Am 14.10. steigt zum zweiten Mal der Tag der Ama­teure. Wie im ver­gan­genen Jahr soll sich in der Län­der­spiel­pause einen Tag lang alles um unsere Liebe zum Ama­teur­fuß­ball drehen. Ihr wollt mit eurem Verein dabei sein? Hier ent­lang.


Armin Krings, dürfen wir Sie den Bomber Luxem­burgs“ nennen?
Meine Tor­quote war zwar ganz gut, aber auf Spitz­namen habe ich nie viel Wert gelegt.

Sie sind bis heute Rekord­tor­schütze des luxem­bur­gi­schen Fuß­balls. Für Avenir Beggen schossen Sie in 337 Spielen sagen­hafte 254 Tore. Kaum zu glauben, dass es nie Ange­bote aus dem Aus­land gab.
Anfang der Acht­ziger haben einige Klubs aus der zweiten deut­schen Liga ange­fragt, Vik­toria Köln zum Bei­spiel. Damals lebte ich noch in meiner Geburts­stadt Mön­chen­glad­bach und spielte in der Nach­wuchs­mann­schaft von Borussia – unter anderem mit Michael Front­zeck. Doch später kam nichts mehr, ich blieb trotz meiner Tore ein­fach zu unbe­kannt. Wer schaute bei der Suche nach guten Fuß­bal­lern schon nach Luxem­burg?

In den frühen Acht­zi­gern gehörte Glad­bach nicht mehr zum Favo­ri­ten­kreis um die Deut­sche Meis­ter­schaft. Wir unter­stellen Ihnen mal, dass Sie nach Beggen wech­selten, um im Euro­pa­pokal der Lan­des­meister zu spielen.
(Lacht.) Ach, nein. In Glad­bach war die Kon­kur­renz ein­fach sehr groß, da gab es in der Offen­sive Spieler wie Lothar Mat­thäus, Uwe Rahn oder Frank Mill. Viel­leicht hätte ich es eines Tages sogar in die erste Elf geschafft, wenn ich geblieben wäre. Doch eigent­lich ver­folgte ich damals gar nicht das Ziel Fuß­ball­profi. Ich wollte einen nor­malen Job lernen. In Beggen hatte ich dann beides: Ich machte eine Bank­aus­bil­dung und spielte nebenher für Avenir in der luxem­bur­gi­schen ersten Liga. Mit dem Bonbon: Euro­pa­pokal der Lan­des­meister.

Wussten Sie, dass Avenir Beggen in der Ewigen Tabelle des Lan­des­meis­ter­po­kals auf Platz 340 ran­giert?
Klingt nicht gut.

Die Sta­tistik: acht Spiele, null Punkte, 0:44 Tore. Genauer gesagt: Avenir ist Letzter.
Aber immerhin waren wir dabei! Im Ernst: Wir hatten gegen die Pro­fi­teams ein­fach keine Chance. In unserer Mann­schaft standen Ama­teure auf dem Platz, die sich 1000 bis 1500 Mark pro Monat dazu­ver­dienten. Tags­über haben sie als Banker, Büro­kauf­leute oder Lehrer gear­beitet, und drei- oder viermal in der Woche fuhren sie zum Trai­ning.

Oder sie spielten mitt­woch­abends gegen Klubs wie den AC Mai­land oder Rapid Wien. Keinen Bammel?
In den Acht­zi­gern nahm jeder euro­päi­sche Meister am Lan­des­meis­ter­pokal teil, es gab keine blöden Vor­runden oder Qua­li­fi­ka­ti­ons­spiele. Die Freude überwog also, end­lich mal gegen solche Top­mann­schaften anzu­treten, in denen die Helden unserer Kind­heit spielten.

Sie freuten sich auch bei 0:8‑Niederlagen wie gegen Göte­borg?
Das Rück­spiel ver­lief ja noch schlimmer, in Göte­borg ver­loren wir 0:9. Doch auch da zählte das alte olym­pi­sche Motto Dabei sein ist alles“. Blöd nur, dass ich wirk­lich oft nur dabei war, denn unser Trainer setzte natür­lich auf totale Defen­sive. Ich hatte als ein­zige Sturm­spitze kaum Ball­be­rüh­rungen. Eines dieser Spiele ist mir den­noch beson­ders in Erin­ne­rung.