voll gelang­weilter Gesichter unter Regen­schirmen den eher mäßigen Kick. Man, warum gehst du nicht auf den Ball?“, schreit Kaminski und fährt sich kopf­schüt­telnd durch sein halb­langes, braunes Haar.

Eigent­lich würde er selbst auf dem Platz stehen, aber eine Ver­let­zung am Innen­band for­dert bis zu sechs Wochen Pause. Viel­leicht mache ich vier draus, ohne mich läuft das hier ja nicht“, sagt er scherz­haft. Der Trainer seiner Mann­schaft macht Urlaub. Und wie das eben in der Kreis­klasse B so ist, steht nun Kaminski an diesem Sonntag um kurz nach zwölf im Regen am Spiel­feld­rand und schüt­telt den Kopf. 

Kaminski ist ein gewöhn­li­cher Ama­teur­spieler. Einer, der ein­fach Lust hat, ein biss­chen zu kicken, um sich von seinem Alltag abzu­lenken. Das klappt gut. Außer manchmal, da steht der Spaß dann plötz­lich nicht mehr im Vor­der­grund: Denn Kaminskis Mann­schaft trägt den Davids­stern auf dem Trikot. Kaminski ist Jude und spielt in der dritten Mann­schaft von TuS Mak­kabi Berlin, dem ein­zigen jüdi­schen Sport­verein der Haupt­stadt.

Zwei Spiel­ab­brüche in einer Saison

Er selbst hat die dritte Mann­schaft 2015 gegründet. Aus Lust und Laune. Ein­fach mit ein paar Freunden kicken, die genau so wenig gut sind“ wie er. Sie mussten schnell fest­stellen, dass manch ein Gegner genau damit ein Pro­blem hat.

Zwei Spiel­ab­brüche, noch in der selben Saison. Der erste am zweiten Spieltag. Gegen den BFC Meteor III führte Mak­kabi III mit 1:0. Einer der Gegen­spieler drehte nach einer Ein­wurf-Situa­tion durch, erin­nert sich Kaminski: Er rief zu einem unserer Fans: ›Halt die Fresse du Scheiß­jude, ich fick dich.‹ Dann ver­suchte er einen anderen Zuschauer gegen die Brust zu treten.“ Die Situa­tion eska­lierte. Einer der Gegen­spieler ging auf Kaminski mit der Eck­fahne los: Sie riefen ›Juden­hunde, Juden­hunde.‹“ Die Mann­schaft ver­schanzte sich in der Kabine. Die Meteor-Spieler kün­digten an, davor mit Mes­sern zu warten. Erst als die Polizei kam, traute sich Mak­kabi heraus. Nach 55 Minuten.

Jungs, holt die Messer raus“

Der zweite Spiel­ab­bruch, zwei Monate später. Wieder führte Mak­kabi III mit 1:0. Dieses Mal gegen den 1. FC Neu­kölln. Das Wit­zige ist, es pas­siert nur etwas, wenn wir führen. Gegen die Juden darf man anschei­nend nicht ver­lieren“, sagt Kaminski. Ab der 80. Minute hätten die Neu­köllner Spieler begonnen, wahllos zu foulen. Als Mak­kabi kurz vor Schluss das 2:0 erzielte, zogen ein paar Neu­köllner Spieler ihre Tri­kots aus. Dar­unter: I love Palestine“-Shirts. Wir spielen nicht mehr. Jungs, holt die Messer raus“, soll einer gerufen haben.